Obamas Schüsse verfehlten ihr Ziel - Foto irritiert die USA

Dieser Schuss ging nach hinten los: Mit diesem Foto wollte US-Präsident Obama Boden gut machen. Das Gegenteil passierte.
Dieser Schuss ging nach hinten los: Mit diesem Foto wollte US-Präsident Obama Boden gut machen. Das Gegenteil passierte.
Foto: Pete Souza
US-Präsident Barack Obama hat Freund wie Feind mit einem Foto irritiert, das ihn beim Tontauben-Schießen zeigt. Für Waffen-Gegner war das Bild ein falsches Signal im Streit um schärfere Gesetze. Doch auch die Waffen-Lobby NRA ist nicht überzeugt: "Obama will uns vorgaukeln, dass er einer von uns ist", heißt es.

Washington.. Freunde wie Feinde gleichermaßen vor den Kopf zu stoßen, das schafft Barack Obama auch nicht alle Tage. Mit einem vom Weißen Haus offiziell veröffentlichten Foto ist es dem US-Präsidenten am Wochenende gelungen, das seit dem Schul-Massaker von Newtown im Dezember erbittert über das Für und Wider schärferer Waffengesetze streitende Land zu irritieren. Die Aufnahme zeigt Obama beim Tontaubenschießen auf dem Ferien-Amtssitz in Camp David.

Chef-Fotograf Pete Souza hat auf den Auslöser gedrückt, als Obama seine Flinte abgefeuert hat. Allein die Botschaft ist unklar. Kommentatoren der großen Blätter verlegten sich gestern auf die Deutung, dass Obama, ein energischer Befürworter von mehr Kontrollen beim Waffenbesitz, mit dem Foto die um ihre Pfründe fürchtende Waffen-Lobby besänftigen will. Dort wird von TV-Sendern wie Fox News täglich fahrlässig der Eindruck erzeugt, der Präsident wolle gewissermaßen das ganze Land entwaffnen. Sich als Sportschütze zu präsentieren, mutmaßt die „Washington Post“, könnte die Bedenken womöglich zerstreuen.

Ein Schuss in die falsche Richtung

Der Schuss ging nach hinten los. Verschwörungstheoretiker halten Obamas Waffenliebe für konstruiert und glauben an Foto-Manipulation. Die „National Rifle Association“ (NRA), Heimstatt von 4,5 Millionen überzeugten Waffenfreunden, beschied den Annäherungsversuch abschlägig. „Obama will uns vorgaukeln, dass er einer von uns ist. Aber auf Tontauben zu schießen, macht ihn nicht zum glaubwürdigen Verteidiger des in der Verfassung verankerten Rechts auf Waffenbesitz“, hieß es aus der Verbandszentrale in Fairfax.

Im Lager der Brady-Kampagne, einflussreichste Stimme im Lager derer, die der Waffengewalt im Land mit strikten Verboten Herr werden wollen, glaubt man, dass Obama mit dem Foto die Aufmerksamkeit auf einen „Nebenkriegsschauplatz“ lenkt. „Es geht nicht um Tontauben, sondern um Menschen“, sagte ein Mitarbeiter.

In der Hauptstadt hatte sich gerade gezeigt, wie verhärtet die Fronten sind. Bei einer spektakulären Anhörung im Senat, wo Obamas Vorschlagsliste gegen Waffenmissbrauch zur Debatte stand, warb die ehemalige Abgeordnete Gabrielle Giffords mit gebrochener Stimme für einen radikalen Schritt. „Zu viele Kinder sterben. Zu viele Kinder. Wir müssen etwas unternehmen. Seid mutig.“ Gifford war vor zwei Jahren in Arizona Opfer eines geistesgestörten Amokläufers geworden und erlitt schwerste Kopfverletzungen. Wo immer sie nach monatelanger Rehabilitation auftritt und etwa für intensivere Zuverlässigkeitschecks bei Waffenkäufern plädiert, sind viele Amerikaner den Tränen nahe.

Menschen töten, nicht Waffen

Nicht so Wayne LaPierre. Die graue Eminenz der National Rifle Association verzog keine Miene, als Giffords sprach, und erklärte, dass seine Organisation jede Verschärfung der Waffengesetze ablehnt. Pauschale Begründung: alles zwecklos. Tenor: Menschen töten, nicht Waffen.

Die auch von Obama vertretene Forderung, halbautomatische Schnellfeuergewehre und Magazine mit mehr als zehn Patronen zu verbieten, konterte die Waffen-Lobby mit einem Beispiel, das den Prozess der Gesetzgebung beeinflussen könnte. Ende 2011 setzte sich Sarah Dawn McKinley, eine junge Mutter, in Oklahoma gegen zwei Einbrecher mit einer konventionellen Flinte zur Wehr. Chuck Grassley, republikanischer Senator Iowa, sagt dazu: „Eine Kugel in der Hand eines Geisteskranken ist zu viel. Sechs Kugeln in der Hand einer Mutter, die ihre Kinder schützen will, sind möglicherweise zu wenig.“

Apropos Kinder. Bei Obamas Amtseinführung vor zwei Wochen waren viele Musik-Kapellen mit jungen Menschen aus dem ganzen Land nach Washington gekommen. Darunter auch Hadiya Pendleton. Die 15-Jährige ging nur wenige Kilometer von Obamas Chicagoer Wohnung zur Schule. Vor wenigen Tagen wurde sie beim Streit zwischen verfeindeten Gangs verwechselt und erschossen. Ihr Foto war nur kurz in den Zeitungen. Es wich Obamas Tontauben-Schuss.

 
 

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