Sein Beruf sind Witze für Jan Böhmermann und die „heute-show“ - Gagschreiber packt aus: „Meine Frau findet mich unfassbar unlustig“

Gagschreiber Thomas Poppe (rechts) arbeitet für Jan Böhmermann oder die „heute-show“.
Gagschreiber Thomas Poppe (rechts) arbeitet für Jan Böhmermann oder die „heute-show“.
Foto: privat

Eichenbühl. „Meine Frau findet mich unfassbar unlustig“, sagt Thomas Poppe (37). Ein Millionenpublikum sieht das anders. Sie feiern seine Gags für die „heute-show“, das „Neo Magazin Royale“ von Jan Böhmermann oder „Late Night Berlin“ mit Klaas Heufer-Umlauf.

Lustig sein auf Knopfdruck, das ist sein Job. Thomas Poppe ist Gagschreiber. „Gagschreiben ist wie die Arbeit als Maurer. Jeder kann lernen, wie man eine Mauer baut - der eine ist nur talentierter als der Andere. So ist es mit guten Gags auch“, sagt der Mann aus dem unterfränkischen Dorf Eichenbühl.

Arbeitet für Jan Böhmermann oder die „heute-show“: Thomas Poppe ist Gagschreiber

Doch wie wird man überhaupt Gagschreiber? In Poppes Fall fand der Job ihn, nicht er den Job.

„Ich bin genau wie Hape Kerkeling quasi in einem Lebensmittelgeschäft aufgewachsen, da macht man viele Alltagsbeobachtungen“, erzählt er über seine Kindheit.

Schon mit sechs Jahren stand er beim Karneval vor hunderten Leuten auf der Bühne und hielt Büttenreden. „Dummgebabbel war schon immer meins“, lacht der heute 37-Jährige. Später blieb er in der Schule sitzen, weil er lieber bis spät nachts TV Total oder Harald Schmidt schaute statt im Bio-Buch für die nächste Klausur zu pauken.

Gags und Kolumne bei FUMS

Im Nachhinein keine allzu schlechte Entscheidung. Nach einer Ausbildung als Kaufmann, Fachabi und Aushilfsjob als Staplerfahrer landete er als Quereinsteiger in der Medienbranche, machte ein Volontariat im Funkhaus Aschaffenburg und arbeitet als Redakteur.

Nebenbei jagte er sogenannte „Oneliner“ über die sozialen Netzwerke raus. Die „heute-show“ wurde aufmerksam. Der Start seiner professionellen Gagschreiber-Karriere.

Hessische Radiosender sind auch im Repertoire des Gagschreibers

Seither gehören neben „heute-show“, „Neo Magazin Royale“ und „Late Night Berlin“ auch verschiedene hessische Radiosender (u.a. Hitradio FFH) und das Fußball-Online-Magazin FUMS zu den Arbeitgebern des Freiberuflers.

„Jenseits von Radio und TV ist gerade FUMS eine schöne Abwechslung, weil man sich hier austoben kann, die Community riesig gewachsen ist und wir einfach ein kleiner Fußball verrückter Haufen sind“, erzählt der Bayern München-Fan.

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Gags leben von ihrer Fallhöhe

Ein guter Gag lebt von seiner Pointe, erklärt Poppe. „Humor arbeitet mit Fallhöhe. Man schafft eine Erwartungshaltung, die zum Schluss zerstört wird. Je weniger du mit dem Schluss rechnest, desto besser ist der Gag.“ Knapp, prägnant und für eigentlich jeden verständlich sollte er sein. Bei Satire darf dagegen auch ruhig mal der Finger in die Wunde gelegt werden. „Bei der heute-show dürfen sich die Leute schon mal drüber aufregen“, so der Gagschreiberling.

Oft wird er nach seinem Lieblingswitz gefragt. Doch den gibt es gar nicht. „Ich mag einfach richtig gute Wortspiele“, sagt er.

Mitfiebern vor dem Fernsehen

Von seinen Auftraggebern bekommt er in der Regel Themen, die es zu bewitzen gilt. Dann sprudelt er los - und reicht seine Witzesammlung ein.

Wird ein Gag von der „heute-show“ für die sozialen Netzwerke verwendet oder von Jan Böhmermann im TV übernommen, gibt es Kohle. Denn Gagsschreiben ist am Ende auch ein Glücksspiel. „Man weiß bis zur TV-Ausstrahlung nicht, ob der Gag genommen wird. Dann sitze ich vor dem Fernseher und fiebere mit. Verdiene ich etwas oder nicht?“

Auch nach über zwei Jahren im Geschäft bleibt das ein Gefühl wie bei Kleinkindern vorm Christbaum. „Es ist immer noch außergewöhnlich, dass TV-Moderatoren meinen Witz erzählen. Irgendwie Wahnsinn!“

Gagschreiber Poppe: „Quatschkopf war ich schon immer“

Wichtig ist es dazu, immer auf dem neuesten Stand zu sein.

Der FC Bayern findet keine neuen Spieler, die SPD keine Führungsperson - was liegt da näher als eine gemeinsame Arbeitsgruppe. Gags wie diese kommen Poppe sofort, wenn er die aktuellen Ereignisse aus Politik, Sport und Gesellschaft verfolgt. „Das ist ein Reflex im Kopf. Du denkst sofort nach, was kannst du Lustiges machen.“

Das sei schon immer so gewesen. „Ein Quatschkopf war ich schon immer. Nur hat das in der Schule nicht so gut funktioniert wie heute“, scherzt er.

 
 

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