Schulleiter begeht Selbstmord nach Fährunglück in Südkorea - Kapitän verhaftet

Für drei Besatzungsmitglieder der gesunkenen Fähre haben die Ermittler Haftbefehl beantragt.
Für drei Besatzungsmitglieder der gesunkenen Fähre haben die Ermittler Haftbefehl beantragt.
Foto: dpa
Nach dem Fährunglück in Südkorea mit wahrscheinlich 300 Toten haben die Ermittler Haftbefehl für drei Besatzungsmitglieder beantragt, darunter auch der Kapitän. Unterdessen hielt der Vize-Direktor der am schlimmsten betroffenen Schule die Selbstvorwürfe nicht aus — er beging Selbstmord.

Seoul. Rund drei Tage nach dem Untergang der südkoreanischen Fähre "Sewol" mit möglicherweise fast 300 Toten ist der Kapitän festgenommen worden. Das meldete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap am Samstagmorgen (Ortszeit). Dem 68-jährigen Lee Jun Seok werden demnach mehrere Straftaten vorgeworfen, darunter fahrlässige Pflichtverletzung und die Verletzung des Seerechts. Nach Erkenntnissen der Ermittler hatte er die Schiffsführung an die wenig erfahrene, 26-jährige Dritte Offizierin übergeben, bevor das Schiff mit 475 Menschen an Bord am Mittwochmorgen zu sinken begann. Fast 270 Menschen galten auch am Freitag noch als vermisst. Die Einsatzkräfte haben wenig Hoffnung, sie noch lebend bergen zu können.

Das Ermittlerteam von Polizei und Staatsanwaltschaft hatte für drei Besatzungsmitglieder Haftbefehle beantragt, darunter der Kapitän, sagte ein Vertreter der Küstenwache bereits am Freitag. Einer der Geretteten, der Vize-Direktor der am meisten betroffenen Oberschule, beging offenbar Selbstmord.

Nach den ersten Ermittlungen wurde die Fähre zum Unglückszeitpunkt nicht vom Kapitän, sondern vom dritten Offizier gesteuert. Kapitän Lee habe sich zu diesem Zeitpunkt "hinten" im Schiff befunden, sagte Staatsanwalt Park Jae Eok. Experten vermuten, dass das Schiff auf einen Felsen lief oder eine scharfe Kurve fuhr, wodurch die Ladung - darunter mehr als 150 Autos - verrutschte, was das Schiff zum Kentern brachte.

Die meisten Besatzungsmitglieder konnten sich retten

An Bord der 6825-Tonnen-Fähre waren 475 Menschen, als sie am Mittwochmorgen verunglückte. Der Kapitän und die meisten der 28 Besatzungsmitglieder konnten sich retten. Von Hinterbliebenen wurde inzwischen Kritik laut, dass die Besatzung das sinkende Schiff verlassen habe, während viele Passagiere noch an Bord waren. Bislang konnten nur 179 Insassen der Fähre gerettet werden, 28 Leichen wurden geborgen. Für die am Freitag noch immer 268 Vermissten gab es nur geringe Überlebenschancen.

Tauchteams versuchten am Freitag verzweifelt, Zugang zum Schiffswrack zu finden. Zwei Tauchern sei es gelungen, eine Tür aufzustemmen und in den Frachtbereich der Fähre zu gelangen, sagte ein Vertreter der Küstenwache. Allerdings wurden diese Taucher ebenso wenig fündig wie ein weiteres Zweier-Team, das in die Kabinen gelangte. "Die Sichtbarkeit tendiert gegen Null", sagte einer der Taucher. "Man kann gerade noch seine Hand vor den Augen erkennen."

Mehr als 300 Schüler waren auf der Fähre

Unter den Passagieren der Fähre waren mehr als 300 Schüler eine Oberschule in Ansan südlich von Seoul. Ihr Vize-Direktor Kang Min Kyu wurde auf der Insel Jindo an einem Baum hängend gefunden, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete. Der 52-Jährige war unmittelbar nach dem Unglück gerettet worden, konnte das Unglück aber offenbar seelisch nicht verkraften. "Allein zu überleben, schmerzt zu sehr", schrieb der Pädagoge den Angaben zufolge in einem Abschiedsbrief. "Ich übernehmen die volle Verantwortung, ich habe mich für den Schulausflug eingesetzt."