Patrick Richardt aus Krefeld hofft auf eine Musikerkarriere

Patrick Richardt brachte gerade sein Debüt-Album heraus: „So, wie nach Kriegen“.
Patrick Richardt brachte gerade sein Debüt-Album heraus: „So, wie nach Kriegen“.
Foto: Dirk Bauer, WAZ FotoPool
Er ist 23 Jahre, hat gerade seine erste Pop-CD herausgebracht – jetzt hofft Patrick Richardt auf eine Karriere als Musiker. Der Mann lebt in keiner Metropole, sondern in Krefeld. Was er für keinen Nachteil hält: „Ich bin hier am falschen Ort und das bringt mich weiter.“

Krefeld. Erst mal Kaffee. „Hab’ ja noch Zeit“, sagt Patrick Richardt und kommt mit zwei Tassen aus der WG-Küche zurück ins Wohnzimmer. Ein bisschen chaotisch ist es hier in der Altbauwohnung in der Krefelder Innenstadt. Auf dem Sofa liegt ein Mischpult, daneben steht ein halbvoller Bierkasten, und über dem Holztisch hängt ein Ast mit verwelkten Blättern von der Decke. „Als der noch grün war, sah das ziemlich cool aus“, erklärt Patrick, mit dem man sofort per Du ist. Hier also wohnt er, der „Randy Newman der Ruhr, der Kris Kristofferson von Krefeld“, wie sie beim Hamburger Plattenlabel „Grand Hotel van Cleef“ schwärmen. Dort ist der 23-jährige Sänger seit drei Monaten unter Vertrag.

Vergleiche, die, gelinde ausgedrückt, hinken. Wer den gitarrenlastigen Pop des Newcomers bei Gisbert zu Knyphausen oder Clueso verortet, liegt schon eher richtig. Und dann ist da noch eine Rauheit in der Stimme und ein Ausdruck von Weltschmerz in den deutschen Texten, die an Rio Reiser denken lassen.

„Das Gute an solchen Vergleichen ist ja, dass man so auch die Unterschiede entdeckt“, sagt Richardt und fläzt sich auf die mit Noten bemalte Holzbank neben dem Pelletofen, in dem ein Feuer knistert. „Die Bank haben mir die Kiddies vom Kindergarten geschenkt“, erzählt er. Zivi war er dort, nach dem Abi 2008. „Echt total nett“, findet er das. Es sei ihm bewusst, dass er ein Klischee bediene, mit umgehängter Akustikgitarre und Deutsch-Pop. „Diese Junge-mit-der-Gitarre-Nummer, die gibt’s ja“. Aber das sei dann eben so, „mir egal, ich mach mein Ding“, verkündet er, wischt sich die Mähne aus der Stirn und zündet sich eine Zigarette an.

Von Nervosität dennoch keine Spur

Larmoyanz und Rebellentum. Einer seiner vier Mitbewohner kommt rein, wünscht „viel Spaß heut’ Abend“. In ein paar Stunden wird Patrick auf der Bühne des Krefelder Clubs „Magnapop“ stehen. Es ist ein wichtiges Konzert: Sein Debüt-Album „So, wie nach Kriegen“ ist frisch veröffentlicht. Der Club wird ausverkauft sein und der Auftritt ein voller Erfolg – aber das weiß Patrick jetzt noch nicht. Von Nervosität dennoch keine Spur bei einem, der vielleicht kurz vor dem Durchbruch steht.

Seinen Ursprung hat die erste CD im ausrangierten E-Piano seiner Tante – das steht jetzt im WG-Wohnzimmer. Als Patrick die ersten eigenen Songs in die weißen und schwarzen Tasten haute, war er noch Schlagzeuger bei „Oh, Napoleon“. Die Band hatte einen Vertrag beim Platten-Riesen Universal und ein Album. Der große Erfolg aber blieb aus. Jetzt liege das Projekt „erst mal auf Eis“, wie Patrick sagt. Diesmal soll alles anders werden. Nicht mehr so auf Perfektion fixiert sei er jetzt, mehr Freiheit gebe ihm das neue Label. „Machen, aufnehmen, rausbringen“, beschreibt er, wie sein Solo-Werk entstanden ist.

„Ich bin hier auch am falschen Ort und das bringt mich weiter“

Aufgenommen hat er es mit einer zusammengewürfelten Band – „alles Freunde von mir“ – in einem Krefelder Bunker. Krefeld, das ist nicht Hamburg, und schon gar nicht Berlin, wo schon lange die Musik spielt. Kann man eine Musikerkarriere starten in einer Stadt, die einen schönen Bahnhof hat, aber sonst nicht viel? „Vielleicht gerade hier“, kontert Patrick. Es gebe zum einen Plätze, die wunderschön seien. Und dann habe dieser „graue Charakter“ auch viel Ästhetik. In einem der 13 Stücke seines Albums heißt es: „Ich steh’ inmitten einer Stadt, die sich aufgegeben hat. Doch gerade deswegen bleibt sie am Leben“.

Patrick philosophiert: „Ich bin hier auch am falschen Ort und das bringt mich weiter.“ Weiter bringen ihn auch und vor allem die Kontakte aus der Napoleon-Zeit: „Kettcar“-Frontmann Marcus Wiebusch und „Tomte“-Sänger Thees Uhlmann, denen Grand Hotel van Cleef gehört, bekamen eine Demo-CD in die Hände, ließen den Musiker und seine Band als Vorgruppe mit auf Tour gehen. Noch kann er nicht von der Musik allein leben, geht kellnern. Doch die Weichen sind gestellt. Die Kaffeetassen sind leer, und der Sänger sagt: „So, ich sollte mal langsam zum Soundcheck gehen.“ Es ist Zeit für Patrick Richardt.

 
 

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