Olympiakritiker: Spiele stoppen, hier und überall

Hamburg.  Als entschiedener Gegner sportlicher Megaevents stellt der US-Amerikaner Prof. Christopher Gaffney jeglichen Nutzen infrage. Seine Thesen wiederholte er jetzt bei seinem Vortrag an der Universität Hamburg. „Von Rio nach Hamburg. Neue Olympische Spiele oder leere Versprechungen?“ Gaffneys Antwort: Außer ein bisschen Kosmetik habe sich nichts verändert. Die Reformagenda 2020 des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) sei eine Marketingmaßnahme als Reaktion darauf, dass sich mit Peking und Almaty (Kasachstan) nur zwei Orte um die Winterspiele 2022 beworben hatten. Gaffney hatte vier Jahre lang in Brasilien die schwierigen Vorbereitungen des Schwellenlandes auf die Fußball-WM 2014 und die Sommerspiele 2016 in Rio verfolgt. Seit diesem Jahr lehrt er in Zürich.

Die zu kurze Zeitspanne von sieben Jahren vom Zuschlag des IOC bis zur Ausrichtung der Spiele habe in der Vergangenheit stets zu unverhältnismäßigen Kostensteigerungen geführt, weil der Termindruck und Ressourcenknappheit den (Bau-)Firmen diene, um am Ende die Preise in die Höhe zu treiben, sagte Gaffney. Vor allem die Eliten und Immobilien-Unternehmen hätten in Brasilien von der Fußball-WM profitiert, weil öffentliche Gelder in private Hände flossen. Investitionen in ähnlichen Milliardenhöhen in Schulen und Bildung hätten dem Land eher geholfen. So seien zum Beispiel die Mieten in Rio in den acht Jahren bis zur WM um bis 250 Prozent gestiegen.

Olympia hinterließe Denkmäler der Verschwendung, sie seien nicht nachhaltig, das wären sie selbst in Hamburg nicht, glaubt Gaffney – ohne sich allerdings detailliert mit dem Konzept auseinanderzusetzen. Seine These: Auch in Hamburg würde die Olympiakampagne von denen betrieben, die sich am Ende Profit von den Spielen erhoffen, und das seien dieselben Leute, die Millionen für die Werbe-Initiative „Feuer und Flamme für Hamburg 2024“ spendierten. „Der Rest der Stadt werde weiter abgehängt. 15 Milliarden Euro Ausgaben für sechs Wochen Spaß, das steht in Zeiten der größten Flüchtlingskrise des Kontinents in keinem Verhältnis“, sagte Gaffney. Wenn das IOC Olympia wolle, „soll es doch die gesamte Show bezahlen und nicht die Ausrichter in den Ruin treiben“. Seine Forderung: „Olympische Spiele müssen gestoppt werden, in Hamburg und überall!“ rg

 
 

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