Paar hält Flüchtlingsheim für Gasthof – und wird bewirtet

Der aus Syrien stammende Kawa Suliman bereitet syrisches Brot zu. In seiner Heimat arbeitete der 30-Jährige als Anwalt.
Der aus Syrien stammende Kawa Suliman bereitet syrisches Brot zu. In seiner Heimat arbeitete der 30-Jährige als Anwalt.
Foto: dpa
Ein Paar freut sich über die nette Bewirtung in einem Gasthof. Erst als es bezahlen will wird klar: Es speist in einem Flüchtlingsheim.

Zapfendorf. Der Flüchtling Kawa Suliman, ein 30-jähriger Anwalt aus Syrien, hat in Bayern spontan zwei Ausflügler bewirtet – weil diese ein Heim für Asylbewerber für ein Gasthaus gehalten hatten. Vor einigen Monaten war das Paar in die Unterkunft gekommen. Sie waren der Meinung, der ehemalige Gasthof im oberfränkischen Zapfendorf sei noch in Betrieb. Tatsächlich leben hier längst Asylbewerber. „Ich sagte: Kommen Sie herein, machen Sie es sich bequem, fühlen Sie sich wie zu Hause“, schilderte Suliman die Szene, über die zuerst die Zeitung „Fränkischer Tag“ berichtet hatte.

Das Paar aus Karlsruhe war demnach zum Kanufahren in die Region gekommen und hatte nach einem Ausflug am Nachmittag ein Lokal gesucht. Sie hielten die Flüchtlingsunterkunft für eine Wirtschaft, wie die 68 Jahre alte Frau der Zeitung sagte. „Der junge Mann, der nach unseren Wünschen fragte, war so nett – so nette junge Gastronomen muss man doch unterstützen.“

Frau war zu Tränen gerührt

Die Asylbewerber um Kawa Suliman tischten den Gästen spontan Brot, Marmelade, Eier, Käse und Tee auf: „Wir stellten den Tisch voller Essen.“ Erst als der Mann nach der Rechnung fragte, stellte sich heraus, dass das hungrige Paar in einer Flüchtlingsunterkunft gelandet war. Sie sei zu Tränen gerührt gewesen angesichts der Gastfreundschaft der Migranten, erzählte die Frau der Zeitung.

Auch Kawa Suliman erinnerte sich daran: „Die Frau hat geweint.“ Dabei sei es für ihn und seine Mitbewohner selbstverständlich gewesen, den beiden hungrigen Menschen zu helfen. Einige Tage später kam eine Postkarte mit Dankesworten im Asylbewerberheim an. Die Flüchtlinge wollen sich jetzt revanchieren – und zu Weihnachten eine Karte nach Karlsruhe schicken. (dpa)

 
 

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