Markus Lanz reißt der Geduldsfaden: „Ich sehe keine zweite Welle!“

Markus Lanz zeigte sich beim Thema Coronavirus ziemlich angespannt in seiner ZDF-Talkshow.
Markus Lanz zeigte sich beim Thema Coronavirus ziemlich angespannt in seiner ZDF-Talkshow.
Foto: ZDF-Mediathek

In seiner ZDF-Talkshow am Donnerstagabend wirkte Markus Lanz ausgerechnet bei seinem Dauerbrenner-Thema Coronavirus angespannt und ermattet.

Schon am Anfang der Sendung gibt Markus Lanz zu: „Das Leben ist auch ein bisschen ermüdend geworden, finde ich.“

Markus Lanz (ZDF) über die Corona-Krise: „Ich sehe keine zweite Welle“

Als es dann um das Coronavirus geht, gibt sich Markus Lanz genervt von den ständigen Corona-Warnungen aus der Politik. Er fragt seinen Gast Peter Tschentscher, den Ersten Bürgermeister Hamburgs, ob die Politik nicht zu oft den Teufel an die Wand male: „Wenn ihr ohne Masken rumläuft, dann passieren schlimme Dinge. Wenn wir Urlaubsrückkehrer nicht in großem Maße testen, passieren schlimme Dinge. Und das hören wir eigentlich schon seit April! Seit den Osterferien! Und bis heute ist das nicht eingetreten.“

Politiker Peter Tschentscher versucht es einzuordnen: „Naja, jetzt dürfen Sie jetzt nicht den Fehler machen zu sagen, weil das alles nicht eingetreten ist, waren die Regeln und die Maßnahmen falsch.“ Die Corona-Schutzmaßnahmen würden auf Erfahrungen beruhen, etwa von den Ausbrüchen in Ischgl und Heinsberg.

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Markus Lanz (ZDF) über zweite Corona-Welle: „Ich sehe keine zweite Welle!“

Doch aus Sicht von Markus Lanz wird die Corona-Gefahr aus der Politik zu sehr dramatisiert. Markus Söder beispielsweise habe vor Kurzem gesagt, wir seien nun mittendrin in der zweiten Welle. „Geht jetzt los, baut sich auf“, habe der Ministerpräsident aus Bayern behauptet. „Ich sehe keine zweite Welle!“, poltert dagegen Lanz.

Wieder bemüht sich Tschentscher um eine Versachlichung. Man habe derzeit höhere Infektionszahlen als man sie sich für diese Jahreszeit gewünscht habe. Da greift Lanz zum Zettel und liest vor: „In den letzten sieben Tagen haben sich in Hamburg 231 Menschen infiziert. Das sind 30 am Tag. Bei zwei Millionen Einwohnern.“ Da könne man doch sagen, man habe es im Griff, meint Lanz.

Peter Tschentscher argumentiert, dass man aber vorsichtig bleiben müssen, damit man nicht plötzlich im Oktober oder November „ein blaues Wunder" erlebe, wenn sich die Menschen wieder mehr in geschlossenen Räumen und weniger im Freien aufhalten.

Lanz hat nun endgütig keine Geduld mehr: „Der Satz, ne, den habe ich so und so ähnlich in vielen Varianten so häufig gehört.“ Er zählt auf: „Wir haben im April, an Ostern, haben wir die Leute gewarnt. Haben gesagt: Pass auf, nach den Osterferien wird es schwierig. Dann kam Pfingsten. Dann kamen die Reiserückkehrer. Dann haben wir plötzlich die Schulen geöffnet und haben gesagt, jetzt könnte es wirklich schwierig werden. Jetzt haben wir die Situation mit den geschlossenen Räumen, jetzt erleben wir möglicherweise unser blaues Wunder. Wir haben 230 Infizierte in Hamburg im Moment! Den müssen sie erstmal treffen!“

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Coronavirus in Deutschland aktuell:

  • Das RKI meldet für Donnerstag 782 neue Coronavirus-Infektionen. Die meisten gibt es in Bayern (208), NRW (150) und Baden-Württemberg (146).
  • Die Zahl der aktiven Coronavirus-Fälle in Deutschland fiel um 616 auf 15.729.
  • Momentan gibt es keinen Hotspot in Deutschland. Das bedeutet keine Stadt und kein Landkreis überschreitet derzeit die Schwelle von 50 Corona-Fällen je 100.000 Einwohnern in sieben Tagen.

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Markus Lanz (ZDF) ist die Corona-Rhetorik der Politiker zu dramatisch

Da schaltet sich taz-Journalistin Anja Maier in die Diskussion ein: „Ich sehe das anders! Ich glaube wir sind im Moment bei sieben bis acht Corona-Todesopfern jeden Tag. Wir müssen uns mal vorstellen, jeden Tag würden acht Menschen in Deutschland im Verkehr umkommen. Das sind alles Menschen, die haben Angehörige, die haben jemanden geliebt, die wurden geliebt.“ Die tatsächlich betroffenen Personen aus den Risikogruppen würden öffentlich gar nicht wahrgenommen werden. „Wie meine Eltern, die seit März zu Hause sitzen und sich ganz tapfer an alle Auflagen halten. Und das sind sehr viele Menschen in diesem Land“, sagt die Journalistin.

SPD-Mann Tschentscher geht den Moderator an: „Ich verstehe jetzt gar nicht, was ihre alternative Strategie wäre“. Und endlich kommt Lanz deutlicher zum Punkt: „Mir geht es um die Sprache.“ Es gehe darum, dass die Rhetorik zu dramatisch sei und einigen Leuten auch in seinem Umfeld „richtig, richtig Angst" mache.

Das lässt Hamburgs Bürgermeister Tschentscher aber auch nicht gelten. Es sei immer gesagt worden, dass das Corona-Virus kein „Killervirus“ sei. Aber man müsse trotzdem aufpassen, dass man das Gesundheitssystem nicht überfordere.

Markus Lanz (ZDF): Moderator diskutiert mit Cem Özdemir – auf einmal mischt SIE sich ein und tadelt Lanz

Eigentlich ist sie bei dem Thema gar nicht mehr dran. Doch dann mischt sich die Bloggerin und politische Aktivistin Katharina Nocun (34) in eine Diskussion bei Markus Lanz (ZDF) ein. Ein bestimmter Satz von Moderator Markus Lanz provoziert ihre Reaktion. Nocun stellt Lanz im eigenen Studio kalt. (mag)

 
 

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