Pokerräuber zu Haftstrafen verurteilt

Jihad C. (v.l.), Vedat S., Ahmad el A., und Mustafa U. müssen alle mehr als drei Jahre ins Gefängnis.
Jihad C. (v.l.), Vedat S., Ahmad el A., und Mustafa U. müssen alle mehr als drei Jahre ins Gefängnis.
Foto: ddp

Berlin. Knapp vier Monate nach dem spektakulären Überfall auf Deutschlands größtes Pokerturnier in Berlin sind vier junge Männer zu Haftstrafen von jeweils mehr als drei Jahren verurteilt worden.

Vor knapp vier Monaten stürmten sie Deutschlands größtes Pokerturnier, nun sollen sie für mehrere Jahre hinter Gitter: Vor der Jugendstrafkammer des Berliner Landgerichts fiel am Donnerstag nach nur zweiwöchiger Verhandlung das Urteil. Die neunte Strafkammer verurteilte den 21-jährigen Kronzeugen wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung zu drei Jahren und neun Monaten Gefängnis, seine drei 19- und 20-jährigen Mittäter zu Jugendstrafen von je drei Jahren und sechs Monaten.

Der Vorsitzende Richter Helmut Schweckendieck nannte den gescheiterten Coup in der Urteilsbegründung einen Akt der Schwerkriminalität. Das Quartett sei aber „völlig dilettantisch“ vorgegangen und von Hintermännern ausgenutzt worden. „Sie haben sich aber auch schnell und gerne ausnutzen lassen, da sie gierig auf das Geld waren“, warf Schweckendieck den Männern vor. Die Kammer habe bei der Strafzumessung gleichwohl berücksichtigt, dass die Drahtzieher massiv Druck auf die Angeklagten ausgeübt hätten.

Bewährungsstrafe für Gericht ausgeschlossen

Bewährungsstrafen, wie von den Verteidigern gefordert, seien für die Kammer nicht infrage gekommen, betonte Schweckendieck. „Es war erzieherisch geboten, auf so eine schwere Straftat mit einer deutlichen Strafe zu reagieren“, sagte er mit Verweis auf die Höhe der Beute und die schwere Bewaffnung der Räuber am Tattag. Im Falle des ältesten Angeklagten sei die Kronzeugenregelung zur Anwendung gekommen, da er seine Mittäter verraten und so erheblich zur Aufklärung der Tat beigetragen habe, hieß es.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Mehrere Verteidiger schlossen nicht aus, das Strafmaß vom Bundesgerichtshof überprüfen zu lassen. Staatsanwalt Frank Heller sagte, die Entscheidung über eine mögliche Revision werde binnen einer Woche fallen.Rechtsanwalt Sebastian Bartels kritisierte, dass sein Mandant trotz einer seiner Einschätzung zufolge geringeren Tatbeteiligung die gleiche Strafe erhalten habe wie dessen Komplizen. Verteidiger Dirk Lammer warf dem Gericht vor, das Gewicht des Überfalls zu überschätzen: „Das ist kein Kavaliersdelikt, aber keine Schwerstkriminalität.“

Angeklagte offenbar von Hintermännern eingeschüchtert

Mit dem vorläufigen Urteilsspruch, den mehr als 60 Zuschauer dicht gedrängt auf den Besucherbänken verfolgten, endete nach nur zwei Wochen die Hauptverhandlung vor dem Berliner Landgericht. Der Überfall auf Deutschlands größtes Pokerturnier hatte im März für Aufsehen gesorgt. Binnen weniger Tage waren die Täter gefasst, nicht zuletzt, da der Kronzeuge seine Komplizen verriet. Die Geständnisse folgten schnell. Vor Gericht wies so manches Gedächtnis dann aber Lücken auf.

Während sich alle Angeklagten noch gut an den zum Teil ohnehin auf Überwachungskameras festgehaltenen Tatverlauf erinnern konnten, waren andere für die Aufklärung des Raubüberfalls wichtige Erinnerungen erheblich verblasst. So wollten sich einige der Angeklagten plötzlich nicht mehr an die Namen der Hintermänner erinnern und griffen offenbar aus Angst vor Racheakten auf Codenamen wie „U1“ und „U2“ zurück.

Dass es sich hierbei vermutlich um jene zwei Männer handelte, die als Drahtzieher des Coups gelten und bereits in Untersuchungshaft sitzen, war wohl allen Prozessbeobachtern klar. Nur einer der Angeklagten wagte sich, zumindest einen Kopf der Pokerbande zu verraten.

Großteil der Beute noch immer verschollen

Auch zum Verbleib der Beute schwiegen die jungen Männer. Bis heute sind nur 4.000 Euro von den knapp 242.000 im März gestohlenen Pokerstartgeldern wieder aufgetaucht. Vor Gericht beteuerten die Angeklagten, sie hätten keinen Zugriff mehr auf das Geld. Nach Auffassung des Gerichts hatte jeder Räuber 45.000 Euro erhalten. Davon sollen aber jedem 5.000 Euro als „Bonus“ für den Tippgeber wieder abgenommen worden sein.

Wo das Geld geblieben ist, könnte im Prozess gegen die mutmaßlichen Drahtzieher des Coups aufgeklärt werden. Ihr Prozess soll im August beginnen. (apn)

 
 

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