Schüsse auf Polizisten vor Amtsitz von Italiens Regierung

Bei der Vereidigung der neuen italienischen Regierung gab es einen Zwischenfall: Auf die Polizisten vor dem Amtssitz wurden Schüsse abgegeben. Zwei Beamte wurden verletzt. Die Hintergründe sind noch ungeklärt.

Während der Vereidigung der neuen italienischen Regierung haben Schüsse vor dem Amtssitz des Ministerpräsidenten am Sonntag zwei Polizisten und eine Passantin verletzt. Der Hintergrund der Tat war zunächst unklar. Ein Italiener in Jackett und Krawatte habe plötzlich mit einer Pistole eine Reihe von Schüssen abgegeben und sich selbst verletzt, als er fliehen wollte, berichteten italienische Medien.

Der Schütze stammt aus Kalabrien. Er wurde sofort festgenommen und vernommen. Wie es heißt, könnte er psychisch gestört und deshalb in Behandlung sein. Die beiden getroffenen Polizisten wurden nach den Angaben der Behörden nicht lebensgefährlich verletzt.

Der Regierungspalast Chigi liegt im historischen Zentrum Roms weit entfernt vom Quirinale-Sitz des Staatspräsidenten, der die Regierung zu diesem Zeitpunkt gerade vereidigte. Der Platz vor dem Amtssitz Giorgio Napolitanos wurde vorsichtshalber von der Polizei geräumt.

Unterdessen hat der linksliberale Ministerpräsident Enrico Letta (46) zwei Monate nach der Parlamentswahl sein Amt als neuer Regierungschef des Landes angetreten. Er hatte sich am Samstag doch noch für eine breite Koalition entschieden und mit Staatschef Giorgio Napolitano die endgültige Kabinettsliste festgelegt.

Berlusconi und Monti nicht in der Regierung

Der designierte Regierungschef und PD-Vize-Chef dürfte am Montag oder Dienstag mit seiner Regierungserklärung vor die Kammern treten und um das Vertrauen bitten. Seine Partei hatte die Parlamentswahlen im Februar gewonnen, verfügt im Senat jedoch über keine Mehrheit. Die separatistische Lega Nord und die populistische Protestbewegung "Fünf Sterne" und die kleine Links-Partei SEL gehen in die Opposition.

Die Regierung wird von Lettas linker Demokratischer Partei (PD), der rechten PdL-Partei des früheren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi und der kleinen Zentrumspartei von Mario Monti getragen. Weder Berlusconi noch Monti ziehen jedoch ins Kabinett ein.

Vize-Regierungschef und neuer Innenminister wird Berlusconis Parteichef Angelino Alfano. Das Außenministerium soll die ehemalige Ministerin und EU-Kommissarin Emma Bonino führen. Das Wirtschafts- und Finanzressort übernimmt der Generaldirektor der Zentralbank, Fabrizio Saccomanni. Unter den 21 Ministern sind viele Frauen und jüngere Politiker.

Letta zeigte sich "schlicht zufrieden" über die erreichten Kompromisse für die Regierungsbildung. Napolitano sagte, er hoffe jetzt auf "stärksten Zusammenhalt", um das hoch verschuldete und in der Rezession steckende Land schnell aus der Krise zu führen. (dpa)