Qantas fliegt in Turbulenzen

Nach fast einem Monat am Boden hob der erste A 380 der Qantas Ende November 2010 wieder ab.
Nach fast einem Monat am Boden hob der erste A 380 der Qantas Ende November 2010 wieder ab.
Foto: Getty Images
Erneuter Zwischenfall: Druckabfall in der Kabine löst Panik und rasanten Sinkflug aus. Kritik an der Geschäftsführung der australischen Fluggesellschaft wird lauter.

Melbourne/ Essen. Qantas, die staatliche australische Fluggesellschaft, ruiniert ihren Ruf. Nach allein vier technischen Zwischenfällen im November 2010 häufen sich die Pannen bei der bisher als sicher geltenden Airline. Jüngstes Beispiel: Am Dienstagmorgen versetzte ein plötzlicher Druckabfall die Passagiere des Fluges QF 670 von Adelaide nach Melbourne in Panik.

„Alles lief normal bis die Stewardessen das Frühstück abräumten“, berichtet Passagier Simon der australischen Zeitung „Harald Sun“. „Plötzlich rannten die Stewardessen zu ihren Plätzen, die Sauerstoffmasken fielen von den Decken herunter und die Maschine sank recht zügig von 11 000 auf 3000 Meter“. Die 99 Passagiere an Bord der 21 Jahre alten Boeing 737-400 mussten die Sauerstoffmasken etwa zehn Minuten tragen. Einige Menschen seien in Panik geraten, berichtete Passagier Peter Cowen der Zeitung „Sydney Morning Herald“. Sicher auch, weil weder Pilot noch Crewmitglieder über die Gründe des rasanten Sinkflugs aufgeklärt hätten.

Klimaanlage ist ausgefallen

Ursache des Zwischenfalls, so berichtet Qantas-Sprecherin Sophia Conelly, sei ein Ausfall der Klimaanlage gewesen. Die Maschine sei pünktlich und sicher in Melbourne gelandet. „Verletzt wurde niemand“, so Conelly.

Ein Druckverlust in der Kabine kommt ausgesprochen selten vor. „In den fast 20 Jahren meiner Flugkarriere habe ich es nie erlebt und auch nur von ein oder zwei Fällen gehört“, sagt Jörg Handwerk, Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit. Im Normalbetrieb sei ein solcher Zwischenfall nahezu ausgeschlossen. „Da müssen schon mehrere Systeme gleichzeitig ausfallen“, so Handwerk.

In Australien wird nach dem jüngsten Zwischenfall die Kritik an Qantas immer lauter. „Ich werde in naher Zukunft nicht mehr mit der Qantas fliegen“, erklärte Simon. „In den letzten drei Jahren häufen sich die Unfälle“, sagte Passagier Lars Ulrich. Er habe den Eindruck, die Prioritäten hätten sich bei der einst weltweit geschätzten Fluggesellschaft verschoben.

Wartung wurde outgesourct

Das munkelt man auch unter vorgehaltener Hand in Flugkreisen. Seitdem die Qantas-Geschäftsführung die Wartung der eigenen Maschinen an Fremdfirmen gegeben habe, häuften sich die Beinahe-Katastrophen. „Es ist ein Irrglaube, dass die Qualität gleich bleibt“, sagt ein deutscher Sicherheitsexperte. Gebe man für die Sicherheit weniger Geld aus, würden langfristig die Sicherheitspuffer reduziert. Ähnlich argumentiert ein ehemaliger Qantas-Sicherheitsingenieur im Internet. „Nach dem Outsourcing der Wartungsarbeiten Richtung Asien seien die Kosten im Haushaltsplan halbiert worden. Die Flotte ist überaltert und zahlreiche Flieger hätten längst ausgemustert werden müssen.

Im Internet rufen inzwischen zahlreiche Australier zum Boykott von Qantas auf: „Wir haben zum Glück Alternativen“, schreibt „Aussie“.

 
 

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