Markus Lanz (ZDF): Peer Steinbrück zerlegt CDU und SPD schonungslos – „Hätten nicht mal 20 Prozent erreicht“

Das ist Markus Lanz

Das ist Markus Lanz

Beschreibung anzeigen

Bei der Bundestagswahl 2013 holte Peer Steinbrück mit der SPD 25,7 Prozent. Damals war er der Wahlverlierer. Nun könnte Olaf Scholz mit dem identischen Wahlergebnis ins Kanzleramt einziehen. Bei Markus Lanz sprach Steinbrück über das Gefühl, eine Wahl verloren zu haben, Armin Laschet, Olaf Scholz und die SPD.

Es war ein Klartext-Gespräch im ZDF. Markus Lanz hatte mit Steinbrück einen Gast, der messerscharf die politische Lage in Deutschland analysierte.

Markus Lanz (ZDF): Peer Steinbrück zerlegt CDU und SPD schonungslos – „Hätte nicht mal 20 Prozent erreicht“

Aus Sicht von Peer Steinbrück ist die Karriere von Armin Laschet praktisch vorbei. Er werde „politisch nicht überleben“, so seine Prognose. Selbst wenn es noch auf ein Jamaika-Bündnis hinauslaufen würde, so ist sich der Ex-Finanzminister sicher, dass die Union Laschet „nicht ins Schaufenster stellen“ würde, denn er sei „die personifizierte Niederlage“ und der „Sündenbock“ der Partei, auch wenn das „ein bisschen ungerecht“ sei. Nun brauche Laschet „jemanden wie Schäuble“, der ihm klar mache, dass es vorbei sei.

--------------------

Mehr über Peer Steinbrück:

  • Der 74-Jährige war von 2002 bis 2005 NRW-Ministerpräsident.
  • Nach der Wahlniederlage 2005 wurde er Finanzminister der Großen Koalition unter Angela Merkel.
  • 2013 unterlag er ihr als SPD-Kanzlerkandidat deutlich.
  • Bis 2016 saß Steinbrück noch im Bundestag.
  • Der Diplom-Volkswirt stammt aus Hamburg.

--------------------

Steinbrück kritisierte in der ZDF-Sendung, dass das Politikmodell von Angela Merkel bei der Analyse der Wahlniederlage der Union vergessen werde. Dieses Modell sei erfolgreich darin gewesen, Themen ruhig zu stellen und aufzusaugen, habe aber „die CDU ziemlich entleert“. Dazu habe die Partei den Fehler gemacht, mit Laschet noch einen „verhältnismäßig profillosen Kandidaten“ aufzustellen.

+++ Armin Laschet: Ausgerechnet Altkanzler Schröder nimmt ihn in Schutz – „Leute um ihn herum haben versagt“ +++

Steinbrück bei Lanz über eigenen Wahlniederlage: War ihm „mindestens sechs Monate“ vorher klar

Von Markus Lanz auf seine eigene Wahlniederlage 2013 angesprochen, räumte Steinbrück ein, dass sie „treffende Wirkung“ gehabt habe. Der Ex-Ministerpräsident von NRW habe rund ein halbes Jahr gebraucht, „dann war das aus den Kleidern gebürstet“.

+++ Jamaika-Koalition: Nach Sondierung lässt Habeck paradoxen Satz fallen ++ Laschet wird deutlich: „Es nervt“ +++

Erstaunlich auch dieses Geständnis: „Ich war mir morgens beim Blick in den Rasierspiegel ziemlich sicher, ich kann die Wahl sowieso nicht gewinnen. Das dürfen sie niemals zu erkennen geben, weil das wahnsinnig demotivierend ist, aber damals 2013 war mir schon klar, dass es fast unmöglich ist, diese Bundestagswahl zu gewinnen. Insofern war ich psychologisch auf eine Niederlage bereits länger vorbereitet.“

„Mindestens sechs Monate“ vor der Wahl habe er schon geahnt, dass das schiefgehen werde. Hinschmeißen wollte er aus Verantwortungsgefühl aber nie.

--------------------

Weitere Politik-Nachrichten:

--------------------

Mitgefühl zeigte Steinbrück in der ZDF-Talkshow mit den Fehlern Laschets im Wahlkampf. Er erinnerte an seine „verkehrten Fingerübungen“, das berühmte Mittelfinger-Bild im Magazin der „Süddeutschen Zeitung“. Dieses Skandalfoto sei genauso wie Laschets Lachen zu einem Symbolfoto geworden. „Das Bild ist ein Fehler gewesen von mir“, räumte der SPD-Mann ein.

Steinbrück nimmt bei Markus Lanz auch über SPD kein Blatt vor den Mund

Steinbrück nahm auch kein Blatt vor den Mund, als es um die Analyse der SPD ging. Man solle „sehr vorsichtig“ damit sein, von einem SPD-Erfolg zu sprechen. „Ich würde es darauf reduzieren wollen, dass Olaf Scholz gewonnen hat“, so der Genosse. Er habe auch im Vergleich mit Armin Laschet gewonnen, weil er nicht er sei.

+++ Ampel-Koalition: Sogar ein Kanzler Söder kann Grünen-Wähler nicht umstimmen +++

Scholz sei gewählt worden, „nicht weil er in der SPD ist, sondern obwohl er in der SPD ist“. Wäre die Partei geprägt von Saskia Esken und Kevin Kühnert in die Wahl gegangen, „hätte sie in meinen Augen nicht mal die 20 Prozent erreicht“, sagte Steinbrück.

Promis und Royals

Promis und Royals