Abschiebeversuch eskaliert an Nürnberger Schule – Kritik an Vorgehen der Polizei

Bei einer Demo gegen die Abschiebung eines 20-jährigen Afghanen sind am Mittwoch in Nürnberg neun Polizisten verletzt und fünf Menschen festgenommen worden.
Bei einer Demo gegen die Abschiebung eines 20-jährigen Afghanen sind am Mittwoch in Nürnberg neun Polizisten verletzt und fünf Menschen festgenommen worden.
Foto: iStock
  • In Nürnberg ist es am Mittwoch zu Tumulten gekommen, als etwa 300 Menschen versuchten, die Abschiebung eines 20-jährigen Afghanen zu verhindern
  • Neun Polizisten wurden verletzt, fünf Menschen vorübergehend festgenommen
  • Die Polizei hatte den Afghanen direkt von seiner Berufsschule aus abschieben wollen

Nürnberg.  An einer Berufsschule in Nürnberg ist am Mittwoch eine spontane Demonstration von Schülern völlig aus dem Ruder gelaufen. Es kam zu mehreren Festnahmen. Neun Polizisten wurden verletzt. Die Schüler hatten die Abschiebung eines 20-jährigen Afghanen verhindern wollen, den die Polizei direkt von der Schule aus mitnehmen wollte.

Kritik am Polizeieinsatz kommt nun aus der Politik. Der bayerische SPD-Abgeordnete Horst Arnold fordert laut Bayerischem Rundfunk (BR) Aufklärung von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Er sei der Öffentlichkeit Antworten schuldig, so Arnold.

Erkärung für Pfefferspray-Einsatz gefordert

Unter anderem wolle er wissen, warum die Festnahme des Afghanen während der Schulzeit geschah. Solche Maßnahmen dürften nicht in die Schulen hineingetragen werden. Auch verlangen Arnold und die SPD-Landtagsabgeordnete Alexandra Hiersemann eine Erklärung, warum Pfefferspray zum Einsatz kam.

„Die Videobilder von dem Einsatz sind verstörend“, sagte Arnold dem BR. „Ich bin sehr befremdet von dem, was da in und vor der Schule passiert ist.“ Hiersemann sagte, sie sei „erschreckt“ von den Vorfällen.

Polizei löste Blockade gewaltsam auf

Wie die Polizei mitteilt, solidarisierten sich mehrere Schüler mit dem Afghanen. Mit einer Sitzblockade verhinderten sie die Abfahrt des Pkw, in den die Beamten den 20-Jährigen zuvor hineinzwingen mussten.

Nach und nach stießen immer mehr Menschen zur Demo, bis sie schließlich etwa 300 Teilnehmer zählte. Nach mehreren Stunden entschied die Polizei, die Blockade aufzulösen. Dabei kam es zu tumultartigen Szenen. Hierbei wurde das Pfefferspray eingesetzt. Letztendlich gelang es der Polizei, den Afghanen abzutransportieren.

Die Unruhe war damit aber noch nicht vorbei. Es folgte eine erneute Auseinandersetzung zwischen Demonstranten und der Polizei. Insgesamt wurden neun Polizisten verletzt. Unter anderem bewarfen Demoteilnehmer die Einsatzkräfte mit einem Fahrrad und zahlreichen Flaschen.

Abschiebung aus Unterricht auch in Duisburg

Fünf Menschen wurden vorübergehend festgenommen. Nach Polizeiangaben gab es unter den Teilnehmern keine Verletzten. Im Anschluss zogen etwa hundert Personen zum Ausländeramt. Die Polizei begleitete den Aufzug, der friedlich verlief.

Auch in Duisburg war am Montag eine Schülerin vor den Augen ihrer Mitschüler abgeschoben worden. Die 14-Jährige wurde aus dem Unterricht geholt und abtransportiert. Das Mädchen war in Tränen ausgebrochen, ihre Mitschüler reagierten geschockt. Die Eltern der 14-Jährigen waren 1998 aus Nepal geflohen.

Politik debattiert über Abschiebestopp

Bei Abschiebungen nach Afghanistan diskutiert die Politik derzeit über einen generellen Stopp. Am Mittwoch waren bei einem Bombenanschlag in direkter Nähe der deutschen Botschaft in Kabul mindestens 90 Menschen getötet und Hunderte verletzt. (cho)

 
 

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