Streit um Böhms Stiftung in Äthiopien eskaliert

Der ehemalige Schauspieler Karlheinz Böhm, der seit 28 Jahren die Äthiopienhilfe «Menschen für Menschen» leitet, und seine Ehefrau Almazs bei der Besichtigung eines ihrer Projekte in Äthiopien.
Der ehemalige Schauspieler Karlheinz Böhm, der seit 28 Jahren die Äthiopienhilfe «Menschen für Menschen» leitet, und seine Ehefrau Almazs bei der Besichtigung eines ihrer Projekte in Äthiopien.
Foto: Rainer Kwiotek /zeitenspiegel
Zwei Großspender werfen der Stiftung „Menschen für Menschen“ mangelnde Transparenz vor. Die Kritik richtet sich vor allem gegen Böhms Nachfolgerin, seiner Ehefrau Almaz. Dabei hat das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen der Stiftung erst im Dezember das Spendensiegel erneut verliehen.

München. Es geht um sein Lebenswerk. Um all das, was er aufbaute, nachdem er 1981 bei „Wetten dass..?“ die Spendenbereitschaft der Zuschauer für die hungernden Menschen in der Sahelzone kitzelte. Die 1,7 Millionen D-Mark, die er sammelte, halfen Afrika, sie veränderten aber auch sein Leben. Karlheinz Böhm schien sein persönliches Glück gefunden zu haben: „Menschen für Menschen“. Nun droht ein interner Streit in der Organisation zu eskalieren, die Arbeit von Jahren zu gefährden.

Die Vorwürfe gegen „Menschen für Menschen“, jener Hilfsorganisation, die in Äthiopien mehr als 4,6 Millionen Menschen betreut, sind drastisch. Mangelnde Transparenz wird ihr vorgeworfen, Verschwendung von Spendengeldern und der Bau eines überdimensionierten Bürogebäudes. Im Mittelpunkt der Kritik steht Almaz Böhm (48), die vierte Ehefrau des Schauspielers, und, wie er oft betonte, seine große Liebe. 2011 hatte sich der inzwischen 84-jährige Böhm aus der Stiftung zurückgezogen und seiner Frau den Vorsitz überlassen.

„Schlag ins Gesicht eines jeden Spenders“

Kritiker sind zwei Großspender, die bis vor kurzem auch Mitglied des Kuratoriums der Organisation waren. „Bild“ zitiert einen von ihnen, den Unternehmer Jürgen Wagentrotz, aus einem Brief an Almaz: „Es ist mir mit meinem Gewissen unvereinbar,..., dass Spendengelder für einen Bürohausbau verschwendet werden, der viel zu groß ist, der demzufolge dem guten Ruf der Stiftung mehr schadet als nutzt“. Von „einem Schlag ins Gesicht eines jeden Spenders“ ist die Rede, weil die Stiftung teure Schulbauten ihrem Schicksal überließe.

Beim Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen in Berlin, das Wohltätigkeitsorganisationen überprüft und die seriösen unter ihnen mit dem Spendensiegel auszeichnet, stößt das Verhalten der Kritiker auf Unverständnis. „,Menschen für Menschen’ besteht all unsere Prüfungen seit Jahren mit Bravour. Es gibt keinen Grund an der Spendenwürdigkeit oder dem effizienten Einsatz der Gelder zu zweifeln“, erklärt dessen Geschäftsführer Burkhard Wilke. Erst im Dezember habe die Stiftung wieder das Siegel verliehen bekommen. Wilke: „Zerwürfnisse kommen in solchen Organisationen immer wieder mal vor. Bedauerlich ist es, wenn die Kritik öffentlich wird.“ Almaz Böhm, die Äthiopierin, die ihren Mann kennenlernte, als sie in seiner Organisation als Viehzuchtexpertin arbeitete, hat inzwischen Stellung zu den Vorwürfen genommen. Besonders getroffen habe sie die Aussage, sie kümmere sich nicht um ihren Mann, der sehr an den Folgen eines schweren Autounfalls leide: „Ich pflege ihn, wann immer es notwendig ist.“

Er bleibt in Salzburg, sie pendelt

Einer, der Almaz und Karlheinz Böhm gut kennt, ist Roland Folz, ein Vorstand der Deutschen Bank, der ebenfalls im Kuratorium der Böhm-Stiftung sitzt. „Die Stiftung ist im Umbruch, weil Karl nun weniger da ist. Man sollte fair sein und Almaz Zeit geben. Der TÜV Rheinland hat die kritisierten Schulgebäude untersucht und die Vorwürfe entkräftet. Wegen des Bürogebäudes wurde mit der Stadt Addis Abeba über deren Auflagen verhandelt, so dass es inzwischen kleiner und günstiger gebaut werden kann.“ Er, Folz, könne die Intention der Kritiker nicht nachvollziehen. Verständnis habe er dagegen für Almaz und Karlheinz Böhm, die ihre Privatsphäre schützten.

Karlheinz Böhm, der an der Seite von Romy Schneider in den „Sissi“-Filmen bekannt wurde, lebt mit seiner Frau Almaz sehr zurückgezogen bei Salzburg. Früher pendelte er regelmäßig nach Äthiopien, heute, wo die Kinder Nicolas und Aida erwachsen sind, ist es Almaz, die sich um die Stiftung in Äthiopien kümmert. Almaz Böhm: „Ich musste meinem Mann versprechen, dass ich ihn schütze, wenn er alt, krank oder gebrechlich ist!“

 
 

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