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Pink – von der Rock-Röhre zur Folk-Sängerin

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"rose ave." (You+Me, 2014) Pressefoto Foto: Sony Music
Pink hat gemeinsam mit ihrem Kollegen Dallas Green ein Folk-Album gemacht. Zwei Stimmen, persönlich gefärbte Songs, kein Schnickschnack. Im Interview erzählt die amerikanische Künstlerin, wie das Album entstand – und was es über sie verrät.

Essen. 

Normalerweise ist sie Pink, aber nach den vergangenen zwei ultra-erfolgreichen Jahren hat der Popsuperstar Pause. Gemeinsam mit Kumpel Dallas Green (34), der unter dem Namen City And Colour erfolgreich Indie-Folk macht, lernen wir Alecia Moore (35) nun von einer ganz anderen Seite kennen. Das Duo nennt sich You + Me und hat mit „Rose Ave.“ ein wirklich unheimliches schönes Folk-Country-Album gemacht.

Alecia, was reizt dich an „You + Me“?

Pink: Dallas hat die engelsgleichste Stimme, die ich je gehört habe. Ich dachte, wenn ich je gut genug singen kann, dann frage ich ihn. Zum Glück hat er zugesagt, und als wir am ersten gemeinsamen Abend im Studio nur unsere Gitarren abstellen und ins Studio gehen wollten, schrieben wir schon die ersten anderthalb Songs. Nach acht Tagen war das komplette Album fertig komponiert.

Kennt ihr beide euch schon länger?

Pink: Ja, und zwar schon seit Jahren. Ein gemeinsamer Freund hat uns seinerzeit bekannt gemacht, Dallas ist auch ganz gut mit Carey befreundet.

Deinem Mann Carey Hart.

Pink: Exakt. Carey hat mir immer gesagt, ich solle mir mal endlich die Musik von Dallas anhören, er hat fast schon genervt. Er meinte auch, das würde super passen mit uns. Die beiden Jungs hingen auf dem Punk-Festival „Warped“ vor Jahren zusammen ab und freundeten sich an. Tja, und wie das dann so läuft – jetzt sind wir alle total dick mitein­ander befreundet, Dallas, seine Frau, Carey und ich.

Wie kam es dann zu der Zusammenarbeit?

Pink: Dallas trat irgendwann hier in Los Angeles auf und schrieb mir eine SMS, ob ich nicht spontan Lust hätte, abends mit ihm zusammen auf der Bühne ein Lied zu singen. Hatte ich. Wir studierten es noch schnell in der Garderobe ein, und dann sangen wir zum ersten Mal gemeinsam. Das lief echt verdammt gut.

Und Carey stört es nicht, dass du mit einem anderen Mann so innig zusammen harmonierst?

Pink: Ach Quatsch. Wir hängen ja fast immer zu viert miteinander ab. Wir sind eine große, glückliche Familie.

„Rose Ave.“ hört sich ganz anders an als die Lieder, die man von Dir als Pink so kennt. Wolltest Du Deine Stimme in einem ungewohnten Zusammenhang präsentieren?

Pink: So ungewohnt finde ich den Zusammenhang gar nicht. Wer von mir nur die Singles kennt, der mag von dem Ton dieses Album überrascht sein, das gebe ich zu. Aber auf meinen Alben habe ich ja immer schon auch akustische Songs drauf, weil die Teil meiner Seele sind. Ich denke, das Ziel von Dallas und mir war: Wir wollten zeigen, was wir zusammen mit unseren Stimmen machen können. Wie wir harmonieren und wie schön beseelt wir miteinander singen.

Du sagst, Du bist als Folksängerin angefangen? Ich dachte, Du hast ganz früher R&B gemacht.

Pink: Als Kind habe ich diese Art von Musik mit meinem Vater gemacht: Harmoniegesang, Gitarre, sich Geschichten ausdenken. Dad ist ein Supertyp, er liebt diese gute alte Art der Musik. Für mich ging es auf diesem Album darum, etwas Einfaches, Schlichtes, Schönes zu machen.

Wie viel Hippie steckt denn in Dir?

Pink: Na ja, eine ordentliche Portion, würde ich sagen. Wir haben das alles nicht so vollkommen durchgeplant. Das hat sich einfach so ergeben mit dem Frieden und der Liebe. Und dem Verständnis.

„Open Door“ ist ein Lied über die Eltern von Dallas, und „Break the Cycle“ ist eine Liebeserklärung an Deine Mutter. Was hat Dich zum Schreiben dieses Songs inspiriert?

Pink: Ich wollte schon lange ein Liebeslied für meine Mutter schreiben. Ganz besonders, seitdem ich selbst eine Tochter habe. Ich habe immer wieder über die Kämpfe, Auseinandersetzungen und Probleme geschrieben, die ich mit meiner Familie hatte. Aber ich habe nie in ei­nem Song einen Weg gefunden, meiner Mutter zu sagen, dass es okay ist. Dass sie ihr Bestes versucht hat. Dass sie es gut gemeint hat. Und dass ich ihr dankbar bin.