Pastewka und Engelke feiern mit Wolfgang und Anneliese

Comedy in Bestform: Bastian Pastewka als Wolfgang Funzfichler.  Foto: Jörg Koch/ddp
Comedy in Bestform: Bastian Pastewka als Wolfgang Funzfichler. Foto: Jörg Koch/ddp
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Mei, is dös a Gaudi. Wolfgang und Anneliese, Pardon: Pastewka und Engelke lassen wieder einen Blick in die Abgründe volksdümmlicher Musik zu – Sat.1 sei Dank.

München.. Seit vier Jahren arbeiten sich Bastian Pastewka und Anke Engelke lustvoll an einem sterbenden Genre ab: der Volksmusik. Dem wohl besten Komik-Duo der Republik gehen keineswegs die Ideen aus. „Fröhlicher Frühling“ (Sat.1, Freitag, 20.15 Uhr) mit dem lebensechten Kunstfiguren Wolfgang und Anneliese Funzfichler macht aus Freitag, dem Dreizehnten, einen Glückstag.

Die zwischenzeitlich Grimme-dekorierte Comedy-Show, die 2007 mit „Fröhliche Weihnachten“ startete, hat sich bisher stets zweijährige Pausen gegönnt. Das nahm den beiden Gastgebern den Druck und bewahrte sie vor dem GAU der Spaß-Branche: unlustig zu werden. Jetzt, in der vierten Ausgabe, erlebt das Publikum Pastewka und Engelke als bestens harmonierendes Team, das auf offener Bühne Szenen einer unharmonischen Ehe perfekt zelebriert, so schräg wie das Leben selbst.

Szenen einer Ehe

Je länger Wolfgang und Anneliese ihre Heile-Welt-Show abziehen, desto mehr watschen sie sich ab. Beide garnieren ihre Bosheiten mit einem strahlenden Lächeln, als sei der Krieg der Geschlechter auch bei den krachledernen Künsten ein unverzichtbarer Bestandteil des Feierabend-Amüsements.

Das Konzept einer Musikshow erlaubt Pastewka und Engelke eine in sich stimmige Nummern-Revue, mit Musikparodien einerseits und szenischen Sketchen andererseits. Dabei verfolgen die beiden ein Ziel: Sie enttarnen im Studio wie in den Einspielern die märchenhafte Künstlichkeit des alpinen Musik-Paradieses. Wolfgang und Anneliese im Wunder-Land. Schon eine geringfügige Überzeichnung wie die knallbunte Plastikblumen-Deko im Studio reicht.

In den Einspielern jedoch setzen Pastewka und Engelke auf schreiende Kontraste zwischen kitschiger Postkarten-Idylle und menschlichen Abgründen – etwa wenn Engelke ein qualliges Lust-Monster gibt, das über Pastewka herfällt, der vom echten Schützenfest-Caruso Semino Rossi kaum zu unterscheiden ist. Überhaupt scheint es ein Herzensanliegen der Komik-Anarchos zu sein, ein Genre, das sich demonstrativ lustlos gibt, als Irrgarten finsterer Triebe zu enttarnen. Dabei gelingt beiden eine brüllkomische Nummer als Klöthentaler Bimmelbuam, in dem sie dem Begriff Musikknochen eine neue Bedeutung abringen.

Apropos neu. Pastewka und Engelke ist natürlich nicht entgangen, dass sich auch die Diplom-Szene dem Modernisierungsschub der globalisierten Welt nicht entziehen kann: David Hasselhoff beweist mit einem Gastauftritt Mut zur Selbstironie. Er lässt sich in Schunkel-Haft nehmen. Yes, we can Volksmusik!

Der Überdreh freilich ist der Einzug der Sozialdemokratie in die Welt der Gestrigen. Engelke und Pastewka präsentieren Soul-Königin Tina Turner und Ober-Sozi Sigmar Gabriel als neues Traum-Duo mit den Hits von früher. Das ist eine Ohrfeige, die sitzt.

 
 

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