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Polizei vor Rätsel – Unbekannter zerstört Geldscheine

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Foto: dpa
Die Polizei in Darmstadt steht vor einem ungewöhnlichen Rätsel. Schon 23-mal fanden Passanten zerstückelte, angekokelte oder geschredderte Banknoten.

Darmstadt/Mainz. 

Mit zerrissenen, geschredderten oder angekokelten Geldscheinen hat Rainer Elm jeden Tag zu tun – doch so etwas wie jetzt in Darmstadt hat der Mann vom Analysezentrum der Bundesbank in Mainz noch nicht erlebt. Seit einem Monat werden in Darmstadt immer wieder zerrissene oder zerschnittene Euro-Scheine gefunden, bislang mindestens 23-mal. Einige fanden Passanten als Häufchen auf Grünstreifen oder auf der Straße, andere lagen vor einem Glascontainer. Es waren wertlos gemachte 50-, 100- und sogar 500-Euro-Scheine. Echte!

Die Experten von Bundesbank und Polizei tun sich schwer mit dem Fall. Bislang wissen sie noch nicht einmal, um wie viel Geld es sich insgesamt handelt. Ein Betrag von 20 000 Euro macht die Runde. „Doch das sind nur Mutmaßungen“, sagt Elm. Denn noch puzzeln zwei Mitarbeiter der Bundesbank täglich mit den mehreren Tausend, jeweils nur wenige Zentimeter großen Geldschnipseln. Bis sie die Teile zusammengesetzt haben, wird es noch Wochen dauern.

Polizei geht nicht von einer Straftat aus

„Es gibt keine Anhaltspunkte für eine Straftat“, sagt Ferdinand Derigs, Pressesprecher des Polizeipräsidiums in Darmstadt. Doch die Ermittler müssen wissen, von wem das Geld stammt. Und es beschäftigt sie die Frage: Warum macht jemand so etwas? Mit der Beantwortung hat auch der Psychologe Hans Onno Röttgers vom Marburger Universitätsklinikum seine Probleme. „Letztlich sind alles nur wilde Spekulationen“, sagt er.

Entweder sei der Geldzerstörer psychisch krank und wisse nicht, was er tue. Handele es sich um einen gesunden Menschen, seien mehrere Motive denkbar. „Wenn jemand etwas zerstört, ist das immer ein Hinweis auf Aggression. Und er will diese ganz offenbar auch sichtbar machen.“ Zudem sei das Vernichten von Geld ein gesellschaftlich verpönter Akt – vielleicht wolle der Täter damit schockieren.

Ein Haufen Geldschnipsel im Tresor

Derzeit liegt der Haufen Geldschnipsel in einem Tresor des Analysezentrums in Mainz. Jeden Tag werden die Schnipsel zum Puzzeln herausgenommen. In dem Darmstädter Fall ist aber noch nicht einmal ein halber Geldschein komplett. „Das ist alles enorm aufwendig“, sagt Elm.

Die beiden Mitarbeiter, die auf komplizierte Fälle spezialisiert sind, versuchen etwa anhand der Notennummern, das Puzzle zu lösen. Sicher sind sie nur, dass es sich nicht um von der Bundesbank geschreddertes Geld handelt. „Das hätten wir sofort erkannt, diese Stücke sind nur wenige Quadratmillimeter groß.“ (dpa)