Markus Lanz: Precht zeichnet düsteres Bild von NRW-Städten – „Dramatisch“

Autor Richard David Precht spricht bei Markus Lanz über sterbende Innenstädte in Deutschland.
Autor Richard David Precht spricht bei Markus Lanz über sterbende Innenstädte in Deutschland.
Foto: ZDF Screenshot

Nicht nur das Ruhrgebiet kann ein Lied davon singen: Leerstand in der Innenstadt, der nächste Laden macht dicht. „Was passiert, wenn die Städte veröden?“ Philosoph Richard David Precht war am Mittwoch bei „Markus Lanz“ im ZDF zu Gast und zeichnete ein sehr trauriges Bild seiner Heimatstadt Solingen (NRW) und vieler weiterer strukturschwacher Städte in Deutschland.

Erst kürzlich sei er in die nicht unbedingt architektonisch schöne Stadt gereist, um seinen Vater zu besuchen und schlenderte durch die Innenstadt. „Es ist eine unheilvolle Entwicklung“, macht der Autor von „Wer bin ich - und wenn ja, wie viele?“ direkt zu Beginn der Sendung „Markus Lanz“ deutlich.

Markus Lanz: Experte zeichnet ein düsteres Bild - „Dramatisch!“

Natürlich sei Solingen mit seinem in den 50er Jahren wiederaufgebauten Häusern nicht mit Lübeck oder Freiburg zu vergleichen. Aber genau wie Recklinghausen, Suhl, Cottbus oder Gelsenkirchen verkommen die Innenstädte, eine „Entsolidarisierung“ entstehe, das Gemeinschaftsgefühl fehle immer mehr. Städte sterben.

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Das sind die Gäste bei Markus Lanz:

  • Richard David Precht, Philosoph
  • Daniel Stelter, Ökonom
  • Gesa Neitzel, Autorin

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Solingen konnte die Einwohnerzahl von 160.000 Bürgern in etwa halten, verlor sie nicht an Metropolen - aber auch nur, weil etwa ein Drittel der Menschen Migranten sind, die neu ins Bergische Land hinzukamen und die Zahl der Einwohner somit stabil halten können, erklärt Precht.

„Was hält eine Stadt noch zusammen?“

Nicht nur der Einzelhandel, der Marktplatz, auch Kirchen seien keine Begegnungsstätten mehr. „Es sind lediglich Immobilien, die nicht mehr besucht werden.“ „Was hält eine Stadt noch zusammen?“, fragt er den Moderator.

Der wendet sich an einen weiteren Gast der Sendung, Ökonom Daniel Stelter - fordert seine Analyse, am besten noch eine Lösung. Auch Stelter weiß, dem demographischen und wirtschaftlichen Wandel gilt es entgegenzuwirken.

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Doch wie? Da verweist er auf neue Start-Ups, Strukturwandel, Kulturelles und die Schuldenbefreiuung der Kommunen. Precht grätscht ein: Solingen oder Gelsenkirchen seien eben keine hippen Metropolen wie Hamburg oder Berlin. Da wollen die Menschen sich doch als Neugründer ansiedeln.

Er fordert endlich ein Eingreifen der Politik, die nur schleichend zusehe. In den 90er Jahren entstanden große seelenlose Ketten in den Innenstädten. Schon fast nostalgisch erinnert sich der Bestsellerautor an kleine Buchhandlungen, wünscht sie sich zurück. „Der Onlinehandel war dann der endgültige Todesstoß“, ist Precht überzeugt.

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Amazon, Zalando und Co. sollen zur Kasse gebeten werden. Fairer Wettbewerb soll her. Precht: „Die Mehrwertsteuer auf den Einzelhandel muss gesenkt und die Mehrwertsteuer auf den Onlinehandel dramatisch erhöht werden.“ Damit sich der Einkauf in der Boutique wieder lohnt. Onlinehändler sollten beispielsweise 25 Prozent mehr Mehrwertsteuer bekommen. Riesiger Applaus aus dem Publikum.

Online-Handel höher besteuern als Lösung?

Doch Stelter mahnt: Da ziehen kleine Onlinehändler nicht mit. Die Bequemlichkeit der Menschen spiele eben auch eine große Rolle. Wie würde sich das Onlinegeschäft auswirken, wenn die Kunden ihre Pakete selbst abholen müssten? spinnt er eine Idee, die eventuell helfen könnte.

Weiter sprechen die beiden Experten unter anderem auch über E-Mobilität. Die ganze Sendung „Markus Lanz“ kannst du in der Mediathek des ZDF nachschauen. (js)

 
 

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