Radfahrer bei Unfällen noch stärker gefährdet als Fußgänger

Gerd Heidecke und Matthias Korfmann
Radfahrer zählen zu den am meisten gefährdeten Teilnehmern am Straßenverkehr.
Radfahrer zählen zu den am meisten gefährdeten Teilnehmern am Straßenverkehr.
Foto: Dennis Stratmann
Experten fordern, dass Autos müssen vor einer Kollision mit Radfahrern automatisch bremsen, denn sie tragen bei Unfällen ein besonders hohes Risiko.

Essen. Radfahrer tragen bei Unfällen mit Pkw ein noch viel höheres Risiko als Fußgänger, schwer verletzt oder getötet zu werden. Das haben die Sicherheitsexperten der Unfallforschung der Versicherer (UDV) in Simulationen herausgefunden. Den größten Sicherheitsgewinn bringt laut UDV die Entwicklung neuer Automatik-Brems­systeme, die sicher eine drohende Kollision mit Radfahrern erkennen und die Aufprallgeschwindigkeit zumindest verringern. Bislang gibt es nur von Volvo ein solches System als Extra.

2014 starben in Deutschland laut dem Bundesamt für Statistik 396 Fahrradfahrer (NRW: 68), davon 226 Senioren über 65 Jahre. Diese Zahl schwankt in Abhängigkeit vom Wetter und ist im Mittel seit Jahren etwa gleich, während die Verkehrsopferzahlen insgesamt rückläufig sind. Deshalb hat sich der Anteil der Radfahrer an allen Verletzten im Verkehr innerhalb von zehn Jahren um die Hälfte auf 12 Prozent erhöht.

60 Prozent der Getöteten und die Hälfte der verletzten Radler verunglücken beim Zusammenstoß mit Autos. Radfahrerschutz sei bei der Pkw-Konstruktion kaum beachtet worden, so der UDV. Grundsätzlich sei der Helm auf dem Rad unverzichtbar. Der ADAC forderte gegenüber der WAZ, Autos mit Notbremssystemen für Fußgänger und Radfahrer beim Sicherheitstest Euro­NCAP extra zu belohnen.

Tempo 30 angeblich nutzlos

Für Radfahrer ist die Gefahr schwerer Kopfverletzungen beim Zusammenprall mit einem Auto noch höher als für Fußgänger. Siegfried Brockmann, Leiter der UDV, hält dennoch nichts von der flächendeckenden Einführung von Tempo 30 in der Stadt. Damit ließe sich nur ein Zehntel der tödlichen innerstädtischen Radfahrunfälle vermeiden.

„Perfekt“ für die Sicherheit, so Brockmann zu unserer redaktion, seien kreuzungsfreie Radwege. Dieses Kriterium soll die geplante Radautobahn im Revier erfüllen. NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) zu unserer Redaktion: „Der Radschnellweg Ruhr wird zwischen Duisburg und Bochum fast kreuzungsfrei, Fußgänger und Radelnde werden getrennt.“

ADFC-Bundesvorstand Ludger Koopmann sagte dieser Redaktion, Fortschritte der KfZ-Technik dürften nicht nur den Menschen im Auto zugute kommen. Er fordert außenliegende Airbags über die ganze Windschutzscheibe, Abbiege- und Bremsassistenten sowie Signale, die vor sich öffnenden Autotüren warnen.