Polizei holt Kinder aus umstrittener Glaubensgemeinschaft

Bei einer Aktion in verschiedenen Teilen Bayerns hat die Polizei am Donnerstag insgesamt 40 Kinder aus der Glaubensgemeinschaft "Zwölf Stämme" geholt.
Bei einer Aktion in verschiedenen Teilen Bayerns hat die Polizei am Donnerstag insgesamt 40 Kinder aus der Glaubensgemeinschaft "Zwölf Stämme" geholt.
Foto: dpa
Prügel und Züchtigungen: Die Kinder in einer umstrittenen Glaubensgemeinschaft in Bayern sollen misshandelt worden sein. Zudem heißt es, rassistische Lehrinhalte seien verwendet worden. Nun war die Polizei im Einsatz und holte mehrere Kinder aus der Obhut der Gemeinschaft.

Deiningen. Die Polizei hat fast 30 Kinder aus der umstrittenen Glaubensgemeinschaft "Zwölf Stämme" im schwäbischen Klosterzimmern geholt. Das Amtsgericht Nördlingen hatte einen vorläufigen Sorgerechtsentzug angeordnet. In der Vergangenheit hatte es immer wieder Hinweise darauf gegeben, dass die Kinder geprügelt und gezüchtigt werden.

Wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums in Augsburg sagte, handelt es sich um 28 Mädchen und Jungen, die in der umstrittenen Gemeinschaft bei Deiningen leben. 12 weitere Kinder wurden in Wörnitz abgeholt. Gegen 6.00 Uhr habe der Einsatz begonnen. Etwa 100 Beamte waren beteiligt. Die Aktion sei friedlich und ohne Zwischenfälle verlaufen. Die Kinder sind nun in Obhut des Jugendamtes.

Der Glaubensgemeinschaft werden Kindesmisshandlung und rassistische Lehrinhalte vorgeworfen

Die Gemeinschaft "Zwölf Stämme" war in der Vergangenheit immer wieder in die Schlagzeilen geraten. Neben Vorwürfen wegen Kindesmisshandlung und möglicherweise rassistischen Lehrinhalten gibt es seit Jahren Streit um die Schulpflicht der Kinder.

Die Mitglieder der "Zwölf Stämme" hatten sich geweigert, ihre Kinder in staatliche Schulen zu schicken. Unter anderem wegen des Sexualkundeunterrichts machten sie religiöse "Gewissensgründe" geltend. 2004 waren mehrere Väter wegen der Verweigerung in Erzwingungshaft gekommen.

Kultusministerium entzog der Privatschule die Genehmigung

Der Privatschule der Gemeinschaft hatte das Kultusministerium zum 31. Juli 2013 die Genehmigung entzogen, weil sie keinen geeigneten Lehrer mehr benennen konnte. Die etwa 20 schulpflichtigen Kinder müssen damit von kommender Woche an staatliche Schulen oder andere zugelassene Privatschulen besuchen. Inzwischen liegt dem Ministerium ein Antrag der Gemeinschaft auf die Genehmigung einer neuen sogenannten Ergänzungsschule vor. (dpa)

 
 

EURE FAVORITEN