Markus Lanz: Corona-Experte platzt der Kragen – „Vollkommen daneben“

Chronologie der Corona-Pandemie

In drei Monaten wurden eine Million Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Wir zeichnen die Ausbreitung des Virus nach.

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Karl Lauterbach nimmt kein Blatt vor den Mund. Das bewies der SPD-Mann auch am Donnerstagabend in der Talkshow von Markus Lanz.

Klar ging es bei Markus Lanz wieder um das Thema Coronavirus. Der Shutdown ist gelockert, langsam scheint in Deutschland wieder so etwas wie Normalität einzukehren. Was sind die Vorteile und wo liegen die Nachteile?

Einer, der so gar nichts von der wiedergewonnenen Freiheit hält, ist SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Der 57-Jährige, von Beruf Professor für Epidemiologie und Gesundheitsökonomie, kritisiert die Maßnahmen der einzelnen Ministerpräsidenten scharf.

Markus Lanz: Epidemiologe Lauterbach warnt: „Diskussion vollkommen daneben“

„Ich glaube, dass die Diskussion um weitere Lockerungen vollkommen daneben ist und die falschen Signale setzt.“ Vor allem an NRW-Ministerpräsident Laschet übt er Kritik. Lauterbach: „Ich glaube, dass die Schulöffnungen in NRW katastrophal schlecht vorbereitet worden sind und viel zu früh vor der Zeit kommen. Ich hätte auch nicht das Signal mit den Gotteshäusern gegeben.“

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Markus Lanz, die Gäste am Donnerstag:

  • Michael Kretschmer, Politiker
  • Karl Lauterbach, Politiker
  • Maike Finnern, Pädagogin
  • Elmar Theveßen, Journalist

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Der Experte weiter: „Selbst ein guter Christ versteht, dass zur jetzigen Zeit jedes überflüssige Risiko gemieden werden muss. Das ist geradezu ein Gebot der Nächstenliebe. Ich könnte für jedes Bundesland ein paar Beispiele nennen, die mir zu forsch sind.“ Der Grund für seine harsche Kritik ist, dass man ein, aus seiner Sicht, zu großes Risiko eingehe, wenn man den Menschen zu viel Sicherheit vermittele.

Markus Lanz: Lockdown hätte fortgesetzt werden sollen

„Ich hätte als Epidemiologe den Lockdown sogar noch fortgeführt, um zu erreichen, dass wir mit mehr Reserve in diese Lockerungsphase reinkommen. Das haben wir nicht getan. Wir haben auf Kante genäht. Wir haben das sogar so knapp kalkuliert, dass wirklich alles funktionieren muss, damit wir den Vorsprung, den wir uns erarbeitet hatten, nicht verlieren“, sagt der SPD-Gesundheitsexperte voller Nachdruck.

Man kann nur hoffen, so Lauterbach, dass nun alles, aber wirklich alles, gut gehe. Sonst stehe man vor einem Problem, das deutlich größer ist, als zu Beginn der Coronavirus-Pandemie.

Zweite Welle wäre katastrophal

Lauterbach: „Der Unterschied zur ersten Runde wäre der: Wir hätten an vielen Orten gleichzeitig Feuer. Wir hatten ja zuerst das Glück, dass es nur zwei, drei große Herde gab, die zu beherrschen waren. Dann hätten wir aber sehr viele gleichzeitig. Der zweite Unterschied: Dann würde es Ältere betreffen. Wir hatten ja zu Beginn Karnevalisten und Urlauber, das waren in der Tendenz Jüngere. Das könnte mit einem Schlag weg sein.“

+++ Markus Lanz (ZDF): Virologe Streeck mit deutlichen Worten zur Maskenpflicht – „Nur weil man einen Mundschutz trägt, ...“ +++

Bedeutet: Liegt die Sterberate in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern derzeit noch sehr niedrig, könne sich das bei einem erneuten Anstieg der Infektionszahlen ganz anders verhalten. Eben weil dann auch viel mehr ältere Menschen betroffen wären.

Schulen zu früh geöffnet

Und auch Maike Finnern, die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in NRW, hält die derzeitigen Maßnahmen für verfrüht und überhastet. Sie sagt, dass die Schulen in NRW viel zu spät und schlecht informiert worden sind. Zudem gebe es in den Schulen katastrophale Zustände. So haben viele Schulen keine Waschbecken in den Klassenräumen. Es gebe keine Seife, keine Desinfektionsmittel.

Lehrerinnen und Lehrer wurden gar angehalten, Seife und Desinfektionsmittel für die Schüler von Zuhause mitzubringen. Sie hätte sich deutlich mehr Vorlaufszeit gewünscht, um für solche Probleme Lösungen zu finden.

 
 

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