So begründet Marek Lieberberg die Anzeige für Xavier Naidoo

Marek Lieberberg kennt Xavier Naidoo seit 20 Jahren. Der Konzertveranstalter hat für seinen Freund nach der ESC-Absage eine Anzeige mit 120 weiteren Prominenten geschaltet.
Marek Lieberberg kennt Xavier Naidoo seit 20 Jahren. Der Konzertveranstalter hat für seinen Freund nach der ESC-Absage eine Anzeige mit 120 weiteren Prominenten geschaltet.
Foto: imago/Sascha Ditscher
Er sei erschüttert vom „blinden Hass“, der Xavier Naidoo im ESC-Debakel entgegen geschlagen sei, sagt Konzertveranstalter Lieberberg.

Berlin..  121 prominente Menschen haben sich öffentlich hinter Xavier Naidoo gestellt. Nach der umstrittenen Absage der umstrittenen Nominierung des Sängers für den Eurovision Song Contest hatten die Künstlerinnen und Künstler ihre Namen für eine ganzseiteige Anzeige hergegeben, die Konzertveranstalter Marek Lieberberg in der Samstagausgabe der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ geschaltet hatte. In einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ erklärt Lieberberg, der seit Jahrzehnten mit Naidoo zusammenarbeitet, seine Motivation.

Die „Heuchelei, die Hetze“ und der „blinde Hass“, die nach der NDR-Entscheidung für Naidoo aufgekommen seien, hätten ihn erschüttet, sagt Lieberberg, der einer der größten Konzertveranstalter Deutschlands ist, und erklärt: „Mir ging es einfach darum, dass die deutsche Kulturszene ein Zeichen für Toleranz setzt.“

Lieberberg nennt Naidoos Auftritt bei „Reichsbürgern“ ambivalent

Auf einige der umstrittenen Äußerungen und Auftritte Naidoos angesprochen, räumt der 69-Jährige ein, Naidoos öffentliches Erscheinen bei einer Kundgebung der als rechtsextrem eingestuften Gruppierung „Reichsbürger“ sei „sicher ambivalent“ gewesen. Und der Künstler habe „so manche Vorstellung, mit der ich mich nicht unbedingt anfreunden kann und muss“. Aber Naidoo unterstütze keine rechten Parteien oder fremdenfeindlichen Bewegungen, viele Dinge seien aus dem Zusammenhang gerissen worden. Aus welchem Zusammenhang, erklärt er nicht.

Lieberberg stimmt Musiker Herbert Grönemeyer zu, der in einem Facebook-Beitrag vor einer „Gesinnungspolizei“ warnt: Naidoo sei weder homophob, noch „rechts und reichsbürgerlich“, meint sein Kollege, „sondern neugierig, christlicher Freigeist und zum Glück umtriebig und leidenschaftlich“. Grönemeyer schreibt: „Wir brauchen keine Gesinnungspolizei oder Meinungsüberwachung, sondern hoffentlich 80 Millionen verschiedene Köpfe und Wahrheiten. Solange niemand davon verhetzt, verunglimpft, verletzt oder ausgegrenzt wird, ist das Kultur.“

Grönemeyer zählt nicht zu den „Menschen für Xavier Naidoo“, die ihren Namen unter Lieberbergs Anzeige gesetzt haben. Mit dabei sind etwa Mario Adorf, Tim Bendzko, Jan Delay, Pur, Die Prinzen, Jan-Josef Liefers und Anna Loos, dazu Michael Mittermeier und Til Schweiger, die sich bereits vor der Entscheidung des NDR, Naidoo nicht zum ESC zu schicken, für den Kollegen stark gemacht hatten. (moi)

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