„Tatort“: Axel Milberg deutlich – „Ein obszönes Gedankenspiel“

Axel Milberg als Kommissar Borowski.
Axel Milberg als Kommissar Borowski.
Foto: NDR/Thorsten Jande

Seit 2003 bereits verkörpert Axel Milberg den Kieler „Tatort“-Kommissar Klaus Borowski. Am Sonntag zeigt die ARD einen neuen Film mit dem gebürtigen Kieler.

Im „Tatort: Borowski und der gute Mensch“ trifft Borowski wieder auf seinen alten Widersacher Kai Korthals (Lars Eidinger). Der konnte bei einer Gefängnisrevolte ausbrechen. Wird Borowski ihn wieder hinter Schloss und Riegel bringen können? Ein Gespräch über den neuen „Tatort“, das Böse an sich und Axel Milbergs Heimat.

Herr Milberg, was macht für Sie einen guten Menschen aus?

Es ist schon viel gewonnen, wenn jemand ein guter Mensch sein will. Wichtig sind aber Empathie und die Fähigkeit und Bereitschaft, sich erziehen zu lassen. Der Satz ‚Ich bin so wie ich bin‘ gilt nicht. Das ist eine Katastrophe. Jeder kann in jedem Augenblick durch seine Entscheidungen ein anderer werden. Besser, freundlicher, unbeschwerter, hilfsbereiter und so weiter. Es ist nie zu spät (lacht).

Ist Kai Korthals ein guter Mensch?

Ich glaube, da müssen wir nicht lange rätseln. Er ist geistesgestört. Er ist ein narzisstischer, triebgesteuerter Serientäter, der sich überhaupt nicht unter Kontrolle hat. Tatsächlich gibt es aber diese Variante bei Serientätern, dass sie gut sein wollen. Das hat aber eher etwas mit dem Wunsch nach Anerkennung und Aufmerksamkeit zu tun.

Ein wichtiges Element des neuen ‚Tatort‘ sind die Liebesbriefe, die Kai ins Gefängnis bekommt. Können Sie persönlich die Faszination verstehen, die von Straftätern ausgeht?

Ganz ehrlich: Ich kann das überhaupt nicht verstehen. Ich weiß, es passiert. Ich weiß, dass die sadistischsten Frauenmörder im Gefängnis heiraten. Ich kann mir den Reiz aber nicht erklären. Im Kopf kann ich mir das natürlich erklären, dazu recherchiert man ja auch, aber emotional ist mir das vollkommen schleierhaft.

Also reizt Sie das Böse nicht?

Überhaupt nicht. Es stößt mich ab. Ich bekomme immer wieder Angebote für diese Rollen, weil man mich dahingehend für einen Experten hält. Krimi, Verbrechen, Psychologie. Ich sage aber sehr viel ab. Der ‚Tatort‘ ist Vergnügen. Das sind zwei Filme im Jahr. Aber darüber hinaus muss ich mich mit Verbrechen nicht noch mehr beschäftigen. Wir müssen uns ja nur die Tagesschau anschauen und können kaum noch atmen vor Entsetzen.

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Das ist Axel Milberg:

  • Axel Theodor Klaus Milberg wurde am 1. August 1956 in Kiel geboren
  • 2002 verkörperte Milberg das erste Mal den Kommissar Borowski in einer Neuauflage der Krimiserie „Stahlnetz“
  • Nach der Einstellung von „Stahlnetz“ wurde die Figur „Borowski“ in den „Tatort“ versetzt

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In „Borowski und der gute Mensch“ kommt es zum Showdown. Ein Vater sinnt auf Rache für seine getötete Tochter. Sie sind auch Vater. Können sie die Position nachvollziehen?

Ja, kann ich. Ich weiß allerdings nicht, wie ich reagieren würde. Ich kann fast alles verstehen, das ist ein Teil meines Berufes. Die Fantasie kann mich überall hinschicken.

Aber wie ich reagiere, würde sehr mit den Umständen der Tötung zusammenhängen. Es ist natürlich ein obszönes Gedankenspiel. Aber wenn der Verlust, den ich erleide, kurz und schmerzlos wäre, ein Verkehrsunfall beispielsweise, wäre das eine andere Geschichte als der Verlust, den die Eltern der kleinen Maddie erleiden mussten, deren Geschichte noch immer ungeklärt ist. Das ist nicht vorstellbar.

Sie sind gebürtiger Kieler und seit 2003 in ihrer Heimat ‚Tatort‘-Kommissar. Erinnern Sie sie noch, was Ihnen damals durch den Kopf ging?

Ich habe mich gefreut, wieder häufiger in Kiel zu sein und dort arbeiten zu können, wo ich aufgewachsen bin. Ich schätze und liebe die Stadt, die Menschen und Schleswig-Holstein sehr. Sie müssen wissen, ich war dort jahrelang überhaupt nicht. Es war schön, Orte wiederzusehen, an denen ich als Kind war.

Außerdem dachte ich auch daran, dass sich diese Welt gut ins Bild setzen lässt. Küsten, Wolken, Landschaften, diese besonderen Menschen, das eignet sich für viele Geschichten.

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Sie leben jedoch privat in Bayern. Was liegt Ihnen mehr? Das Süd- oder das Norddeutsche?

Das Süddeutsche. Ich bin jetzt bereits seit längerer Zeit in Süddeutschland und war auch als Jugendlicher häufig im Schwarzwald und in Freiburg mit der Familie. Was ich mag, ist, dass die Menschen freundlicher auf andere Menschen schauen. Nicht so streng, nicht so erzieherisch, nicht so einsilbig. Die Menschen gönnen und können andere Menschen feiern. Da spüre ich mehr Toleranz und Großzügigkeit, als ich es – und das möchte ich betonen – aus meiner Kindheit in Erinnerung habe. Das kann sich aber geändert haben.

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