Rebecca Reusch: „Haben es nicht leicht gehabt“ – Schwester eines Verdächtigen wird emotional

Der Fall Rebecca Reusch

Der Fall Rebecca Reusch

Seit Februar 2019 ist die 15-jährige Rebecca Reusch spurlos verschwunden. Wir zeichnen den Fall nach.

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Berlin. Es ist einer der bewegendsten Vermisstenfälle der vergangenen Jahre: Das Verschwinden von Rebecca Reusch. Seit fast zwei Jahren hält der Fall die Nation in Atem. Die Gefühle bewegen sich zwischen Hoffnung, Trauer und Resignation.

Von der Schülerin aus Berlin fehlt seit dem 18. Februar 2019 jede Spur. Tatverdächtig gilt bis heute Florian R., der Schwager von Rebecca. Die Ermittler im Fall Rebecca Reusch sind sich sicher: er hat sie das letzte Mal gesehen und etwas mit ihrem Verschwinden zu tun.

Rebecca Reusch: Schülerin seit fast zwei Jahren vermisst

Doch wer ist Florian R. eigentlich? Trotz des riesigen öffentlichen Interesses ist über den Schwager von Rebecca Reusch eigentlich wenig bekannt.

Er ist heute 28 Jahre alt, arbeitet als Koch in einem Hotel eines Vier-Sterne-Hotels und ist mit Rebeccas ältester Schwester Jessica verheiratet. Die beiden haben eine kleine Tochter.

Florian sei wie ein Sohn, er sei fleißig, liebevoll und ein toller Vater, hatte Rebeccas Mutter Brigitte einmal in einem MDR-Interview gesagt. Und Rebeccas Schwester Vivien schrieb auf Instagram: „Er ist ein herzensguter Mensch, ich würde für ihn die Hand ins Feuer legen.“

Die Journalistinnen Lena Niethammer und Miriam Arndts recherchierten fast ein Jahr lang im Fall Rebecca Reusch und haben für ihren Podcast „Im Dunkeln - Der Fall Rebecca Reusch“ auch mit Florians jüngerer Schwester Sarah über ihn gesprochen.

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In bewegenden Worten schildert sie, was Rebeccas Verschwinden und der anschließende Verdacht mit ihr und ihrem Bruder gemacht habe.

„Ich will, dass die Leute einmal die Augen aufmachen und uns nicht mehr als Unmenschen sehen. Wir sind ganz normale, eigentlich nette Menschen. Wir haben alle ein riesengroßes Herz“, erklärt Sarah ihre Beweggründe dafür, dass sie sich den Journalistinnen anvertraute.

Keine leichte Kindheit

Florian ist sieben Jahre älter als Sarah, sie haben noch einen jüngeren Bruder, erzählt Sarah. Die drei hätten unterschiedliche Väter, wuchsen in Neukölln auf. Später seien sie nach Lichtenberg gezogen. „Florian und ich haben es nicht leicht gehabt“, sagt Sarah. Ihr Vater habe Florian, ihre Mutter und sie geschlagen, schildert sie. Doch mit ihrem älteren Bruder sei sie als Kind unzertrennlich gewesen.

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Der Vermisstenfall Rebecca Reusch:

  • Am 18. Februar 2019 ist Rebecca Reusch aus Berlin spurlos verschwunden
  • Die Polizei geht davon aus, dass die 15-Jährige das Haus des Schwagers und ihrer Schwester nie lebend verlassen hat
  • Der Schwager von Rebecca Reusch saß in U-Haft, ist mittlerweile auf freiem Fuß
  • Trotz wochenlanger Suche konnte die Polizei keine konkrete Spur aufnehmen

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In diesem Jahr hat Sarah den Kontakt zu ihrer Familie abgebrochen - auch zu Florian. Das Verschwinden von Rebecca und der Verdacht gegen ihren Bruder gingen auch an ihr nicht spurlos vorbei. Sie erkrankte an einem Burn-Out, musste ihr Leben neu ordnen, sagt sie. „Es ist ein komisches Gefühl, wenn du deine Arbeit machst, dich umdrehst und dein Bruder ist in der Zeitung“, erinnert sie sich zurück an die Tage, als das Gesicht ihres Bruders auf Zeitungen in ganz Deutschland war.

Verhalten von Familie Reusch imponiert Florians Schwester

Das Verhalten von Rebeccas Familie zu dieser Zeit habe ihr imponiert. „Ich finde, in dieser Zeit hat man gemerkt, was Familie und Halt bedeutet. Es hieß nicht eine Sekunde von Familie Reusch, dass mein Bruder Schuld ist. Die haben hinter ihm gestanden und ihn verteidigt.“

Auch über Florians Frau Jessica sagt sie: „Jessi ist das Beste, was meinem Bruder passieren konnte. Sie unglaublich stark, sie weiß was sie will. Alles, was sie sich aufgebaut haben, haben sie sich zusammen aufgebaut“, sagt Sarah. Sie wisse nicht, ob sie in einem solchen Fall bei ihrem Partner geblieben wäre, gesteht sie offen.

„Als er das zweite Mal reingegangen ist, dachten wir alle: Das war's jetzt“

Im Podcast erinnert sich Sarah, wie sie ihren Bruder gemeinsam mit ihrer Mutter und Florians Ehefrau Jessica damals in der Untersuchungshaft besuchte. Das war, bevor sie den Kontakt zu ihrem Bruder abbrach. „Wenn ich jetzt richtig extrem hardcore feiern gehen würde, danach nicht schlafe und noch weine, so fertig sah er aus. Wir hatten alle Tränen in den Augen“, erzählt sie. Sie habe das Gefühl gehabt, dass sich ihr Bruder geschämt habe angesichts der Situation, in der er sich befand.

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Sarah rechnete bereits mit dem Schlimmsten: „Als er das zweite Mal reingegangen ist, dachten wir alle: Das war's jetzt. Der kommt nicht mehr raus.“

Doch Florian kam nach knapp drei Wochen wieder aus dem Gefängnis. Die Beweise gegen ihn reichten nicht für eine weitere Inhaftierung.

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Über den Verdacht habe sie bis heute nicht mit Florian gesprochen. „Man kann mit vielen Worten etwas anrichten, was man nicht anrichten will“, sagt sie dazu. Es ging ihr womöglich damit auch darum, ihrem Bruder ein Gefühl der Sicherheit zu geben. Schließlich gab es in Deutschland genug Menschen, die von Florians Schuld überzeugt waren.

„Ich weiß nicht, was er gemacht hat“, erzählt sie. Er habe lediglich angedeutet, dass er am Morgen von Rebeccas Verschwinden etwas hin- und hergefahren habe. Offenbar Drogen.

Die ersten drei Folgen des Podcast „Im Dunkeln - Der Fall Rebecca Reusch“ kannst du in allen Podcast-Apps finden. Ab der jetzt erschienenen Folge 4 erscheint der Podcast exklusiv bei Podimo.