Frau (21) verhinderte Abschiebung eines Afghanen im Flugzeug – darum ermittelt nun die Staatsanwaltschaft gegen sie

Indem Elin nicht in der Flugzeugkabine Platz nahm, erreichte sie, dass die Abschiebung eines Afghanen unterbrochen wurde.
Indem Elin nicht in der Flugzeugkabine Platz nahm, erreichte sie, dass die Abschiebung eines Afghanen unterbrochen wurde.
Foto: Elin Ersson/Facebook
  • Schwedin Elin E. verhinderte die Abschiebung eines Afghanen, als sie sich weigerte, im Flugzeug Platz zu nehmen
  • Ihr Video von der Protestaktion ging viral
  • Nun soll sie strafrechtlich verfolgt werden – weil sie gegen dieses Gesetz verstoßen hat

Göteborg.  Die Schwedin Elin E. ging im Juli mit einem Video viral, in dem sie zeigte, wie sie die Abschiebung eines Afghanen an Bord eines Fluges von Göteborg nach Istanbul verhinderte. Indem sie sich weigerte, in der Kabine Platz zu nehmen, erreichte sie, dass der 52-jährige Asylbewerber aus dem Flugzeug abgeführt und seine Abschiebung somit unterbrochen wurde.

Elins Mut bewegte Nutzer weltweit. In dem Clip, der millionenfach geklickt wurde, sagt die angehende Sozialarbeiterin: „Ich begehe kein Verbrechen.“ Ein schweres Verbrechen beging die 21-Jährige zwar nicht, eine Straftat jedoch offenbar schon.

Schwedin hat mit Weigerung gegen Gesetz verstoßen

Denn nun teilte die schwedische Staatsanwaltschaft dem „Guardian“ zufolge mit, dass das Bezirksgericht in Göteborg die Protestaktion der 21-Jährigen strafrechtlich verfolgen werde, weil sie gegen das Luftfahrtgesetz verstoßen habe. Sie habe den Anweisungen des Bordpersonals sowie des Piloten nicht Folge geleistet, als sie sich weigerte, Platz zu nehmen.

-----------------

Auch interessant:

Fast 13.000 Afghanen müssen mit Abschiebung rechnen

Bericht: Mehr als 600 Abschiebungen seit 2015 abgebrochen

Roma-Ehepaar nach 25 Jahren nach Serbien abgeschoben

-----------------

Während ihres Protests hatte Elin das Foto eines afghanischen Asylbewerbers dabei, den sie an Bord des Fluges vermutete und dessen Ausreise sie und andere Aktivisten verhindern wollten. Wie sich herausstellte, war er nicht an Bord, stattdessen ein 52-jähriger Landsmann, der ebenfalls abgeschoben werden sollte.

Elin beschloss, ihren Protest fortzusetzen. Später stellte sich heraus, dass der afghanische Passagier bereits in das schwedische Strafregister eingetragen war.

„Ich tat es als Individuum, Aktivistin und Mitmensch“

Elin steht dennoch zu ihrer Protestaktion. „Ich tat es als Individuum, Aktivistin und Mitmensch“, sagte sie schwedischen Medien. „Meine Meinung zur Ausreise ist, dass Menschen es verdienen, zu leben. In Schweden gibt es keine Todesstrafe, aber die Deportation in ein Kriegsland kann den Tod bedeuten. Wenn jemand ein Verbrechen begeht, sollte derjenige inhaftiert werden und seine Zeit in Schweden absitzen.“

Gudrun Romeborn von der Aktivistengruppe Sittstrejken, in der Elin sich engagiert, erklärte dem „Guardian“: „Elins Mut hat viele Menschen inspiriert. Aber es ist wichtig zu verstehen, warum so viele Menschen in der Gemeinschaft dafür arbeiten, dass Asylbewerbern in Schweden Gerechtigkeit widerfährt. Sie sind keine Kriminellen. Wir versuchen, Deportationen zu stoppen, um Leben zu retten. Europa gibt viel Geld dafür aus, Sicherheit in Afghanistan zu gewährleisten, aber es funktioniert nicht.“

Nun könnte Elin aufgrund des Gerichtsverfahrens eine Haftstrafe von bis zu sechs Monaten drohen. Noch wurde für die Verhandlung kein Termin festgelegt. (leve)

 
 

EURE FAVORITEN

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Beschreibung anzeigen