„Shades of Grey“-Autorin James ist nichts peinlich

Die Autorin der Sadomaso-Trilogie "Shades of Grey", E. L. James, lässt sich auf der Frankfurter Buchmesse feiern - und bleibt dabei ganz bodenständig.
Die Autorin der Sadomaso-Trilogie "Shades of Grey", E. L. James, lässt sich auf der Frankfurter Buchmesse feiern - und bleibt dabei ganz bodenständig.
Foto: dapd
E. L. James genießt auf der Frankfurter Buchmesse den Erfolg ihres Bestsellers „Shades of Grey“. Ihr Lachen signalisiert: Der Buch-Autorin ist nichts peinlich. Zugleich präsentiert sie sich als Romantikerin, die Märchen liebt. Auch über ihre Pläne nach der Erotik-Trilogie plaudert sie freimütig.

Frankfurt/M.. E. L. James hat einen Kater: „Das sollte ich wahrscheinlich nicht zugeben!“ Ein herzliches Lachen an einem verregneten Mittag. Vielleicht hat sie einmal zu oft angestoßen mit ihren internationalen Verlegern gestern Abend, vielleicht zu oft sich selbst zugeprostet für 40 Millionen verkaufte Bücher weltweit: „50 Verlage waren da, ich habe mich wie ein Rockstar gefühlt“, erzählt sie vom Buchmessen-Empfang zu ihren Ehren, von den „überwältigenden“ Reaktionen und dass sie, Luftholen!, zum ersten Mal in Deutschland sei, wie schön das wäre.

"50 Shades of Grey"-Autorin steht mitten im Leben

James’ Auftritt vor der Presse könnte überheblich wirken, würde der Eindruck nicht gebrochen durch das Erscheinungsbild der Autorin. Man glaubt ihr sofort, dass sie ihre Wäsche noch selbst macht. Klein ist sie, rundlich, bodenständig.

Trägt ein schwarzes Kleid zu hohen Stiefeln, im Reptil-Look geprägt. Dunkel umrandete Augen schauen so gerade eben unter dem Pony hervor. Reichlich Goldschmuck, lange helle Fingernägel, bunte Armbänder. Und dieses Lachen. Mitten aus dem Leben. Eine, der nichts peinlich ist.

Noch nicht einmal ihre eigenen Bücher.

Schriftstellerin E. L. James: „Ich schäme mich nicht“

„Ich habe diese Bücher für mich geschrieben“, sagt James, „das sind meine Fantasien – ich schäme mich nicht, das zuzugeben. Und ja, ich habe ein großartiges Sexleben.“ Wäre das auch gleich gesagt. (Und jetzt Schluss mit dem Thema, oder es setzt was . . . – ach quatsch.)

Beim Schreiben hatte sie übrigens auch viel Spaß. Zur Serie „Twilight“ hatte Erika Leonard im Internet einen Fortsetzungsroman als „Fanfiction“ verfasst; mit dem E-Book unter dem Pseudonym E. L. James begann der einzigartige Aufstieg eines Bestsellers.

In Deutschland haben die ersten beiden Bände der Trilogie eine Auflage von 3,2 Millionen erreicht. Teil drei, „Befreite Lust“, erscheint am 24. Oktober. „Als ich mit dem Schreiben begann, hat es mir so viel Freude gemacht, dass ich völlig darin versunken bin – ich habe selbst in der U-Bahn noch ins Notebook getippt, habe kein Fernsehen mehr geschaut, bin nicht mehr ausgegangen. Meine Freunde haben mich gefragt, was machst du die ganze Zeit?!“ Jetzt wissen sie es: mega-erfolgreiche Bestseller schreiben, die genau das sind, was Frauen wollen.

Erotik-Roman "50 Shades of Grey" soll schon Ehen gerettet haben

„Ich habe E-Mails von Frauen, die schon seit Jahren keine Bücher mehr gelesen haben – aber meines jetzt“, erzählt James mit dem Stolz einer missionarischen Literatin, der kindlich wirkt: „Eine schrieb mir, sie liest die Shades zum 60. Mal, können Sie das glauben?!“ Und mit einem Augenzwinkern zitiert sie: „Sie haben meine Ehe gerettet!“

Wie erklärt sie sich den Erfolg ihrer Bücher? „Wir alle lieben Märchen“, sagt sie, „und meine Geschichte ist ein Märchen, eine romantische Liebesgeschichte.“ Ach so? Ging es da zwischen dem Ritter auf dem weißen Pferd (Mr. Grey) und der lieblichen Prinzessin (Ana) nicht auch irgendwie um entfesselten Sex? Um knallharte Sadomaso-Praktiken?

Beim Wort „Mommy Porn“, Hausfrauenporno, aber verzieht sich ihr Gesicht zur schmerzverzerrten Miene. Und sie beeilt sich zu erzählen, dass selbst ihrer 84-jährigen Tante das Buch „sehr gut gefallen“ habe. Nur ihre Söhne hätten es nicht gelesen.

Ein Lustmacher, der kein Lustmacher sein will?

Auch die besorgte Frage einer koreanischen Journalistin hören James und die Verlagsmitarbeiterin an ihrer Seite gar nicht gerne: Was ist, wenn Paare das Buch als Vorlage nehmen – und sich dabei verletzen? Dies sei ein Roman, betont James, keine Anleitung! „Was Paare im Schlafzimmer tun, ist ihre Privatsache“, wichtig sei aber ein „respekt- und gedankenvoller“ Umgang miteinander.

Und so drängt sich am Ende der Frankfurter Pressekonferenz der seltsame Eindruck auf, es hier mit einem Lustmacher-Buch zu tun zu haben, das aber gar kein Lustmacher sein will: ein hungriger grauer Wolf im soften Schafspelz. Als Nächstes, ist auf der Autoren-Webseite zu lesen, schreibt E. L. James „eine neue Liebesgeschichte“.

 
 

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