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Marvel-Erfinder Stan Lee im Alter von 95 Jahren gestorben – das war sein Leben

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Stan Lee, Erfinder von Comicfiguren wie „Spider-Man“ und „Iron Man“, ist nach übereinstimmenden Medienberichten verstorben. Foto: imago/Rideaux-PicturePerfect

Los Angeles. 

Stan Lee

ist tot. Der Erfinder der Marvel-Comics soll am Montag im Alter von 95 Jahren im Cedars-Sinai Medical Center in Los Angeles, Kalifornien,gestorben sein, wie US-amerikanische Medien übereinstimmend berichten. Lees Tochter JC sagte TMZ: „Mein Vater hat alle seine Fans geliebt. Er war der großartigste und anständigste Mann.“

Lee hat Comics revolutioniert – Literaturfreunde und Kritiker hatten das Genre zuvor oft verschmäht. Comics waren etwas für eine kleine Fangemeinde aus Nerds und Außenseitern, Fantasystoff für Kinder und Jugendliche eben. Erst in den 1980er und 1990er Jahren wandelten sich die Hefte zu hipper Popliteratur, ehe sie mit Blockbustern und Videospielen die Massen erreichten. „Spider-Man“ ist heute nicht nur Kindern weltweit ein Begriff.

Von Stanley Martin Lieber zu Stan Lee

Der 1922 in New York geborene Stanley Martin Lieber half, diese Dämme zu brechen. Der Sohn rumänischer Einwanderer war noch ein Teenager, als er 1939 als Assistent beim Verlag Timely Comics begann, der später Marvel heißen sollte.

Seine Lückenfüller-Texte in Ausgabe 3 des „Captain America“-Comics im Jahr 1941 werden als Debüt in einer Karriere voller „POW!“ und „BANG!“ gesehen. Kurz darauf schuf er mit „Destroyer“ seine erste eigene Comicfigur und stand mit Künstlernamen Stan Lee im Heft, was später auch sein bürgerlicher Name wurde.

Die anderen zwei Mitarbeiter überwarfen sich mit dem Verleger, und so schmiss der Junge aus der Bronx den Laden kurzerhand allein. Mit eigenen Comicserien half er dem Haus, finanziell klamme Zeiten in den 1940er und 1950er Jahren durchzustehen.

Seine 1961 mit Zeichner Jack Kirby entwickelten „Fantastic Four“ wurden zum Konterentwurf der „Justice League“ vom Rivalen DC Comics, zu der unter anderem „Superman“, „Batman“, „Wonder Woman“ und „Green Lantern“ zählten. Die vier Astronauten, die nach einem Vorfall im Weltall übernatürliche Kräfte haben, machten Marvel zu einer treibenden Kraft im wachsenden Comic-Universum. Ein Jahr darauf folgte „Spider-Man“.

Stan Lee: Freie Hand für die Zeichner

Sogar eine eigene „Marvel-Methode“ wird Lee zugeschrieben, mit der die Hefte noch schneller produziert werden konnten: Statt dem im Voraus üblichen Drehbuch gab er nur grobe Angaben zum Verlauf einer Geschichte und den Zeichnern damit sehr freie Hand.

Möglich war das nur dank großem Vertrauen unter den Kollegen, denn Zeit für Korrekturen blieb am Ende kaum. Insgesamt schuf Lee mit Kirby, Steve Ditko und anderen Kollegen rund 350 Comicfiguren. Mit seinem Konterfei – weiße Haare, Schnurrbart, Flieger-Sonnenbrille – wurde er bald selbst eine Art Meta-Superheld.

Lee setzte anders als die Konkurrenz auf menschliche, natürliche Seiten der übernatürlichen Helden: „Daredevil“ ist blind, „Hulk“ hat unkontrollierte Wutausbrüche. Auch die „X-Men“-Figuren haben körperliche, geistige oder Verhaltens-Schwächen.

Und Streber Peter Parker, der als „Spider-Man“, ein Ungeziefer, die Wände von Hochhäusern erklimmt, sollte als „durchschnittlicher, schludriger Junge“ erscheinen, sagte Lee. „Batman“ lebt dagegen privat als Millionär Bruce Wayne, „Superman“ kommt als allmächtiger Adonis vom Himmel geflogen.

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Marvel: Auch Superhelden haben Schwächen

„Ich wusste nie, wer diese Charaktere sind“, sagte Lee 2013 mit Blick auf Helden anderer Verlage. „Übernatürliche Kräfte heißen denke ich nicht, dass es keine Charakterschwächen gibt, Familienprobleme oder sogar Geldsorgen. Ich habe versucht, Figuren als menschliche Wesen zu schreiben, die auch übernatürliche Kräfte haben.“

Ein Superheld mit Schwächen sei ein „großartiges Vorbild“, schrieb die Zeitschrift „Psychology Today“. Ein Teil des Erwachsenwerdens sei schließlich, eigene Schwächen zu erkennen und damit zu leben.

Lees eigene Schwäche war ihm zufolge, dass er mit seinen Erfindungen nicht viel Geld verdiente, auch nicht als Marvel-Verleger und Chefredakteur von 1972 an. „Ich war geschäftlich gesehen dumm. Ich hätte gieriger sein sollen“, sagte er 2017 – sein Vermögen wurde allerdings auf rund 50 Millionen Dollar (40 Mio Euro) geschätzt.

Dem „Hollywood Reporter“ zufolge lieferte sich LeesTochter J.C. mit dem Vater bittere Kämpfe über die Zukunft des Vermögens. Die Rede war von einer „zunehmend giftigen und kämpferischen Situation“. Lees Ehefrau Joan starb 2017 im Alter von 93 Jahren.

Stan Lee: Auch „Black Panther“ stammt aus seiner Feder

Auch den Job als Marvel-Präsident gab Lee wieder ab, um sich kreativeren Dingen zu widmen. Mal schrieb er Film-Adaptionen, mal Mangas, mal eine TV-Serie für Erwachsene namens „Stripperella“. Zudem hatte er Gastauftritte in mehr als zwei Dutzend Filmen aus dem Marvel-Universum.

Und obwohl er mit Mitte 90 zu Hause und unterwegs gesundheitlich von Pflegern betreut wurde, ließ er sich gern bei Comic-Messen blicken, wo er sich oft von unzähligen Fans umringt sah. Vorwürfe, Lee sei gegenüber Pflegerinnen sexuell übergriffig geworden, wiesen seine Anwälte entschieden zurück.

Dass auch der Titel „Black Panther“ aus Lees Feder stammt, dürften viele Fans im Hype um den Erfolgsfilm von 2018 nicht wissen. Als Stan Lee im Januar bei der Weltpremiere in Hollywood auftauchte und Hauptdarsteller Chadwick Boseman die Hand schüttelte, konnte man meinen, er wolle das Zepter an die nächste Generation überreichen. (dpa/cs)