Peter Fonda wird 75 – und bleibt für immer "Easy Rider"

Diese Harley machte ihn berühmt: Peter Fonda (Mitte) mit Dennis Hopper (li.) und Jack Nicholson in „Easy Rider“.
Diese Harley machte ihn berühmt: Peter Fonda (Mitte) mit Dennis Hopper (li.) und Jack Nicholson in „Easy Rider“.
Foto: getty
Ihn bringt man immer nur mit einem einzigen Film in Verbindung. Aber das stört „Easy Rider“ Peter Fonda nur wenig. 75 Jahre alt ist er jetzt.

Essen.. Neulich haben sie seinen Chopper verkauft. Versteigert für eine Million Dollar. Motorrad fährt Peter Fonda immer noch. Aber die Harley, auf deren Tank die US-Fahne lackiert war und die ihn vor 46 Jahren zum Weltstar machte, zur Ikone der 68er, auf der wird er nie wieder sitzen. „Easy Rider“ hieß der Film, in dem er mit Dennis Hopper durch die Staaten brauste, ein rauschhafter Psychotrip ins Herz der amerikanischen Finsternis, einer Spießerwelt, die auf unbändigen Freiheitsdrang und den Ausbruch aus allen Konventionen mit Feindschaft reagiert. Ein Hippie-Klassiker, der damals den Zeitgeist mit einer Wucht traf, die ihresgleichen sucht. „Born to be Wild“, drohten Steppenwolf in ihrer unvergessenen Rockerhymne.

Fonda, der an diesem Montag 75 wird, hat manches danach versucht, 50 Filme gedreht, Regie geführt, produziert - aber im kollektiven Filmgedächtnis hat er sich als Captain America eingebrannt. Der mittlerweile längst verbrannte Begriff von der Kultfigur, er muss für diese Rolle erfunden worden sein. „Jeder hat seinen Moment, und den muss man nutzen“, hat er über „Easy Rider“ gesagt. Er hat ihn genutzt, er lebt noch heute davon.

Als Captain America im kollektiven Filmgedächtnis

Ambitionierte Schauspieler haben nichts dagegen, wenn sie in einem Film die Hauptrolle spielen, der eine ganze Generation elektrisiert. Aber sie hassen es, wenn sie auf eine Rolle, einen Typ reduziert werden. Peter Fonda hat sich damit arrangiert. Arrangieren müssen. Denn obwohl beileibe nicht alles schlecht war, was er danach anfasste: Wer kein Cineast ist, muss schon tief Luft holen, um einen zweiten bekannten Film mit Peter Fonda zu nennen. Das ist zweifellos ungerecht, als schrulliger Imker in dem schönen Außenseiterdrama „Ulee’s Gold“ wurde er 1998 für den Oscar nominiert (den dann sein Freund Jack Nicholson einsackte), als Menschenjäger hinterließ er auch in dem brutalen Thriller „Jagdzeit“ 1974 Spuren. Alles indes ohne den gewaltigen Nachhall von „Easy Rider“.

Vielleicht liegt es auch daran, dass Peter Fonda seine rebellische Attitüde stets so sehr gepflegt hat, dass man ihn problemlos mit der Rolle identifizieren konnte. Er habe gegen die Mauer in Berlin gepinkelt, weil er staatliche Bevormundung immer gehasst habe, prahlte er einst. Er habe gern die Autorität herausgefordert, Polizei, FBI, Grenzschutz. Das Aufbegehren sieht er in seiner Jugend verankert. Fonda, in New York geboren, Sohn der Schauspiellegende Henry Fonda († 1982) und Bruder der ebenfalls wesentlich berühmteren Jane (77), war zehn, als die Mutter starb.

Das Image des ewigen Rebells wurde Fonda nicht mehr los

Ein spindeldürrer Junge, oft auf sich gestellt, weil der Vater einen Film nach dem anderen spielte und wenn er da war, den Kindern als streng und unnahbar galt. In seinem Buch „Don’t Tell Dad“ („Sag’s nicht Papa“) beschreibt Peter, dass dies die Zeit gewesen sei, in der er und Jane lernten, Verantwortung zu übernehmen und sich keinen willkürlichen Regeln zu beugen.

Ewiger Rebell – von diesem Image kommt er auch als Vater von zwei erwachsenen Kindern nicht mehr los. „Selbst in Deutschland rufen die Leute noch ,Hey Easy Rider’, wenn sie mich sehen“, hat Fonda dem „Spiegel“ erzählt. „Es macht mir überhaupt nichts aus, wenn mich die Leute als Klischee betrachten“, hat er hinzugefügt. Das war nicht immer so. Aber egal mit welchem Projekt er es versuchte: „Man wollte es nicht sehen, die Menschen wollten, dass ich weiter gegen das Establishment kämpfe, Marihuana rauche und mein Motorrad über den Highway jage“, bekannte er einmal und hat kapituliert. Eine Niederlage, mit der man leben kann. Also: Happy Birthday, Easy Rider.

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