RTL-Mitarbeiter hat jahrelang manipulierte Beiträge ins TV geschmuggelt

Foto: Imago

Köln. Ein Reporter hat RTL jahrelang manipulierte Beiträge untergejubelt. Das hat der Sender in einem Bericht selbst aufgeklärt. Der Mitarbeiter war für RTL Nord tätig.

Wie RTL berichtet, hatte eine Kollegin im Mai auf den Reporter hingewiesen. Dabei ging es um einen Beitrag über Codein-Missbrauch, der nicht mit den Fakten aus dem ebenfalls vom Reporter gedrehten Rohmaterial überinstimmte.

RTL: Reporter hat Beiträge manipuliert

Nach dem Hinweis wurden bei mindestens sechs weiteren Beiträgen Auffälligkeiten bemerkt. Der Reporter hatte vor allem Beiträge für „Punkt 12“ produziert.

Im Gespräch mit RTL-Chefredakteur Michael Wulf und RTL Nord-Geschäftsführer Michael Pohl versuchte der Beschuldigte, die Vorwürfe zu relativieren, heißt es vonseiten es Fernsehsenders. „Da die Beweislage in den geprüften Fällen jedoch eindeutig war, wurde die sofortige Trennung von dem Mitarbeiter ausgesprochen“, schreibt RTL.

RTL: "Im Gesamtkontext nicht erfunden", aber rote Linie überschritten

„Die von uns geprüften Beiträge waren im Gesamtkontext zwar nicht erfunden, aber handwerklich und inhaltlich sehr geschickt dahingehend manipuliert, dass sie aufregender und größer wirken sollten, als es die Realität hergab“, so Michael Pohl, Programmchef bei RTL Nord. Damit habe der Reporter ganz bewusst rote Linien des Journalismus überschritten.

Details zu mehreren manipulierten Filmen sind bereits bekannt. So löste laut RTL erstmals ein Beitrag vom 6. Mai 2019 bei "Punkt 12" und im "RTL Nachtjournal" den Verdacht der Manipulation aus.

Eine Mitarbeiterin von RTL Nord wandte sich deshalb am 15. Mai an die Geschäftsführung von RTL Nord. In mehreren Punkten war der Beitrag unstimmig: Eine Protagonistin, die laut Reporter zweifache Mutter sei und angeblich Codein nehme, sah augenscheinlich deutlich jünger aus als angegeben.

Zwei Personen zu einer gemacht

Im Rohmaterial habe sie zudem Aussagen getroffen, die den Schluss nahelegten, dass sie in Wirklichkeit noch nie Codein genommen habe.

Einige Tage später gab der Reporter schließlich nach zweifacher Aufforderung die Kontaktdaten der Protagonisten seines Beitrags preis, wie RTL mitteilt. Er habe beteuert, diese seien real. Das habe sich aber als unwahr erwiesen.

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Bei einer genauen Untersuchung des verfremdet gedrehten Filmmaterials habe man festgestellt, dass es sich bei der jungen Frau nicht um die von dem Reporter genannte vorgebliche Protagonistin handelte.

Ein Kameramann, der am Dreh beteiligt war, habe später bestätigt, dass die Protagonistin und die im Beitrag verdeckt gezeigte junge Frau zwei verschiedene Personen seien.

Interview mit Lionel Richie? Nein.

In einem anderen Beitrag soll der Reporter suggeriert haben, ein persönliches Gespräch mit dem Sänger Lionel Richie geführt zu haben. „Dafür fügte er sich in der Postproduktion durch Gegenschussaufnahmen nachträglich als Fragesteller ein“, so der Sender. In Wirklichkeit stammten die Aufnahmen aus Pressematerial, das nur den Sänger zeigte.

In einem weiteren Fall wurde Rohmaterial aus einem RTL-Nord-Dreh mit der Musikerin Melanie C. für einen Beitrag über Desinfektionsmittel genutzt.

Der Reporter behauptete, bei einem Interview bemerkt zu haben, dass auch Melanie C. sich die Hände desinfiziere. In Wahrheit cremt sich Melanie C. ihre Hände und Unterarme aber nur mit Feuchtigkeitscreme ein. Das bestätigt auch die Reporterin, die das Rohmaterial gedreht hat. (fel/pen)

 
 

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