„Markus Lanz“ (ZDF): Zuschauern platzt bei ihrem Auftritt der Kragen – „Fehlbesetzung ohne Expertise“

Das ist Markus Lanz

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Heftige Diskussion bei „Markus Lanz“! Auch den Zuschauern platzt nach diesem Auftritt der Kragen.

Nach dem Bund-Länder-Gipfel am Mittwoch mit Angela Merkel und den Ministerpräsidenten ging es auch bei „Markus Lanz“ (ZDF) um den beschlossenen Fahrplan in der Corona-Pandemie.

„Markus Lanz“ (ZDF): Philosophin legt Auftritt hin, der Zuschauer platzen lässt

Der Auftritt von Svenja Flaßpöhler, der Philosophin und Chefredakteurin des „Philosophie-Magazins“, bei „Markus Lanz“ (ZDF) sorgte dabei nicht nur in der Sendung für hitzige Diskussionen. Ihre Aussagen wurden von den anderen Talk-Gästen gleich mehrfach eingeordnet. Auch im Netz ist das Unverständnis groß. Die Zuschauer lassen kein gutes Haar an der Autorin.

Zum ersten Mal seit Monaten gibt es nach einer Bund-Länder-Konferenz wieder Aussicht auf Lockerungen: Ab dem 22. Februar sollen die Grundschulen und Kitas in einigen Bundesländern wieder öffnen. Doch die Konferenz machte auch klar, dass mit Blick auf die Mutationen weitere Öffnungen erst ab einem stabilen Inzidenzwert von unter 35 möglich sein sollen. Bisher war immer von 50 die Rede.

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Für Flaßpöhler bereits der erste Aufreger: Sie spüre „Irritiertheit und Wut“, die Politik würde sich nur noch fetischistisch auf Zahlen konzentrieren“, „ich kann diese Zahlen nicht mehr hören“. Lösungsansätze bringt sie keine vor. Der SPD-Politiker Peter Tschentscher versucht einzuordnen. Sicher gebe es eine „Unsicherheit“ hinsichtlich der Mutationen. Man müsse „eher auf die Bremse treten“, da man zum Teil „im Nebel“ agiere und man erst im Nachhinein feststellen könne, ob Maßnahmen sich als richtig herausstellten.

„Ausnahmezustand hat mit Demokratie nichts mehr zu tun“

Immer wieder zweifelt Flaßpöhler mit deutlichen Worten an der deutschen Corona-Strategie. Es seien keine „Konzepte, die man auf Dauer“ aufstellen könne. Sicher müsse man vorsichtig sein, aber „diesen Lockdown, wie wir ihn jetzt haben, das wäre ein auf Dauer gestellter Ausnahmezustand und das hat mit Demokratie nichts mehr zu tun“, so die Philosophin.

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Die Gäste bei Markus Lanz:

  • Peter Tschentscher, Erster Bürgermeister Hamburgs und SPD-Politiker
  • Eva Quadbeck, stellvertretende Chefredakteurin des „Redaktions Netwerks Deutschland“
  • Svenja Flaßpöhler, Philosophin und Journalistin
  • Helga Rübsamen-Schaeff, Virologin

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Erneut ist es Tschentscher, der die Gegenposition einnimmt. Er weist auf die Situation in Frankreich und Portugal hin, wo es zum Teil noch viel drastischere Einschränkungen wie Ausgangssperren ab 18 Uhr gebe, weil man dort ein starkes Infektionsgeschehen aufgrund der britischen Corona-Variante habe. Ein großer Teil der Menschen in Deutschland stehe hinter dem aktuellen Corona-Kurs.

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Flaßpöhler arbeitet sich als nächstes an der Formulierung „aus heutiger Perspektive“ ab. Diese ermögliche es, in zwei Wochen einen völlig anderen Weg einzuschlagen. Weiter störe sie die „Reduzierung von Menschen auf potenzielle Virenträger, potenziell tödliche Virenträger“. Das „Paradigma des Sozialen“ werde dadurch umgedreht. Schließlich erkrankten gerade junge Menschen nur sehr selten schwer am Virus.

Virologin greift bei Aussage sofort ein

Diesmal greift Virologin Helga Rübsamen-Schaeff ein. „Auch wenn man als junger Mensch nicht so betroffen ist, keine Gefahr sieht, gerade die Älteren, die trifft es eben.“ Man könne nicht so tun, dass es das Virus nicht gebe. Mit Blick auf mögliche kommende Mutationen blieb sie jedoch gelassen. Selbst wenn gegen einige davon der Impfstoff nicht wirken werde, sei man inzwischen in der Forschung so gut aufgestellt, dass man innerhalb von Wochen einen passenden Impfstoff entwickeln könne. Dieser müsse dann noch klinisch getestet werden.

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Das ist die Fernsehsendung „Markus Lanz“:

  • „Markus Lanz“ ist eine Talkshow im ZDF, benannt nach Moderator Markus Lanz (51)
  • Die 75-minütige Sendung wird dienstags bis donnerstags am späten Abend ausgestrahlt
  • Meistens wird die Sendung einige Stunden vor der Ausstrahlung in einem TV-Studio in Hamburg-Altona aufgezeichnet, mitunter gibt es auch Live-Übertragungen.
  • In jeder Ausgabe der Show empfängt Markus Lanz vier bis fünf (meist prominente) Talk-Gäste, mit denen er jeweils ein neues Thema bespricht

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Lanz bringt die Diskussion noch einmal zurück auf den Inzidenzwert und fragt Tschentscher, ob er bei einem Wert von unter 35 gleich öffnen werde. Als der Hamburger Bürgermeister ansetzt, kommt es zu einer Situation, welche seine Haltung gegenüber Flaßpöhler mehr als offenlegt.

Er erklärt, dass der Inzidenzwert zeige, „wo wir stehen“, der R-Wert „in welche Richtung wir uns bewegen“. Die Philosophin will offenbar dazwischen grätschen – nicht zum ersten Mal an diesem Abend übrigens – und wird ein „darf ich was sagen“ ein, welches Tschentscher jedoch gekonnt übergeht. Stattdessen nennt er noCovid ein erstrebenswertes Ziel, entscheidender sei allerdings, dass die Infektionen „auf niedrigem Niveau“ blieben, bei dem man sicher sein könne, „ dass wir das kontrollieren können“.

Philosophin geht Hamburger Bürgermeister an: „Zahlenfetischismus“

Flaßpöhler geht darauf den Hamburger Politiker regelrecht an. Sie „finde es fast schon lustig“ ihm zuzuhören, wirft Tschentscher „Zahlenfetischismus“ vor. Man könne einen „positiven Corona-Test haben und keine Symptome“ oder liege nur eine Woche flach im Bett. Interessant sei die Auslastung der Krankenhäuser. Rübsamen-Schaeff, die einzige Medizinerin in der Runde, würde bei dieser Aussage wohl am liebsten beide Hände über dem Kopf zusammenschlagen.

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Fast schon entgeistert entgegnet sie: „Und die korreliert. Je mehr infizierte es gibt, desto schwieriger ist die Lage in den Krankenhäusern. Das ist eine klare Korrelation. Das ist ganz einfach.“ Doch die Philosophin überzeugt das offenbar nicht: „Das korreliert doch nicht einfach nur.“ SPD-Mann Tschentscher versucht, die Wogen etwas zu glätten. Auch er schaue natürlich auf mehr als nur den reinen Inzidenzwert.

Auch Lanz unterbricht Philosophin

Kurz vor Ende der Sendung ist es dann auch Lanz, der Flaßpöhler nach einem Kommentar korrigieren muss. Als es um die Kontaktverfolgung in südostasiatischen Staaten geht, die aufgrund eines anderen Datenschutzes dort deutlich einfacher erfolgt, sagt die Philosophin: „Das asiatische Modell des Gläsernen Menschen“ sei auch „sehr pragmatisch“.

„Wenn Sie jetzt Asien als Vorbild nehmen“ – und sofort unterbricht Lanz, will diese allgemeine Aussage nicht stehen lassen: „Asien gibt es so ja so nicht. Sondern Südkorea, Neuseeland hats genauso stringent gemacht.“ Fast schon genervt sagt die Redakteurin, Südkorea sei sicher kein Vorbild. Dort gebe es auch eine „Gängelung des Bürgers, durch 1000 Hinweise, die man aufs Handy kriegt“.

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Kritik im Netz: „Bitte nicht mehr einladen“

Im Netz sorgt der Auftritt ebenfalls für wenig Begeisterung. Viele stören sich an den kaum wissenschaftlich haltbaren Aussagen der Philsophin.

  • „Flaßpöhler ist übrigens auch ein Lanz-Gast, der seit etlichen Sendungen immer das gleiche erzählt, obwohl sich sowohl Daten als auch Erkenntnisse permanent verändern. Warum lädt man sie noch ein- das hat nicht mal mehr ‚Unterhaltungswert‘!“
  • „Völlig unverständlich, warum eine grundsätzlich interessante Runde durch eine Fehlbesetzung ohne Expertise ins Lächerliche gezogen wird.“
  • „Bitte die unsägliche Svenja Flaßpöhler nicht mehr einladen. Immer wenn sie nicht weiterweiß (und sie weiss oft nicht weiter), sagt sie stereotypisch ‚Grundrechte‘. Der unbedingte Wille, wichtig zu sei, hat alle Empathie, Demut und Logik aufgezehrt.“

Nicht der erste umstrittene Auftritt

Es war übrigens nicht der erste umstrittene Auftritt von Flaßpöhler. Bereits Ende Januar hinterließ sie bei „Markus Lanz“ bei vielen Zuschauern einen wenig positiven Eindruck.

Die gesamte Folge „Markus Lanz“ kannst du hier in der ZDF-Mediathek schauen.