Reden ist Gold für die Clintons

Washington..  Im Sommer vergangenen Jahres löste Hillary Clinton gelinde gesagt ungläubiges Staunen aus, als sie in einem Interview gestand, Bill und sie seien am Ende der Präsidentschaft ihres Mannes 2001 „völlig pleite“ gewesen und auch heute noch immer „nicht wirklich wohlhabend“.

Wie verzerrt zumindest der zweite Teil der Selbstwahrnehmung war, ist seit dem Wochenende offenkundig. Die Präsidentschafts-Kandidatin der Demokraten für 2016 und ihr altpräsidialer Gatte haben in den letzten 16 Monaten zusammen knapp 30 Millionen Dollar zu versteuerndes Einkommen erzielt. Zieht man fünf Millionen Dollar ab, die Hillary Clinton nach dem Ausscheiden als Außenministerin für ihr jüngstes Buch („Hard Choices“) einstrich, speist sich der Rest aus 104 Reden, die beide vor internationalen Organisationen, großen Banken, Firmen oder Verbänden gehalten haben. Im Schnitt 240 000 Dollar pro Auftritt. Aber es ging noch mehr.

Während Hillary für eine Rede vor dem Dachverband der Biotechnologie-Industrie mit 335 000 Dollar das höchste Einzel-Salär kassierte, bekam Bill für seine Darlegungen vor dem Nahrungs-Forum Stockholm mit 500 000 Dollar das Top-Honorar.

Sämtliche Einnahmen, darunter auch ein Honorar der Deutschen Bank AG vom 10. Juli 2014 an Hillary Clinton in Höhe von 280 000 Dollar, sind in einer gesonderten Steuererklärung hinterlegt, die Präsidentschaftskandidaten/-innen in den USA binnen 30 Tagen nach Anmeldung ihrer ambitionierten Pläne vorlegen müssen.

„New York Times“, „Washington Post“, „Los Angeles Times“ und das Magazin „Politico“ erkennen in dem Umstand, dass die Clintons damit inoffiziell das weltweit am besten bezahlte Redner-Ehepaar sein dürften, Gefahren für die Glaubwürdigkeit der Kandidatin.

Hillary Clinton hat das zuletzt immer größer gewordene Einkommensgefälle in den USA zwischen Superreichen und der mit stagnierenden Löhnen kämpfenden Mittelschicht zum Kernthema ihrer Kampagne gemacht. Bei ihren ersten Wahlkampf-Reisen in den Mittleren Westen gab sie sich als Schutzpatronin der kleinen Leute. Dass sie und ihr Mann seit dem Ende von Bill Clintons zweiter Amtszeit rund 125 Millionen Dollar verdient haben, ließ sie dabei unerwähnt.

Während Bill Clinton mit seiner Dotierung keine Probleme hat – „ich muss doch unsere Rechnungen bezahlen“, schmunzelte er neulich bei NBC in die Fernsehkamera –, geht Hillary Clinton mit ihren seit der Kandidatur-Anmeldung zum Stillstand gekommenen Bezahl-Reden restriktiv um. So ist die Zahl jener Auftritte beider Eheleute, bei denen das Honorar später an die gemeinnützige Stiftung der Clintons gespendet wurde, bisher nicht offengelegt. Das Gesetz zwingt sie nicht dazu.

Woraus die oppositionellen Republikaner trotzdem Kapital schlagen wollen. Parteichef Reince Priebus warf den Clintons vor, „völlig abgehoben“ zu sein. „Atemberaubendes Geld“ durch „bezahlte Reden“ zu erwirtschaften und beiläufig so zu tun, als benötige man das, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, sei vielen Amerikanern nicht zu vermitteln.

Mehrere Partner-Organisationen, die sich die Clintons und deren Weltsicht ans Mikrofon geholt haben, sehen das offenbar anders. Die Firma Novo Nordisk und ein kalifornischer Mediziner-Verband überwiesen Hillary Clinton jeweils mehr als 100 000 Dollar für eine Rede, bei der sie gar nicht anwesend war. Die ehemalige First Lady erschien den Zuhörern nur via Satellitenschaltung.

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