Rund 1700 Tonnen Antibiotika in der Tierhaltung eingesetzt

Ein Drittel der rund 1700 Tonnen Antibiotika, die jährlich in der deutschen Tierhaltung eingesetzt werden, werden an Tierärzte in NRW und Niedersachsen ausgegben.
Ein Drittel der rund 1700 Tonnen Antibiotika, die jährlich in der deutschen Tierhaltung eingesetzt werden, werden an Tierärzte in NRW und Niedersachsen ausgegben.
Foto: dpa
Verbraucherschützer kritisieren seit langem den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung. Besonders viele Medikamente werden laut einerneuen Erhebung des Bundesamtes für Verbraucherschutz an Tierärzte ganz im Westen der Republik abgegeben - in Teilen NRWs und Niedersachsen.

Berlin. An Tierärzte in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen wird nach amtlichen Erkenntnissen besonders viel Antibiotika für die Tierhaltung ausgegeben. Allein in den Postleitzahlenbereich 49, der sich über Teile beider Nachbarländer erstreckt, gingen mehr als 500 von bundesweit jährlich ausgegebenen rund 1700 Tonnen. Diese erstmals für 2011 erhobenen Mengen veröffentlichte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) am Dienstag.

Massenhafter Antibiotika-Einsatz in der Tiermast wird seit längerem kritisiert. Die Verwendung soll sinken, um die Gefahr zu verringern, dass Antibiotika bei kranken Menschen nicht mehr wirken. Bereits vor einem Jahr hatte NRW-Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) kritisiert, dass eine antibiotikafreie Geflügelmast offenbar die Ausnahme geworden sei. Damals hatte er in einer Studie den Antibiotika-Einsatz in der Geflügelmast beleuchten lassen. Mastgeflügel kommt demnach teilweise ohne tierärztliche Verordnung und häufig außerhalb von Therapiezeiten in Kontakt mit Antibiotika.

Das BVL erläuterte jetzt, dass neuere Antibiotika, die auch für die Behandlung von Menschen bedeutend sind, "eher selten" eingesetzt würden. Derartige als kritisch eingestufte Wirkstoffklassen machten rund elf Tonnen aus. Seit 2011 muss die Industrie an ein Register melden, welche Mengen bestimmter Arzneimittel sie an Tierärzte abgibt.

Ein Drittel der Antibiotika in Hochburgen der Massentierhaltung

Die Grünen im Europaparlament mahnten, es sei nicht zu tolerieren, dass im Postleitzahlengebiet 49, wo Hochburgen der Massentierhaltung etwa bei Osnabrück und Vechta lägen, etwa ein Drittel der Gesamtmenge verabreicht werde. Die Grünen-Bundestagsfraktion forderte andere Haltungsbedingungen. Ställe mit einer halben Million Hühnern seien "Brutherde für Erkrankungen".

Das Bundeslandwirtschaftsministerium betonte, der Antibiotika-Einsatz müsse gesenkt werden. Ein gerade beschlossenes Gesetzespaket, das Anfang 2014 in Kraft treten soll, werde mehr Transparenz schaffen und Behörden eine konsequentere Ahndung von Verstößen ermöglichen. (dpa)