„hart aber fair“: Infektiologe kritisiert Politik - „Diese Strategie würde zur Katastrophe führen“

"hart aber fair": Frank Plasberg spricht mit seinen Gästen über die Situation in Pflegeheimen.
"hart aber fair": Frank Plasberg spricht mit seinen Gästen über die Situation in Pflegeheimen.
Foto: Screenshot ARD

Thema am Montagabend bei „hart aber fair“: Das Virus und die Pflege: Werden Altenheime zur Corona-Falle?

Besonders im Fokus stand bei Frank Plasbergs Sendung „hart aber fair“ eine mögliche Strategie, die von den Experten in der Runde stark kritisiert wurde. Der Infektiologe Prof. Dr. Gerd Fätkenheuer spricht Klartext: „Diese Strategie würde zur Katastrophe führen.“

„hart aber fair“: Experten kritisieren Vorschlag der Politik

Was meint er? Besonders gefährdet in der Coronavirus-Krise sind vor allem ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankung. Deshalb gibt es die Überlegung für sie die Kontaktsperre auszuweiten und jüngere Menschen langsam wieder auf die Straße zu lassen.

Gesundheitsminister Jens Spahn sagte beispielsweise: „Wir werden die Älteren möglicherweise über mehrere Monate bitten müssen, ihre Kontakte stark einzuschränken und im Zweifel zuhause zu bleiben.“

Bei den Experten stoßen solche Aussagen auf großes Unverständnis. „Da bleibt mir schon ein bisschen die Spucke weg“, sagt Johannes Pantel, Altersmediziner. Besonders schlimm findet er die Pauschalisierung der älteren Altersgruppe. Von 18 Millionen Menschen über 65 Jahre seien nur 20 Prozent überhaupt pflegebedürftig.

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„Hart aber fair“: Die Gäste in der ARD:

  • Prof. Dr. Gerd Fätkenheuer: Infektiologe
  • Johannes Pantel: Altersmediziner
  • Silke Behrendt-Stannies: Altenpflegerin
  • Karl Josef Laumann: NRW-Gesundheitsminisiter
  • Bernd Meurer: Präsident des bpa - Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste

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„Diese Strategie würde zur Katastrophe führen“

Auch Infektiologe Fäktenheuer hält nicht von dieser Exit-Strategie für den Pflegebereich.

Alte Menschen isolieren und alle anderen frei laufen lassen? „Das ist eine Strategie, die kann überhaupt nicht zum Erfolg führen, die kann eigentlich nur zum Gegenteil, zur Katastrophe, führen.“

Es sei gar nicht möglich, die älteren Menschen völlig abzutrennen. Zumal jetzt schon ein Großteil unter der Isolation leidet. Viele Personen vereinsamen und haben psychische Probleme.

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Aber es gibt noch ein anderes Problem: Bei den Jungen sei die Sterblichkeit zwar geringer, aber es werde übersehen, dass dort auch große Todesraten entstehen. Nach Fäktenheuers Berechnungen käme man bei den unter 60 Jährigen auf über 100.000 Tote, die an Corona sterben würden.

Das Fazit der Expertenrunde war eindeutig: Ältere Menschen länger „wegzusperren“ ist keine Option. (fs)

 
 

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