Polizeigewerkschaft fordert Frühwarnsystem

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Osnabrück. Schwere Versäumnisse wirft Gewerkschaftschef Rainer Wendt der Politik vor. Gestern verletzte ein 18-jähriger Amokläufer in Ansbach seine Mitschüler, eine von ihnen schwebt noch immer in Lebensgefahr. Wendt fordert jetzt ein Frühwarnsystem.

Vor dem Hintergrund des Amoklaufs von Ansbach hat die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) große Versäumnisse bei der Schulsicherheit kritisiert und ein flächendeckendes Frühwarnsystem für Deutschlands Schulen gefordert. Der «Neuen Osnabrücker Zeitung» sagte DPolG-Chef Rainer Wendt: «Die schreckliche Tat von Ansbach belegt leider einmal mehr, dass Deutschlands Schulen keine sicheren Orte sind. Wir brauchen endlich ein flächendeckendes Frühwarnsystem für Schulen.»

Trotz aller politischen Versprechen nach den Amokläufen von Erfurt und Winnenden fehle es aber nach wie vor massiv an Schulpsychologen und Sozialarbeitern, die Probleme der Schüler frühzeitig erkennen könnten. «In jede Schule in Deutschland gehören mindestens ein Sozialarbeiter und ein Psychologe», forderte Wendt. Er machte den Bundesländern harte Vorwürfe: «Die Landesregierungen müssen endlich ihre Hausaufgaben machen und massiv in die Schul-Sicherheit investieren, statt nach jedem Amoklauf mit Rufen nach schärferen Gesetzen von ihren großen Versäumnissen in der Schulpolitik abzulenken.»

Kultur des Hinsehens nötig

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, sagte der Zeitung: «Wir müssen in den Schulen eine Kultur des Hinsehens etablieren.» Er sprach sich für «flächendeckende Schulungen von Klassensprechern aus, um sie für mögliche Probleme und Außenseiter in ihren Klassen zu sensibilisieren». Dringend erforderlich sei zudem, «die Zahl der Schulpsychologen in Deutschland in einem ersten Schritt zu verdoppeln», sagte Kraus.

Am Donnerstag hatte ein 18-jähriger Abiturient an seinem Gymnasium im bayerischen Ansbach mit einer Axt und Brandsätzen acht Schüler und einen Lehrer zum Teil lebensgefährlich verletzt, bevor er von einer rasch herbeigeeilten Polizeistreife niedergeschossen wurde. Eine Schülerin befand sich in Lebensgefahr. Der Schüler, der noch nicht vernommen werden konnte, ging bei seiner Tat offenbar planmäßig vor. Bei der Durchsuchung seines Zimmers fand die Polizei Schriftstücke, die auf eine geplante Tat schließen lassen. Berichten zufolge befand sich der Täter schon seit längerer Zeit in psychotherapeutischer Behandlung. Sein Motiv war zunächst völlig im Dunkeln. (ap/ddp)

 
 

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