Schwangerschaftsgymnastik für Elefanten

Rebecca Müller
Hoch das Bein: Im Wuppertaler Zoo läuft ein Schwangerschaftskurs bei den Elefanten. Foto: Jakob Studnar - fotopool
Hoch das Bein: Im Wuppertaler Zoo läuft ein Schwangerschaftskurs bei den Elefanten. Foto: Jakob Studnar - fotopool

Wuppertal. Im Wuppertaler Zoo ist schwer was los: Die beiden Elefantendamen Punda und Sabie erwarten Nachwuchs. Es kann jederzeit so weit sein.

Schauplatz: Zoo Wuppertal. Sport für Mollige: Rüssel an Schwanz stampft die siebenköpfige Gruppe durch die Gegend. Ihre Turnhalle ist ein Gehege. Die schwülwarme Luft riecht nach Heu. Nächste Übung: Rüssel hoch. Beine heben. Kopf auf den Boden. Sieht aus wie eine gute Zirkusnummer, ist aber Schwangerschaftsgymnastik für Elefanten.

Im Zoo Wuppertal dreht sich in diesen Tagen alles um die schwangeren Elefantendamen „Punda“ und „Sabie“. Bei beiden steht die Geburt unmittelbar bevor. „Es könnte jeden Tag soweit sein“, sagt Zootierarzt Arne Lawrenz. Der 46-Jährige beobachtet die Tiere ganz genau. Schließlich muss er wissen, wann der große Tag bevorsteht. Angst vor den Geburten habe er keine, sagt der Tierarzt. Schließlich sind Punda und Sabie erfahrene Elefantenmütter, die beide schon ein Junges auf die Welt gebracht haben.

Nach der Sportstunde hat der Dokter den Tieren Ultraschall verordnet. Für die 18-jährige Sabie ist es eine Routine-Untersuchung. Mit halb geschlossenen Augen und hin- und herpendelndem Schwänzchen lässt sie die Prozedur geduldig über sich ergehen. Munter verputzt die Elefantenfrau einen kleinen Heuballen. Lawrenz streicht ihr einmal liebevoll über die kratzige Flanke, bevor er einen dicken Klecks durchsichtiges Ultraschallgel auf den Kugelbauch klatscht. „Wir brauchen alles in Extragröße“, erklärt er mit einem Grinsen und stellt den Fünf-Liter-Gelkanister zur Seite.

Dann nähert sich der Tierarzt mit weißen Latexhandschuhen der werdenden Mutter und setzt den Ultraschallkopf an. „Schauen Sie, jetzt bewegt sich das Kleine ganz doll.“ Arne Lawrenz deutet mit einem gelverschmierten Finger auf den Bildschirm des tragbaren Ultraschallgeräts, das in einer Tasche um den Hals von Nachwuchs-Elefantenpfleger Julian Kusak hängt. Einen kleinen Rüssel sucht man vergebens. Der Elefant ist einfach zu groß, um ihn komplett auf ein Ultraschallbild zu bekommen.

„Alles wie immer, dem Baby geht es gut“, stellt er fest. Heute wird das Kleine wohl noch nicht auf die Welt kommen. Darauf deute auch die Blutuntersuchung hin, die der Arzt täglich durchführt.

Trotzdem sind die Tierpfleger auf alles vorbereitet. Seit einem Monat schläft immer ein Pfleger mit im Elefantenhaus. Wirklich entspannend ist das nicht. „Die Elefanten machen nachts unheimlich viel Lärm“, sagt Lawrenz. Auch in der Silvesternacht hatte er Baby-Dienst. Das Feuerwerk hat er noch nicht einmal gehört. Elefanten schnarchen so laut wie ein Sägewerk.

Das „Kinderzimmer“ für die beiden Kleinen ist schon eingerichtet. Die Pfleger haben eine Box für die werdenden Mütter Punda und Sabie reserviert und diese extra tief mit Sand eingestreut. „Damit wollen wir den natürlichen Erdboden nachbauen.“

Elefanten gehen bei der Geburt in die Knie

Lawrenz stochert mit seinen Gummistiefeln im „Buddelkistensand“ herum. Der Bodenbelag ist wichtig. Nicht etwa, weil der Sturz aus Elefantenbauchhöhe auf einen harten Untergrund für das Kleine gefährlich wäre. „Denn Elefanten bekommen ihre Jungen, indem sie in die Knie gehen und ihren Nachwuchs quasi wie ein Ei auf den Boden setzen“, erklärt der Tierarzt.

Gefährlich könnte das erste Aufstehen werden, wegen der wackeligen Beinchen. Denn bei der Geburt flutschen 50 Liter Fruchtwasser mit heraus. „Auf normalem Boden würden die Babys vielleicht ausrutschen.“