Schwules Paar kämpft in Thailand um Baby Carmen

Die neun Monate alte Carmen Santos-Lake lebt mit ihren beiden Vätern in Bangkok. Ihre thailändische Leihmutter verweigert die Ausreise.
Die neun Monate alte Carmen Santos-Lake lebt mit ihren beiden Vätern in Bangkok. Ihre thailändische Leihmutter verweigert die Ausreise.
Foto: dpa
Ein schwules Paar fürchtet in Thailand um sein Glück. Die Väter bangen ums Sorgerecht, weil die thailändische Leihmutter das Mädchen behalten will.

Bangkok.. Am Ende entscheidet ein Gericht über das Familienglück des Paares Gordon Lake und Manuel Santos. Gleichzeitig verhandeln die Juristen auch über das Mutterglück einer 34 Jahre alten Thailänderin. Die Richter müssen Ende Oktober klären, wem offiziell die Elternschaft der neun Monate alten Carmen zusteht: Dem schwulen Pärchen oder der jungen Thailänderin, die das Baby als Leihmutter ausgetragen hat. Lake ist der biologische Vater des Mädchens. Das Kind wurde mit einer Spender-Eizelle gezeugt, die Leihmutter ist biologisch nicht mit Carmen verwandt.

Die Geschichte zeigt, dass eine Leihmutterschaft in Thailand zwar ein Geschäft zwischen zwei Parteien ist, Gefühle aber Vereinbarungen durcheinanderwirbeln können. Im Fall der kleinen Carmen verweigert die Leihmutter ihre Einwilligung zur Ausreise des Babys. Das hat die beiden Amerikaner in eine Situation geführt, die von dem gemeinsamen Glück weit entfernt liegt.

Regierung legt mit neuen Gesetzen ein ganzes Gewerbe lahm

Seit fast neun Monaten leben Lake und Santos mit dem Baby versteckt in der thailändischen Hauptstadt. Frische Luft kennt das Mädchen beinahe nicht: Die beiden Väter sagen, dass sie nur selten das Haus verlassen – aus Angst, der Leihmutter zu begegnen. „Carmen sollte bei der Familie sein“, sagt Gordon Lake. „Sie sollte mit anderen Kindern zusammen sein und die Welt entdecken“, so der Amerikaner. Das Zimmer in den USA sei bereits hergerichtet, erzählen die Väter. Dass ihnen die Ausreise gelingt, halten Experten aber für unwahrscheinlich. Das liegt an der neuen Gesetzeslage in Thailand.

Seit Juli sind dort Leihmuttergeschäfte für Ausländer verboten. Der Staat legt damit ein ganzes Gewerbe lahm: Dutzende Agenturen lotsten in den vergangenen Jahren Tausende Eltern aus aller Welt durch die Vorschriften; die Vermittlung von Leihmüttern war ein lukratives Geschäft.

Dann erschütterten im Sommer 2014 gleich zwei Skandale die Öffentlichkeit: Im Fall, der „Baby Gammy“ genannt wurde, trug eine Leihmutter Zwillinge für ein australisches Paar aus. Der Junge wurde mit Down-Syndrom geboren. Die Eltern ließen ihn zurück und reisten mit ihrer gesunden Tochter ab. Zeitgleich machte ein Japaner Schlagzeilen, der sich von Leihmüttern zehn Kinder austragen ließ. Die Fälle lösten weltweit Empörung aus. Thailand verschärfte daher die Gesetze.

Väter zahlten 35.000 Euro für Schwangerschaft

In Deutschland ist die Vermittlung einer Leihmutterschaft nach dem Adoptionsvermittlungsgesetz strafbar. Das Embryonenschutzgesetz verbietet hierzulande, bei Leihmüttern eine künstliche Befruchtung durchzuführen.

Die Väter Gordon Lake und Manuel Santos, die bereits einen Sohn von einer Leihmutter haben, waren erst optimistisch. Die ganze Schwangerschaft, für die sie rund 35.000 Euro bezahlt hatten, lief nach Plan, einen Tag nach der Geburt hielten die Väter das Baby in den Armen. Die Leihmutter unterzeichnete die Papiere, damit sie das Mädchen aus dem Krankenhaus mitnehmen konnten. Erst zum Termin in der US-Botschaft, wo die Unterschrift der Mutter zur Erteilung eines Reisepasses nötig war, erschien sie nicht mehr. „Plötzlich schickt sie uns eine SMS und sagt, sie habe es sich anders überlegt“, sagt Lake. Der Presse sagte die Leihmutter, sie wolle keinen schwulen Männer als Familie für das Mädchen. Freunde von ihr meinten in Sozialen Netzwerken, die Frau habe selbst schon immer ein Kind wie Carmen haben wollen und wohl nie die Absicht gehabt, das Baby aufzugeben.

„Es geht überhaupt nicht um die sexuelle Orientierung der Männer“, sagt ihre Anwältin der Leihmutter. Weitere Auskünfte gab sie vor dem Gerichtstermin nicht.

Petition der Väter hat mehr als 163.000 Unterstützer

Die Väter kämpfen dennoch um das Baby. „Carmen ist geboren worden, bevor das Gesetz in Kraft getreten ist“, sagt Lake. Tatsächlich sind vor dem Juli geborene Kinder von dem neuen Gesetz ausgenommen. Doch fürchtet das Paar nun um das Sorgerecht: Ehen zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern sind in Thailand nicht anerkannt. Der Chefrichter des Jugendgerichts in Bangkok machte mit einem offenen Brief Schlagzeilen, wonach Homosexuelle keine Chance hätten, je als Eltern zugelassen zu werden. Die beiden Amerikaner haben daher eine Petition auf der Internetseite „change.org“ gestartet, die sich an Außenminister John Kerry und Thailands Premierminister Prayut Chan-o-cha richtet. Sie hat bereits mehr als 163.000 Unterstützer.

 
 

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