Schon wieder Rettungseinsatz am Flughafen Hamburg – Polizei sucht Reizgas-Sprayer mit Videos

Ein Feuerwehrmann am Sonntag vor dem Hamburger Flughafen. Reizgas hatte dafür gesorgt, dass der Airport stundenlang gesperrt werden musste.
Ein Feuerwehrmann am Sonntag vor dem Hamburger Flughafen. Reizgas hatte dafür gesorgt, dass der Airport stundenlang gesperrt werden musste.
Foto: FABIAN BIMMER / REUTERS
  • Nach der Sperrung des Hamburger Flughafens wertet die Polizei Videos aus
  • Offenbar hatte jemand Reizgas freigesetzt, das sich durch die Klimaanlage verbreitete
  • Auch am Montag klagten Flughafen.Mitarbeiter wieder über Beschwerden

Hamburg.  Einen Tag nach dem Großeinsatz von Rettungskräften am Hamburger Flughafen wegen des Austritts von Reizgas klagten Mitarbeiter am Montagvormittag erneut über Atemwegsbeschwerden und Augenbrennen. Das berichtet das „Hamburger Abendblatt“.

Demnach würden derzeit rund ein Dutzend Mitarbeiter behandelt, heißt es in dem Bericht. Es werde vermutet, dass es sich um Reste des Reizgases handelt, das am Sonntag an gleicher Stelle für Beschwerden gesorgt hatte. Der Flughafenbetrieb sei zwar beeinträchtigt, dennoch gehe der Flugbetrieb weiter, betonte die Airport-Sprecherin.

Verdacht der gefährlichen Körperverletzung

Die Polizei in Hamburg sucht indes auf Videoaufnahmen nach dem Reizgas-Sprayer vom Flughafen. Die Bilder der Überwachungskameras würden zu diesem Zwecke ausgewertet, wie ein Sprecher am Montag mitteilte. Es bestehe der Verdacht einer gefährlichen Körperverletzung, sagte der Sprecher weiter. Es werde aber in jede Richtung ermittelt.

Der Gasaustritt hatte am Sonntag eine komplette Sperrung des Hamburger Flughafen ausgelöst. Der Flugbetrieb war mehr als eine Stunde lahmgelegt. Vermutlich sei Pfefferspray oder ein ähnliches Reizgas versprüht worden, erklärte ein Feuerwehrsprecher.

Neun Menschen mussten ins Krankenhaus

Der Stoff habe sich über die Klimaanlage im Gebäude verteilt. Etliche Menschen klagten über gesundheitliche Probleme – 68 wurden laut Feuerwehr untersucht, neun von ihnen kamen in Krankenhäuser. Man gehe nicht von einem Terroranschlag aus.

Das Versprühen von Pfefferspray komme in jüngster Zeit leider öfter vor, besonders an Schulen. „Es ist offensichtlich en vogue, ab und zu mal so eine Patrone abzudrücken“, sagte Feuerwehr-Einsatzleiter Norbert Kusch. Wenn der Täter vom Flughafen ermittelt werden sollte, komme eine gewaltige Kostenforderung auf ihn zu.

Zuletzt mehrere Pfefferspray-Vorfälle

Aber nicht nur in Hamburg scheint Missbrauch von Reizgasen ein immer größer werdendes Problem zu sein. Erst am Wochenende zuvor wurden 23 Menschen auf einem Faschingsball im bayerischen Amorbach verletzt, nachdem ein Unbekannter Pfefferspray oder Tränengas in der Veranstaltungshalle freigesetzt hatte. Bei der Feier waren insgesamt rund 350 Menschen zu Gast.

Am vergangenen Donnerstag waren 35 Schüler an einer Realschule in Dormagen durch Pfefferspray verletzt worden. Ein Unbekannter hatte das Spray in einem Schulflur freigesetzt.

Wenige Tage zuvor hatten Dutzende Schüler einer Schule in Selm im Kreis Unna zur Behandlung ins Krankenhaus gemusst, weil ein 13-Jähriger Pfefferspray im Foyer der Schule versprüht hatte. Und das, einen Tag nachdem ein 16-Jähriger in einem Mülheimer Einkaufszentrum ein Pfefferspray „testen“ wollte und damit 22 Menschen verletzt hatte.

„Tierabwehrspray“ darf frei verkauft werden

2015 und 2016 war der Verkauf von Pfeffersprays – unter anderem als Reaktion auf den Terroranschlag von Paris und die Silvester-Übergriffe von Köln – bundesweit massiv angestiegen. Selbst die Drogeriemarkt-Kette dm führte ein Pfefferspray ein – wenn auch nur als „Tierabwehrspray“.

Das Kuriose daran: Sobald ein Spray die Aufschrift „Nur zur Tierabwehr“ trägt, darf sie ohne Altersbeschränkung verkauft werden, da sie dann nicht unter das Waffengesetz fallen.

Am Hamburger Flughafen hatte sich die Lage erst am Sonntagnachmittag wieder normalisiert. Hunderte Reisende hatten bis dahin bei winterlichen Temperaturen im Freien ausharren müssen. Die Zufahrten zum Flughafen waren zeitweise gesperrt gewesen, auch der S-Bahn-Verkehr zum Airport war unterbrochen. (ba/dpa)

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