Rüpel, Raser und Rambos: Aggressive Autofahrer im Fokus

Eine Limousine lässt die Lichthupe aufblitzen, ein junger Radler streckt den Mittelfinger in die Höhe: Fast jeder Autofahrer ist am Steuer schon einmal bepöbelt und bedroht worden. Die Gewerkschaft der Polizei fordert deshalb häufigere Kontrollen. Nur eine verstärkte Präsenz der Beamten könne die zunehmende Aggressivität auf den Straßen eindämmen, sagte der Gewerkschaftsvorsitzende Witthaut.

Berlin/Goslar (dapd). Eine Limousine lässt die Lichthupe aufblitzen, ein junger Radler streckt den Mittelfinger in die Höhe: Fast jeder Autofahrer ist am Steuer schon einmal bepöbelt und bedroht worden. Die Gewerkschaft der Polizei fordert deshalb häufigere Kontrollen. Nur eine verstärkte Präsenz der Beamten könne die zunehmende Aggressivität auf den Straßen eindämmen, sagte der Gewerkschaftsvorsitzende Bernhard Witthaut am Dienstag vor dem Beginn des Verkehrsgerichtstages in Goslar. Andere Fachleute sind skeptisch und legen andere Rezepte gegen Rüpel vor.

Bei der Goslarer Tagung mit rund 2.000 Teilnehmern soll die Aggressivität im Straßenverkehr ein zentrales Thema werden. Gewerkschafter Witthaut sagte vor dem Treffen: "Wir haben kein Gesetzesdefizit, sondern ein Vollzugsdefizit." Höhere Strafen oder schärfere Gesetze, wie sie häufig von Politikern gefordert werden, bringen seiner Meinung nach keine Verbesserung. Stattdessen forderte Witthaut die Bundesländer auf, den Personalabbau bei der Polizei zu stoppen. Nur so könnten genügend Kräfte für Kontrollen eingesetzt werden.

Einer Studie des ADAC zufolge wurde etwa die Hälfte der Fahrer auf der Autobahn schon einmal bedroht. Jeder Vierte erlebte solch brenzlige Situationen im Stadtverkehr, wie die Umfrage aus dem Sommer des vergangenen Jahres ergab.

Brutale Autofahrer sind Spiegelbild der gehetzten Gesellschaft

Die Versicherer hatten am Montag die Forderung nach höheren Strafen erhoben: Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft sprach sich für konsequente Fahrverbote gegen Raser und Drängler aus. Dies wiederum wiesen am Dienstag die Anwälte zurück. Nach Einschätzung des Deutschen Anwaltvereins reichten die bisherigen Sanktionen aus. Notorischen Übeltätern am Steuer könne schon heute der Führerschein entzogen werden, wenn seine Straftaten auf ein hohes Aggressionspotenzial schließen lassen. Der Anwaltverein forderte mehr als bislang darüber aufzuklären, wie schnell der Führerschein eingezogen werden kann.

Dagegen bewertete der Auto Club Europa (ACE) derartige Appelle an die Moral als unwirksam. Eine Lösung für das Problem gebe es kaum, sagten die Experten. Aggressives Verhalten im Verkehr sei eine Folge der steigenden Arbeitsbelastung und der Terminhetze im Alltag.

(Informationen zum Verkehrsgerichtstag: http://url.dapd.de/kYhZee )

dapd

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