Opferverband hält Entschuldigung von Contergan-Firma für unzureichend

"PR-Gag", "leere Hülse": Der Verband der Contgangeschädigten in Deutschland hat die Entschuldigung der Herstellerfirma Grünenthal als unzureichend zurückgewiesen. Die Sprecherin des Bundesverbandes sagte am Samstag: "Wir erwarten Taten".

Berlin. Der Verband der Contergangeschädigten in Deutschland hält die Entschuldigung der Herstellerfirma Grünenthal für unzureichend. "Wir erwarten Taten, und wenn diese Taten nicht folgen, dann bleibt dies nur eine leere Hülse und ein PR-Gag", sagte die Sprecherin des Bundesverbands Contergangeschädigter am Samstag.

Die Sprecherin betonte, der Opferverband nehme "diese menschliche Rede zur Kenntnis". Zugleich wies sie darauf hin, dass sich das Pharmaunternehmen Grünenthal nicht für die Einführung des Medikaments Contergan vor rund 50 Jahren entschuldigt habe.

Grünenthal-Chef Harald Stock hatte am Freitag bei der Einweihung eines Contergan-Denkmals in Stolberg erstmals bei den Betroffenen um Entschuldigung gebeten. "Wir bitten um Entschuldigung, dass wir fast 50 Jahre lang nicht den Weg zu Ihnen von Mensch zu Mensch gefunden haben", sagte er. Er drückte zudem sein "Bedauern über die Folgen von Contergan und unser tiefes Mitgefühl für die Betroffenen, ihren Müttern und ihren Familien" aus.

Größter Arzneimittelskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte

In Deutschland war das Schlaf- und Beruhigungsmittel Contergan von 1957 bis 1961 rezeptfrei vertrieben worden. Es wurde auch von Schwangeren genommen, der Wirkstoff Thalidomid führte dadurch weltweit bei schätzungsweise 10.000 Kindern zu dauerhaften Schäden, darunter schwerwiegende Fehlbildungen.

Die Contergan-Tragödie ist der größte Arzneimittelskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte. Tausende schwangere Frauen hatten vor mehr als 50 Jahren nach der Einnahme des als ungefährlich angepriesenen Schlafmittels Contergan Kinder mit Fehlbildungen geboren. Allein in Deutschland waren 5.000 Menschen betroffen. 1961 zog der Stolberger Pharmakonzern Grünenthal das Medikament zurück. Als Folge des Skandals hat die Bundesrepublik Deutschland eines der strengsten Arzneimittelgesetze der Welt. Die rund 2.400 noch in Deutschland lebenden Opfer sind inzwischen 50 Jahre und älter.(afp)