Präsident der Ukraine - ein bitterer Job für Schoko-Milliardär Poroschenko

Pjotr Poroschenko ist neuer Präsident der Ukraine.
Pjotr Poroschenko ist neuer Präsident der Ukraine.
Foto: dpa
Er ist Milliardär in einem bettelarmen Land, mithin ein Oligarch. Dennoch hat Pjotr Poroschenko einen vergleichsweise guten Ruf in der Ukraine, deren Präsident er gerade geworden ist. Viele trauen ihm einen Interessen-Ausgleich zwischen Ost und West zu. Wer ist dieser Mann?

Moskau.. Er hat kräftige Schultern, aber auch ein Bäuchlein, runde Wangen, klassisch geschwungene Lippen und eine von Zweifelsfurchen freie Stirn, und auch seine angegraute Lockenpracht erinnert an einen altrömischen Volkstribun. Pjotr Poroschenko ist der künftige Präsident der Ukraine. Wegen seines Süßwarenkonzerns Roshen gilt er als Schoko-Zar des Landes. Der 48-jährige Milliardär und Vater von vier Kindern hatte bereits die prowestliche Orangene Revolution von 2004 mitfinanziert. Sein Fernsehsender 5. Kanal berichtete damals wie heute detailliert über die Demonstrationen in Kiew. Viele Wähler schätzen an dem Oligarchen, dass er mit Geld umgehen kann.

Seine erste Million verdiente der aus Odessa stammende Mann Anfang der 90er-Jahre als Pfefferhändler. Inzwischen besitzt er eine Agroholding, eine Bank, einen TV-Kanal, aber vor allem den Schokoladenkonzern. Einen Großteil der Schokolade exportiert er nach Russland. Laut Forbes wird das Vermögen des Wirtschaftsoligarchen auf 1,6 Milliarden Euro geschätzt. Poroschenko spielt gerne Tennis und chauffiert seinen Bentley in der Regel selbst.

"Er will, dass das Volk ihn liebt"

Seit 15 Jahren steht er mit einem Bein in der Politik, Parlamentsabgeordneter, Außenminister, Wirtschaftsminister, gemäßigt liberal. „Poroschenko brennt vor Ehrgeiz“, sagt ein ukrainischer Journalist, der seinen Wahlkampf verfolgt hat. „Er will, dass das Volk ihn liebt.“

Dabei ist unklar, ob sich das höchste Amt im Staat nicht als Himmelsfahrtkommando für ihn herausstellt. Wirtschaftlich gilt die Ukraine nach der Revolution vom Februar als so gut wie pleite, in den Regionen Donezk und Lugansk bekriegen prorussische Separatisten gemeinsam mit russischen Diversanten die ukrainische Staatsmacht. Die Rebellen kontrollieren immer mehr Städte, bezeichnend, dass im Donbecken nur fünf Prozent der Wahlberechtigten abstimmten.

Der designierte Staatschef hat schon angekündigt, er werde nach seiner Amtseinführung als erstes nach Donezk fliegen. Er wolle mit den Leuten reden, er verspricht den Leuten Wahlen, die Rebellen aber beschimpft er als Banditen. Und Russland als Aggressor. „Unser 45-Millionen-Volk kann nicht verstehen, warum Russland die Ukraine angegriffen hat! Welche Rechtfertigung gibt es für eine Aggression gegen ein befreundetes Land?“

Poroschenko ist kein Feigling

Offene Worte. Und Poroschenko richtet sie direkt an einen russischen Reporter, von dem er sich am Wahltag interviewen lässt. Poroschenko ist kein Feigling. Während der Maidan-Revolution, die er mitfinanziert haben soll, wagte sich der Familienvater mehrfach zwischen Aufständische und Polizeikräfte, um zu vermitteln. Meist vergeblich, Poroschenko ist kein Mann der Straße. Auf dem Maidan wurde er von Radikalen ebenso niedergebrüllt, wie später in Simferopol von Krim-Separatisten.

Poroschenko gilt als Kompromissfigur. Westlich orientiert, aber mit Russland im Geschäft, verbündete er sich mit dem demokratischen Ex-Boxer Vitali Klitschko und den dahinterstehenden Oligarchen. Aber auch die entmachtete Staats-„Partei der Regionen“ und ihre Geldgeber warfen ihm im Wahlkampf keine Knüppel zwischen die Beine. „Ein guter Janukowitsch“ spottet der Kiewer Publizist Sergei Wissoski unter Anspielung auf den erzkorrupten Expräsidenten. Manche Beobachter befürchten, er werde wie dieser in Geld- und Machtgier verkommen. Poroschenko kündigte gestern an, er verkaufe alle Unternehmen außer seiner TV-Anstalt.

Großmagnaten gegen Separatisten

„Alles wird davon abhängen, ob es ihm gelingt, vom Denken eines Geschäftsmanns auf das eines Politikers umzuschalten“, sagt der Politologe Viktor Samjatin unserer Zeitung. Aber angesichts des Bürgerkrieges im Osten könnte es zumindest mittelfristig ein Segen sein, wenn Poroschenko die ukrainische Oligarchie hinter sich versammelt. In Gebieten wie Dnjepropetrowsk oder Odessa organisieren und finanzieren zu Gouverneuren ernannte Großmagnaten schon jetzt erfolgreich den Widerstand gegen die Separatisten.

 
 

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