Penny räumt wegen Bienensterben die Regale – Insektenforscher widerspricht der Theorie

Leere Regale – ganz ähnlich dürfte es in der Penny-Filiale in Hannover ausgesehen haben. (Symbolbild)
Leere Regale – ganz ähnlich dürfte es in der Penny-Filiale in Hannover ausgesehen haben. (Symbolbild)
Foto: imago stock&people / imago/Xinhua
  • Eine Pennyfiliale aus Hannover will auf das Bienensterben aufmerksam machen
  • Dazu entfernte sie am Montagmorgen für einige Stunden 60 Prozent ihrer Produkte
  • Nicht nur Obst und Gemüse sind von Bienenbestäubung abhängig

Hannover.  Wenn wir in den Supermarkt gehen, ist es ganz normal, dass wir in der Regel alle Produkte unserer Einkaufsliste vorfinden – egal, ob es sich dabei um Obst, Shampoo oder Tiefkühlpizza handelt. Dass dieses große Privileg längst nicht selbstverständlich ist, verdeutlicht eine Filiale von Penny aus Hannover mit einer radikalen Aktion.

Die Kunden, die in dem Discounter am Montagmorgen Lebensmittel erwerben wollten, standen vor leeren Regalen – und Postern mit der Aufschrift „Biene weg. Regal leer. Wie Spiegel.de berichtet, sind etwa 60 Prozent der Produkte des Discounters von Bienen abhängig.

Um klarzumachen, was eine Welt ohne Bienen bedeuten würde, hat Penny 1600 seiner 2500 Produkte für einige Stunden aus den Regalen genommen.

Auch Schokolade, mariniertes Fleisch und Klopapier brauchen Bienen

Das Insektensterben ist ein weltweites Problem. Eine groß angelegte wissenschaftliche Studie ergab 2017, dass sich die Biomasse der Fluginsekten in den vergangenen 30 Jahren um 75 Prozent verringert hat. Um insbesondere den Rückgang der Bienenvölker einzudämmen, hat die EU kürzlich die als besonders schädlich geltenden Neonikotinoide auf Äckern verboten.

Doch im „Zeitmagazin“ widersprechen führende Bienenforscher der Behauptung, dass es in Deutschland ein Bienensterben gebe. Die Honigbiene wird das letzte Insekt sein, das ausstirbt“, sagt Peter Rosenkranz, Leiter der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim. „Sie ist nicht bedroht, solange es Imker gibt.“

Zwar seien viele Völker mit der Varroamilbe infiziert, wodurch sie immer wieder verenden. Dass diese Verluste in den letzten Jahren zugenommen hätten, ist nach Daten des Fachzentrums Bienen und Imkerei in Mayen jedoch „statistisch nicht gesichert“.

Sterben Bienen doch nicht aus?

Auch bei den Wildbienen, von denen viele vom Aussterben bedroht sind, sei die Situation nicht so dramatisch, dass der Begriff „Bienensterben“ gerechtfertigt wäre, sagt der Wildbienenforscher Robert Paxton von der Universität Halle zum Magazin.

Trotzdem rechne er, „wenn wir die ständige Intensivierung der Landnutzung nicht ändern“, dass in den nächsten 25 Jahren ein Drittel der 600 Wildbienenarten aussterben könnte. Auch bei der Generaldebatte im Bundestag spielte das Thema eine Rolle. Angela Merkel selbst macht sich für die Bienen stark .

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Die Aktion von Penny ergibt also doch einen Sinn. Vorab wurde niemand über die Aktion im Supermarkt informiert. „Eine Welt ohne Bienen wäre fundamental anders – damit wollten wir [die Kunden] hier konfrontieren“, zitiert Spiegel.de Andreas Krämer, Sprecher der Rewe-Gruppe, der Penny angehört. Was viele nicht wissen: Die Bestäubung durch Bienen und Insekten ist nicht nur für viele Obst- und Gemüsesorten notwendig.

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Selbst Kakao, Kaffee, Fertiggerichte, Kosmetikartikel, Baumwollkleidung und Süßigkeiten würde es ohne die fliegenden Helfer kaum oder gar nicht mehr geben. Auch mariniertes Fleisch, Gewürze und Toilettenpapier mit Kamillenblütenduft wurden in der Pennyfiliale aus den Regalen entfernt, wie Express.de schreibt.

Die Biene ist das drittwichtigste Nutztier

Noch zu haben waren im Penny hingegen alkoholische Getränke, weil sich Hopfen und Wein selbst bestäuben. Außerdem fanden die Kunden Milchprodukte, Fleisch und von Bienen unabhängige Gemüsesorten wie Brokkoli, Blumenkohl oder Tomaten vor.

Bei den Kunden kommt die Aktion gut an. „Das ist die einzige Sprache, die die Menschen verstehen. Und es geht auch nur ohne Vorwarnung. Sehr gute Aktion“, schreibt ein Nutzer. Ein anderer findet: „Eine sehr gute Aktion, die mal konkret erfahrbar macht, welche Auswirkungen die intensive Landwirtschaft auf unsere Lebensmittelversorgung hat.“.

Und weiter: „Dass die Insekten fast weg sind, merkt übrigens jeder Autofahrer: Das ganze Jahr über keine zerschellten Insekten an der Windschutzscheibe.“

Nach Rind und Schwein ist die Biene das drittwichtigste Nutztier der Menschen, so Spiegel.de. Über 75 Prozent der Kulturpflanzen benötigen Bienenbestäubung, bei den Wildpflanzen sind es sogar über 90 Prozent. (raer)

 

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