Sparen mit Nachbars Auto - so funktioniert Car-Sharing

Hannes Koch
Autos zu teilen, kann eine günstige und ökologisch sinnvolle Alternative sein.
Autos zu teilen, kann eine günstige und ökologisch sinnvolle Alternative sein.
Foto: HO
Nicht nur Unternehmen oder Städte bieten Car-Sharing an. Auch das private Ausleihen von Pkw wird immer beliebter, weil es günstig ist. Nachteil: Nur in Großstädten gibt es genügend Fahrzeuge. Wir erklären, wie es funktioniert und auf was man achten sollte.

Berlin. Die meisten Pkw parken den größten Teil des Tages ungenutzt am Straßenrand. Diese Wahrnehmung ist der Ausgangspunkt des nachbarschaftlichen Car-Sharings. Die Idee, dass mehrere Nutzer sich die Verwendung eines vorhandenen Fahrzeugs teilen, findet zunehmend Anhänger. Über 10 000 Autos stehen bundesweit bereits zur Verfügung, in Ballungsräumen jeweils mehrere Hundert. Vor allem vier Anbieter (tamyca.de , nachbarschaftsauto.de, autonetzer.de , rent-n-roll.de ) helfen privaten Autoverleihern und Leihern, zueinanderzufinden, sagt das Car-Sharing-Vergleichsportal flexauto.de. Es handelt sich um eine Mischung aus gewinnorientiertem Geschäftsmodell und nachbarschaftlicher Kooperation.

Eine Möglichkeit: die Firma Nachbarschaftsauto

In Essen beispielsweise bieten über die Seite der Firma Nachbarschaftsauto sechs Pkw-Besitzer ihre Wagen zur Mitnutzung an. Stunden- oder tageweise kann man einen kleinen Opel Corsa, Citroën Saxo, einen BMW 316 oder auch ein Mercedes-SLK-Cabriolet mieten. In den Nachbarstädten Mülheim, Bochum, Gelsenkirchen und Dortmund sind ebenfalls Fahrzeuge angemeldet.

Das Auto zeitweise verleihen

Idealtypisch funktioniert das private Car-Sharing so: Wer ein Auto besitzt, verleiht es zeitweise. Wer eines leihen möchte, geht nicht zur Autovermietung oder zur professionellen Car-Sharing-Firma, sondern schaut sich bei seinen Nachbarn und Mitbürgern um. Den Kontakt zwischen Verleihern und Leihern stellen Internetseiten wie Nachbarschaftsauto, Tamyca oder Autonetzer her.

Die Leihgebühr legen die Eigentümer der Fahrzeuge selbst fest. Einen Kleinwagen bekommt man schon für beispielsweise 18 Euro pro Tag. Gepflegte Oldtimer oder neue Sportwagen können aber auch 400 Euro täglich kosten. Stundenweise Miete ist grundsätzlich ebenfalls möglich. Das Benzin bezahlen die Ausleiher. Die Vermittlungsfirmen finanzieren ihre Tätigkeit unter anderem, indem sie Provisionen (zum Beispiel 15 Prozent) vom Verleiher einbehalten.

Hinzu kommt die Versicherungsgebühr, die bei wenigen Euro beginnt. Das Prinzip: Die Wagen sind während der Ausleihzeit zusätzlich vollkasko und haftpflichtversichert. Verursacht der Ausleiher einen Schaden, deckt diesen die spezielle Versicherung ab, ohne dass der normale Schutz des Halters berührt wird. Deshalb sinkt auch nach einem Schaden der Versicherungsrabatt des Fahrzeugbesitzers nicht. „Die Autos sind doppelt versichert“, erklärt Christian Piepenbrock von Nachbarschaftsauto.

Autoteilen ist ökologisch

Aus der Sicht der Vermieter besteht ein wesentlicher Vorteil darin, dass ihr Wagen einen gewissen Beitrag zu seinen Unterhaltskosten erwirtschaftet. Außerdem mag man privates Autoteilen als ökologisch bezeichnen, weil ein vorhandenes Verkehrsmittel besser ausgelastet und kein zusätzliches gekauft wird. Aus der Leihperspektive spielt der teilweise günstige Preis eine Rolle. Außerdem kann es praktisch sein, das Auto zu nehmen, das direkt um die Ecke parkt. Wer stattdessen einen professionellen Car-Sharing-Wagen bucht, legt mit dem Smartphone in der Hand nicht selten gewisse Wege zurück, bis man ein freies Fahrzeug gefunden hat. Allerdings hat auch die Autovermietung ihren Parkplatz in der Regel nicht in der Nachbarschaft.

Als möglicher Nachteil des privaten Car-Sharings fällt die oft geringe Zahl der angebotenen Fahrzeuge ins Gewicht. Dann muss man noch längere Wege bewältigen, bis die Autofahrt starten kann. Nur in Großstädten ist das bislang anders. In den zentralen Wohnvierteln Berlins oder Hamburgs beispielsweise bestehen gute Chancen, in der Nachbarstraße einen Wagen abholen zu können.

Der zunehmende Erfolg des organisierten Privatverleihs hat vor einiger Zeit Neider auf den Plan gerufen. Der Bundesverband der Autovermieter legte Rechtsmittel gegen Autonetzer ein. Der Vorwurf: Die nachbarschaftlichen Autoverleiher bräuchten eine spezielle Zulassung für ihre Fahrzeuge, die sie nicht hätten. Der Ausgang des Verfahrens ist offen.