RTL mit drastischem Schnitt: TV-Sender verabschiedet sich komplett von Fake-Soaps

RTL trennt sich von Allen Scripted-Reality-Formaten.
RTL trennt sich von Allen Scripted-Reality-Formaten.
Foto: Imago

Köln. Bei Deutschlands größtem Privatsender RTL ist derzeit einiges in Bewegung. Ende 2018 hatte die langjährige Geschäftsführerin Anke Schäferkordt das Unternehmen verlassen, ihr Nachfolger Bernd Reichart hat im Sender seitdem einige Änderungen angestoßen.

Im Januar verkündete RTL außerdem, dass Programmgeschäftsführer Frank Hoffmann nach 27 Jahren Jahren bei RTL aufhört. Und offenbar plant der Kölner Sender auch im Programm einen klaren Schnitt.

RTL will komplett neues Programm am Nachmittag

So berichtet das Branchenportal „DWDL“, dass RTL sich komplett von Scripted Reality-Formaten verabschieden wird. Das bestätigte Daytime-Chef Thorsten Gieselmann dem Portal: „Scripted Reality hat für uns keine Zukunft mehr. Ab Herbst wollen wir mit einem komplett neuen Line-up am Nachmittag angreifen.“

Jahrelang hatte RTL das Nachmittagsprogramm mit Scripted-Reality-Formaten geflutet. Bei diesen Formaten soll den Zuschauern vorgetäuscht werden, dass die gezeigten Ereignisse sich wirklich so zugetragen haben. In Wirklichkeit sind aber Schauspieler, meist Laiendarsteller, am Werk.

„Scripted Reality“ wurde zum Auslaufmodell

Doch die hanebüchenen Geschichten, die RTL präsentierte, kamen beim Zuschauer zuletzt immer schlechter an. Formate wie „Betrugsfälle“, „Verdachtsfälle“, „Die Trovatos“ oder „Familien im Brennpunkt“ hatten ihre große Zeit zu Beginn der 2010er-Jahre.

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Auch andere Sender setzten in dieser Zeit massiv auf das Genre „Scripted Reality“. So hatte Sat.1 Sendungen wie „K11 - Kommissare im Einsatz“ oder „Niedrig und Kuhnt“ im Programm, Vox feierte lange mit „mieten, kaufen, wohnen“ große Erfolge.

Vox feiert Erfolge mit echten Menschen

Mittlerweile wollen die Zuschauer lieber echte Menschen sehen. So punktet Vox seit Jahren mit Formaten wie „Shopping Queen“ und „Vier Hochzeiten und eine Traumreise“. Mit „Bares für Rares“ hat das ZDF außerdem einen Megahit gelandet. In diese Kerbe will nun auch RTL schlagen.

Mit „Die Superhändler“ etablierte RTL sein eigenes Trödelformat und konnte mit „Auf fremden Sofas“ ebenfalls einen Achtungserfolg erzielen. Dieses Format soll Ende März mit neuen Folgen zurückkehren.

„Scripted Reality“ wird zur Randerscheinung

Aktuell setzt fast ausschließlich Sat1. noch auf das einstige Erfolgs-Genre „Scripted Reality“. Dort läuft etwa das Polizei-Format „Auf Streife“. Auch RTL2 mit „Berlin - Tag & Nacht“ sowie „Köln 50667“ noch Scripted-Reality Formate im Programm.

Dem Genre war immer wieder heftige Kritik entgegengeschlagen. Die ARD-Sendung „Panorama“ widmete „Scripted Reality“ auf dessen Höhepunkt den berüchtigten Beitrag „Das Lügenfernsehen“. Experten forderten damals sogar eine Kennzeichnungspflicht, damit Zuschauer bemerken, dass die gezeigten Geschichten nicht echt sind.

Auf Talkshows folgte „Scripted Reality“

Zu dieser Zeit dominierten die Formate vor allem das Nachmittagsprogramm der Privatsender und lösten die Talkshows immer weiter ab. Sendungen wie „Hans Meiser“ oder „Ilona Christen“ hatten lange die Vorherrschaft über den Nachmittag. Mit „Britt“ verschwand 2013 die letzte Show aus der Hochzeit des „Daily Talk“ aus dem TV.

Ein Grund: „Scripted Reality“ ist schlicht günstiger zu produzieren als eine Talkshow. Die Sender brauchen kein Studio und gut bezahlte Moderatoren. Gefilmt wird in günstigen Sets oder einfach in bereits bestehenden Locations. Das sind allerdings Vorteile, die auch für Formate wie „Shopping Queen“ gelten. (fel)

 
 

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