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Promi-Anwalt verteidigt Bettina Wulff – „Sie haut drauf, das hätte ich ihr auch geraten“

Promi-Anwalt Ralf Höcker: Über Bettina Wulff sei ähnlich wie über Jörg Kachelmann "viel Dreck verbreitet worden".
Promi-Anwalt Ralf Höcker: Über Bettina Wulff sei ähnlich wie über Jörg Kachelmann "viel Dreck verbreitet worden". Foto: Foto: Matthias Graben
Ralf Höcker vertritt Heidi Klum und Jörg Kachelmann. Er gilt als der Anwalt der Promis. Verständnis hat er auch für Bettina Wulff: „Nun haut sie drauf, und genau das hätte ich ihr auch geraten“. Höcker sieht Parallelen zwischen dem Kachelmann-Prozess und dem medialen Wirbelsturm bei Bettina Wulff.

Köln. 

Der Anruf, der ihn beruflich weit nach vorne brachte, kam an einem Samstag und natürlich völlig überraschend: „Ich brauch einen Anwalt! Ich bin festgenommen worden!“ Jörg Kachelmann war das, der zu diesem Zeitpunkt schon in Mannheim in Untersuchungshaft saß. Der Fall Kachelmann tatsächlich machte ihn bekannt. Spätestens seitdem gilt der Kölner Ralf Höcker als Medien-Anwalt der Prominenten. Der Mann, dem auch Heidi Klum vertraut.

Seine Kanzlei in der Kölner Innenstadt wirkt so smart wie er selbst. Viel Glas und dazwischen grüne Einsprengsel. Bilder, Vasen, Plexiglastische in lichtem Grün, das seinen Mandanten ein Gefühl von Wohlbefinden, von Hoffnung vermitteln soll.

Heidi Klum bemühte Promi-Anwalt Höcker wegen Seal

Gut durchdacht wie offenbar alles, was der Mann anpackt. 41 Jahre ist er jung, ein Ur-Kölner, der lediglich für sein Studium ein paar Semester nach London ging. Seitdem hat er mehrere Bücher geschrieben, eine Fernseh-Show moderiert, ist er Professor an der Cologne Business School und häufig dann im Spiel, wenn Prominente ihre Persönlichkeitsrechte gefährdet sehen.

Heidi Klum etwa bemühte ihn kürzlich, nachdem deren Noch-Ehemann Seal ungepixelte Fotos ihrer Kinder veröffentlichen ließ. „In dem Fall haben wir eine einstweilige Verfügung erreicht. Jede Mutter will sich schützend vor ihre Kinder stellen, gerade wenn Paparazzi im Spiel sind“, sagt Höcker.

Medien-Anwalt sieht Parallelen zwischen Bettina Wulff und dem Kachelmann-Prozess

Im und nach dem Kachelmann-Prozess beantragte Höcker 95 einstweilige Verfügungen, vor allem gegen Verlage wie Burda und Springer, die den wegen Vergewaltigung angeklagten und später freigesprochenen Wetter-Moderator vorverurteilt oder intime Details aus Kachelmanns Privatleben veröffentlicht hatten. „In 93 der Fälle waren wir erfolgreich“, sagt der Kölner Anwalt, der Kachelmann bis heute juristisch berät. Gut ein Dutzend Klagen gewann er für seinen Mandanten, hunderte Unterlassungserklärungen habe er durchgesetzt.

Und Höcker sieht Parallelen zur Situation von Bettina Wulff, der Ehefrau des Ex-Bundespräsidenten, die in diesen Tagen, begleitet von einem medialen Wirbelsturm, gegen Gerüchte vorgeht, sie habe in ihrem früheren Leben für einen Escort-Service, also im Rotlicht-Milieu, gearbeitet. „Ähnlich wie bei Jörg Kachelmann ist über sie viel Dreck verbreitet worden. Sie ist das Opfer, das nun mit einem Befreiungsschlag versucht, ihre Reputation wiederherstellen. Nun haut sie drauf, und genau das hätte ich ihr auch geraten“, erklärt Höcker.

Gerüchte über Bettina Wulff haben „eine enorme Fallhöhe“

Gerüchte seien ein schleichendes Gift, das sich in den Köpfen der Leute festsetze. Gerade wenn die Geschichte, um die es gehe, wie bei Bettina Wulff „eine enorme Fallhöhe“ aufweise. Eine First Lady mit einer zweifelhaften Vergangenheit. Nun gehe es darum, immer wieder die Gegenbotschaft zu verbreiten.

Bettina WulffWulff mache das, indem sie ihre Sicht der Dinge in eine massenkompatible Geschichte verpacke. Höcker: „Auch Jörg Kachelmann hat lediglich ein paar Schlachten gewonnen, noch nicht den Krieg. Und er hat zwischenzeitlich viel verloren. Seinen Ruf, seine Freiheit, zeitweise seine Kinder, sein Vermögen.“

Ralf Höcker schrieb Buch über nervige Rechtsirrtümer

Über sich privat mag Höcker nicht so gern erzählen. Rät er doch auch seinen Mandanten, nicht allzu viel von sich preiszugeben, sich zu schützen. Sieben Sprachen spricht er, darunter Russisch und Afrikaans. Als Junge imitierte er gerne Promis, brillierte mit Dialekten. Eine Anwaltspraxis zu führen, war ihm nicht vorbestimmt. Jura, das schien ihm ein „Brotberuf“ zu sein. Einer, bei dem er, wie er sagt, „nicht kein Geld verdiene“. Fleißig ist er. Sieben Bücher schrieb er bislang. Drei davon, die über nervige Rechtsirrtümer, verpackte er in eine humorige Bühnenshow, mit der er landauf, landab auftrat. Wer so etwas einmal gemacht hat, kennt kein Lampenfieber.