Sechsstellige Beträge für nie gesendete MDR-Shows?

Udo Foht (MDR-Unterhaltungschef) steckt in Schwierigkeiten. Foto: imago
Udo Foht (MDR-Unterhaltungschef) steckt in Schwierigkeiten. Foto: imago
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Ausgerechnet zum 20-Jährigen trifft es den MDR knüppeldick: Erst versagte seine Aufsicht des Ki.Ka, jetzt stehen im Fall Foht Betrugsvorwürfe im Raum. Doch der MDR schweigt. Die Politik ist genervt.

Leipzig. Im DDR-Fernsehen füllte er einen „Kessel Buntes“. Jetzt geht es um schmutzige Wäsche. MDR-Unterhaltungschef Udo Foht (60) steht unter Betrugsverdacht. Doch die Waschtrommel bei dem Leipziger Drei-Länder-Sender kommt nicht auf Touren – und das nervt die Politik.

Foht galt im Osten als schillernde Figur. Das Publikum in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen hielt der suspendierte Graubart mit Ostalgikern wie Achim Mentzel bei Laune, im Westen beglückte der Entdecker von Moderator Florian Silbereisen Freunde alpiner Mundart-Folklore.

Allerdings wählte Foht eigenwillige Methoden, um Projekte zu finanzieren. Dafür kassierte er bereits vor zehn Jahren eine Abmahnung. Dieser Tage kam es – scheibchenweise – noch dicker. Derweil heißt es in einem Brief von Sender-Chef Udo Reiter (67) an den MDR-Rundfunkrat, für nie gesendete Shows sollen Gelder „in sechsstelliger Höhe“ von Produktionsfirmen an Foht geflossen sein. Reiter weiter: „Aufgrund der bislang vorliegenden Unterlagen muss davon ausgegangen werden, dass die gezahlten Gelder von Herrn Foht oder anderen für private Zwecke verwendet wurden.“ Offiziell indes schweigt der MDR, „um die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nicht zu gefährden“, wie Sendersprecher Dirk Thärichen fabulierte.

Was genau prüft die interne Revision des Senders?

Die Politik spielt dieses Spiel nicht mehr länger mit – allen voran Sachsen-Anhalt, seit Juli für die Rechtsaufsicht des Senders zuständig. Regierungssprecher Franz Kadell fragt: Was genau prüft die interne Revision des Senders? Welche Vorschriften gelten für die Programm-Beschaffung? Mit wem traf Foht Absprachen? Vom Sender verlangt Kadell „eine zeitnahe Information der Gremien“.

Den MDR trifft der Skandal zur Unzeit. Vor kurzem erst, im Prozess um Millionenbetrug beim Ki.Ka, hatte sich der Schunkelfunk verbale Ohrfeigen für die luschige Aufsicht des gebührenfinanzierten Nischensenders gefangen. Deshalb mochte keiner das 20-Jährige des MDR bejubeln. Selbst Gründungsintendant Reiter verging der Spaß. Im Mai verkündete er seinen vorzeitigen Rückzug. Dabei endet sein Vertrag eigentlich erst 2015.

 
 

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