Notre-Dame: Millionen-Spenden sorgen für Wut – das ist Quatsch

Die Feuerwehr versuchte in der Kirche Notre-Dame zu retten, was zu retten ist.
Die Feuerwehr versuchte in der Kirche Notre-Dame zu retten, was zu retten ist.
Foto: picture alliance/Benoit Moser/Paris Fire Brigade/AP/dpa
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Plötzlich kippt die Stimmung. Plötzlich finden Leute das schlecht, dass so viele Menschen für den Wiederaufbau von Notre-Dame in Paris spenden. Das ist absurd.

In Deutschland ist Natascha Ochsenknecht bei weitem nicht die einzige, aber eine der prominenteren Vertreterinnen, die diese Meinung vertritt.

Via Instagram schreibt sie unter ein Bild, das Notre-Dame in Flammen zeigt: „Schon traurig dieses Bild ..... noch trauriger finde ich das innerhalb kürzester Zeit über 700 Millionen Euro an Spenden für den Wiederaufbau gesammelt wurden. Auf der Welt verhungern Menschen weil kein Geld da ist. Kulturgut muss (...) unterstützt werden, aber Menschen sollten an erster Stelle stehen:"

Notre-Dame: Mensch steht an erster Stelle

Von der Argumentation her ist das ein bisschen vergleichbar mit dem Satz, den mancher von uns in seiner Kindheit gehört haben mag: „Iss deinen Teller leer, in Afrika verhungern Kinder.“

Selbstredend steht der Mensch an erster Stelle. Pervers wäre es zum Beispiel, wenn Spender explizit für den Wiederaufbau des Gebäudes spenden würden, aber nicht für verletzte Menschen. Aber das ist ja nicht passiert. Und - Gott sei Dank - gab es kaum Verletzte und keine Todesopfer bei dem Brand von Notre-Dame: Ein Feuerwehrmann und zwei Polizisten zogen sich leichte Verletzungen zu.

Und es ist auch nicht so, dass es nun keine Spendenprogramme für notleidende Menschen gibt: Diese überaus wichtigen Programme werden jetzt nicht plötzlich eingestellt, weil manche Spender sich entschieden haben, ihr Geld für den Wiederaufbau von Notre-Dame herzugeben.

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Spendensumme für Notre-Dame ist erstaunlich hoch

Ja, die Spendensumme ist erstaunlich hoch: Das liegt auch daran, dass die Bilder der brennenden Notre-Dame-Kirche spektakulär und erschütternd waren und nicht nur über die Medien, sondern millionenfach auch über Soziale Medien verbreitet wurden.

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Notre-Dame ist aber eben auch ein Symbol, ein europäischer Kulturschatz. Für sehr viele Franzosen und sehr viele Europäer ist dieses Gebäude wichtig. Dass die Spendenbereitschaft so groß ist, kann man auch als Zeichen dafür sehen, dass die Solidarität innerhalb Europas groß ist: In Zeiten des Brexits, in denen fatalerweise immer mehr Menschen an der guten Idee einer Europäischen Union zweifeln, ist das ein wirklich gutes Zeichen.

Notre-Dame: Kirche spendet nichts

Und die Spendenbereitschaft von Menschen gegeneinander auszuspielen, ist nicht gut. Ist jemand, der zum Beispiel für Tiere spendet, ein schlechterer Spender, als jemand, der für Menschen spendet? Muss man sich schlecht fühlen, weil man beim WWF Mitglied ist, aber nicht bei Amnesty International? Nein, muss man nicht. Dass diese Diskussion Spendern ein schlechtes Gefühl gibt, ist unnötig.

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Merkwürdig kann man allenfalls die Tatsache finden, dass ausgerechnet die katholische Kirche nicht zu den Geldspendern gehört: Zwar ist Notre-Dame in Staatsbesitz, doch wenigstens eine symbolische Spende hätte der Kirche ganz gut zu Gesicht gestanden.

 
 

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