Riekes Reise - Orang-Utan-Baby kommt zu Affen-Ammen

Die Reise nach England kann lange dauern. Wenn das Orang-Utan-Baby Rieke unruhig wird, muss Chauffeurin Marlies Slotta Pause machen.
Die Reise nach England kann lange dauern. Wenn das Orang-Utan-Baby Rieke unruhig wird, muss Chauffeurin Marlies Slotta Pause machen.
Foto: dpa
Am Montag heißt es Abschied nehmen vom Berliner Affenbaby Rieke: Der Orang-Utan wird nach England gebracht. Auch die Chauffeurin ist schon aufgeregt.

Berlin.. Etwa 1300 Kilometer weit ist die Reise, die das Affenbaby Rieke am Montag antreten soll: Doch von der Fahrt von Berlin ins englische Dorset wird das vier Wochen alte Orang-Utan-Mädchen vermutlich kaum etwas mitbekommen. "Sie kommt in eine Transportbox, zusammen mit ihren Kuscheldecken und Spielsachen zum Greifen", sagte Zoo-Tierarzt André Schüle der Deutschen Presse-Agentur. Er begleitet Rieke, die in Deutschlands Hauptstadt heiß geliebt wird, mit dem Tierpfleger Christian Aust nach Dorset.

Vermutlich werde das Äffchen den Großteil des Tages schlafen. "Wenn sie Hunger bekommt, fahren wir rechts ran und sie kriegt ihre Babymilch." In Dorset soll Rieke künftig auch von Affen-Ammen umsorgt werden. Der kleine Menschenaffe wurde im Berliner Zoo nach der Geburt von seiner Mutter verstoßen. Zoo-Mitarbeiter haben Rieke bisher mit der Flasche aufgezogen, gewindelt und rund um die Uhr versorgt.

Auch für Marlies Slotta, die Rieke für ihr Zootier-Transportunternehmen in einem Geländewagen chauffieren wird, ist die Reise etwas Besonderes.

Sichtkontakt zu einem Vertrauten ist während der Fahrt wichtig

Zwar hat Slotta in 30 Berufsjahren schon Giraffen, Antilopen und Elefanten gefahren, manchmal bis nach Portugal. "Bei Affen geht das aber oft mehr unter die Haut", sagt sie. Die Tiere schäkerten gern. "Ich denke immer, die wollen mir irgendwas sagen."

Für Riekes Reise wollte Slotta ihren Wagen am Sonntag nach allen Regeln der Hygiene desinfizieren. "Dann lege ich frisch gewaschene Bettlaken auf die Sitze", sagt sie. Rieke komme dann am Montag in einer anschnallbaren Box auf den Rücksitz, ihren Pfleger immer neben sich. "Wichtig ist der Sichtkontakt zu einem Vertrauten", sagt Slotta. Dann fühle sich Rieke sicher wohl.

Wie lange die Reise dauert, kann Slotta noch nicht sagen. "Das kommt auf das Äffchen an", sagt sie. Werde es unruhig, müsse sie eben öfter mal Pause machen.

Künftig soll der kleine Orang-Utan artgerecht im Ape Rescue Center Monkey World, einem 26 Hektar großen Wildpark, zusammen mit anderen zurückgelassenen Menschenaffen aufwachsen. "Wir sind schon sehr gespannt darauf, wie Rieke sich dort mit dem fünf Monate alten Sumatra-Orang-Utan Bulu Mata verstehen wird", sagt Schüle.

Monkey World ist der beste Ort für Rieke

Schüle und Aust wollen noch ein paar Tage in Dorset bleiben, um Rieke die Eingewöhnung zu erleichtern. In ihrem neuen Zuhause soll sie bald von speziell trainierten Orang-Utan-Ammen betreut werden.

"Diese Weibchen kümmern sich um den verwaisten Nachwuchs", sagt Schüle. "Sie reichen die Jungtiere, immer wenn sie Hunger haben, den Pflegern durch das Gitter hinaus." Die Pfleger gäben den Jungen dann das Fläschchen und reichten sie den Ammen zurück.

Auch aus diesem Grund sei Monkey World eine offizielle Orang-Utan-Krippe. "Für uns war klar, dass dies für Rieke der beste Ort ist", sagt Schüle. Denn eine Äffchen-Krippe kann Berlin nicht bieten. (dpa)

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