„Markus Lanz“ (ZDF): Moderator schießt gegen RKI – „Sinn macht das doch keinen“

Das ist Markus Lanz

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Gleich mehrere Themenkomplexe wurden bei „Markus Lanz“ am Dienstagabend behandelt: Es ging um Corona-Schnelltests, Friedrich Merz und das gescheiterte Impeachment-Verfahren gegen den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump.

Beim Thema Corona kritisierte Moderator Markus Lanz das Corona-Management des Robert-Koch-Instituts (RKI) in einem Punkt überraschend scharf: „Ich verstehe, dass man eine Strategie versucht zu fahren, aber Sinn macht das doch keinen.“

„Markus Lanz“ (ZDF): Neidvolle Blicke auf österreichische Schnelltests

Die weitreichenden Einschränkungen an den deutschen Außengrenzen nach Österreich und Tschechien sorgen nicht nur in Deutschland für Diskussionen. Wie in Österreich die beschlossenen Maßnahmen kommentiert werden, erklärte die aus Wien zugeschaltete Journalistin Corinna Milburg. Vor allem aufgrund der unklaren Pendler-Situation und des Chaos bei Lkw-Fahrern sei es eine „schwierige Situation“, viele hätten das Gefühl, Markus Söder habe „überzogen reagiert“, schildert die Journalistin.

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CDU-Politiker Norbert Röttgen verteidigte die Maßnahmen. Es sei die „gleiche Logik, mit der man auch innerstaatlich Regionen abschotten würde“, sich darüber aufzuregen sei „deplatziert“. Mit Blick auf die südafrikanische Corona-Variante, die in Tirol massenhaft ausgebrochen ist, habe man schnell handeln müssen.

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Die Gäste bei „Markus Lanz“:

  • Elmar Theveßen, Journalist, zugeschaltet aus den USA
  • Norbert Röttgen, CDU-Politiker
  • Corinna Milborn, Journalistin, zugeschaltet aus Wien
  • Roland Bernhard, CDU-Landrat im Kreis Böblingen
  • Helene Bubrowski, Juristin und Journalistin in der „FAZ“-Parlamentsredaktion

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Mit Neid blickten alle Talk-Gäste jedoch auf die Schnell- und Selbsttest-Verfügbarkeit im südlichen Nachbarland. Die werden in den Schulen bereits massiv eingesetzt und sollen so eine risikofreiere Rückkehr zum Unterricht gewährleisten.

Am österreichischen Modell hat sich auch der CDU-Landrat im Kreis Böblingen, Roland Bernhard, orientiert. In Böblingen gebe es inzwischen fünf Schnelltestcenter, wohnortnah verteilt. Dort werden testweise kostenlose Tests angeboten. Alles läuft dabei digital: Über eine App kann man freie Terminslots auswählen, sich vor Ort testen lassen und erhält dann auch das Ergebnis online. „Solange wir mit Schneckentempo impfen, müssen wir die Testkapazität hochfahren“, so der Landrat.

Markus Lanz platzt der Kragen: „Sinn macht das doch keinen!“

Auch Röttgen glaubt, dass die Tests zum entscheidenden Instrument werden könnten, um mit der Pandemie umzugehen. Nach einem Selbsttest sei es auch denkbar, Menschen wieder mehr Freiheiten einzuräumen wie private Treffen, das Öffnen von Schulen oder Universitäten. Die Journalistin Helene Bubrowski mutmaßte, dass mögliche Unsicherheitsfaktoren wie eine unsachgemäße Testung für Misstrauen in der Politik gesorgt haben könnten. Wenn man Bernhard zuhöre könne man „sonst nicht nachvollziehen, warum man das nicht gemacht hat“.

Moderator Markus Lanz konnte sich daraufhin nicht mehr zurückhalten. „Es gibt mittlerweile sieben oder acht europäische Länder, wo mittlerweile jeder Bürger, soweit ich das weiß, Recht auf einen kostenlosen Test hat, sobald er das möchte. Wir sind noch immer an dem Punkt wo wir sagen: ‚Du musst Symptome haben.‘ Bei einer Krankheit, die vorzugsweise ja asymptomatisch verläuft“, kritisiert Lanz, der danach dem RKI richtig in die Parade fährt.

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Er erinnere sich an den Auftritt des Rostocker Oberbürgermeister in seiner Sendung, der angefangen habe, auch asymptomatische Personen zu testen. Der „kriegte dann richtig einen auf den Deckel unter anderem auch vom RKI: ‚Das ist nicht unsere Strategie, lasst das bitte.‘ Ich verstehe, dass man eine Strategie versucht zu fahren, aber Sinn macht das doch keinen“, so Lanz weiter. Rumms – diese Kritik vom Moderator hat gesessen.

Landrat bemängelt: „Das hat die Politik noch nicht so richtig erkannt“

Dass die Schnelltests in Zukunft an Bedeutung gewinnen werden, daran hat kein Gast Zweifel. Neben den AHA-Regeln stelle der Selbsttest einen „ganz wichtigen Schlüssel dar“, so Bernhard, der jedoch sofort nachsetzte und erklärte, das habe die Politik „noch nicht so richtig erkannt“.

Norbert Röttgen äußerte sich in diesem Zusammenhang auch über seinen ehemaligen Konkurrenten um den CDU-Parteivorsitz Armin Laschet. Der hatte mit der Äußerung von sich plötzlich verändernden Grenzwerten für viel Kritik gesorgt. Auch Röttgen merkte man deutlich an, dass er nicht allzu glücklich über Laschets Vorstoß war. Es sei richtig, sich an Infektionszahlen zu orientieren, man müsse jedoch die Begründung entsprechend kommunizieren.

Laschet habe sich mit seinen Äußerungen möglicherweise von Merkel abgrenzen wollen. Wichtig sei es nun aber, das aggressivere Virus unter Kontrolle zu bringen – und um den Bogen zu den Selbsttests zu schließen – müsse man sich dafür in den Instrumentarien breiter aufstellen.

Merz sorge für Enttäuschung

Laschet war jedoch nicht der einzige CDU-Politiker, zu dem Röttgen befragt wurde. Intensiv hakte Lanz auch bei der aktuellen Rolle von Friedrich Merz nach: „Wo ist Friedrich Merz?“ Nach seiner Niederlage hatte sich der Sauerländer rar gemacht, bislang kein Amt in der Partei übernommen.

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Das ist die Fernsehsendung „Markus Lanz“:

  • „Markus Lanz“ ist eine Talkshow im ZDF, benannt nach Moderator Markus Lanz (51)
  • Die 75-minütige Sendung wird dienstags bis donnerstags am späten Abend ausgestrahlt
  • Meistens wird die Sendung einige Stunden vor der Ausstrahlung in einem TV-Studio in Hamburg-Altona aufgezeichnet, mitunter gibt es auch Live-Übertragungen.
  • In jeder Ausgabe der Show empfängt Markus Lanz vier bis fünf (meist prominente) Talk-Gäste, mit denen er jeweils ein neues Thema bespricht

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Merz befinde sich „im Urlaub“ so Röttgen. Er fände es gut, wenn Merz dabei wäre, „aber er hat sich anders entschieden“. Auf die dreisten Forderungen von Merz hinsichtlich eines Postens als Wirtschaftsministers wollte Röttgen nicht so richtig mit der Sprache rausrücken. Er habe ein paar „ganz wenige Grundsätze“, doch einer davon sei, die Inhalte eines privaten Gesprächs nicht an die Öffentlichkeit zu tragen. Deutlich im Zusammenhang mit Friedrich Merz wurde dafür Journalistin Bubrowski.

Es gebe gegenüber dem CDU-Mann das Vorurteil, es gehe ihm nicht um die CDU, sondern nur um sich selbst. Durch sein Verhalten bestätige Merz nun genau das. Auch ehemalige Team-Merz-Anhänger wären inzwischen enttäuscht. Wenig schmeichelhaft erfolgte dann Lanz Überleitung von Merz zu Trump.

Röttgen schießt sich auf Republikaner Mitch McConnell ein: „Höhepunkt“ der Verlogenheit

Nach dem gescheiterten Impeachment-Verfahren gebe es nun eine „Schlacht innerhalb der republikanischen Partei zwischen denen, die offenbar an Trump festhalten wollen und denen, die ihn loswerden wollen“, ordnete der aus Washington zugeschaltete Journalist Elmar Theveßen ein. Mehr als Trump geriet dann jedoch der republikanische Minderheitsführer Mitch McConnell ins Kreuzfeuer.

Norbert Röttgen bezeichnet ihn als „Strippenzieher“, die „Verkörperung von Macht mit allen Mitteln“. Sein Auftritt beim Impeachment-Prozess, als er Trump eine moralische Mitschuld am Sturm auf das Kapitol gab, ihn aufgrund juristischer Bedenken jedoch freisprach, sei „ein ziemlicher Höherpunkt“ an Verlogenheit gewesen. Mit seiner Politik gegen die Obama-Administration habe McConnel dazu beigetragen, das Land zu spalten.

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Inzwischen könne man die Situation mit einem „geistigen Bürgerkrieg“ vergleichen, so Röttgen. Mit der neuen Biden-Regierung werde man sicher wieder bessere Beziehungen aufnehmen. Um wirklich wieder Partner der USA zu werden, müsse Deutschland selbst zuerst einige außenpolitische Fragen um Themen wie Nord-Stream 2, Nato-Haushalt und Haltung zu Russland beantworten. (dav)

Die komplette Folge „Markus Lanz“ kannst du hier in der ZDF-Mediathek sehen.