Norman Langen - ein Schlageronkel mit Bodenhaftung

Andreas Böhme
Bei DSDS ist Norman Langen früh ausgeschieden - seitdem läuft die Karriere gut . Er ist mittlerweile eine feste Größe der Schlagerszene. An diesem Samstag unter anderem nach Essen, wo die WDR 4-Sendung „Rhythmus der Nacht“ mit einem großen Schlagerfest Jubiläum feiert.

Köln. Ein siebter Platz in einem Wettbewerb ist ja normalerweise nicht unbedingt der Beginn einer großen Karriere. Nicht beim Schwimmen, nicht beim Laufen und erst recht nicht in einem Casting-Wettbewerb, wo der letzte Schritt von der Bühne meist schon der erste ins Vergessen ist. Bei Norman Langen ist das anders. Vor zwei Jahren in den Finalshows der RTL Show „Deutschland sucht den Superstar“ schon früh herausgewählt, ist er mittlerweile eine feste Größe der Schlagerszene. Und das eigentlich nur, weil Papa Kalle ihm eines Tages riet: „Junge, mach doch mal was auf Deutsch.“

Das Glück des frühen DSDS-Ausscheidens

Letzte Nacht hat er noch auf Mallorca gesungen. Nicht am Ballermann, auf der anderen Seite der Insel. „Ist trotzdem spät geworden“, sagt Langen. Gerade ist er wieder zu Hause eingetroffen. „Kurz durchatmen.“ Dann geht es weiter. An diesem Samstag unter anderem nach Essen, wo die WDR 4-Sendung „Rhythmus der Nacht“ mit einem großen Schlagerfest Jubiläum feiert. Anschließend geht es noch zu zwei weiteren Auftritten. Ein normaler Tag. „Zur Zeit, sagt der 27-Jährige, „ist eigentlich immer etwas los.“

Manchmal überrascht ihn das selber noch. „Normalerweise ist die Halbwertzeit eines DSDS-Teilnehmers ja nicht so lang.“ Erst recht nicht, wenn man schon nach vier Runden rausfliegt. „Im Nachhinein war das aber wahrscheinlich das Beste, was mit passieren konnte“, glaubt Norman heute. Denn während die anderen noch auf der Bühne im Colosseum um den Sieg trällerten, konnte er sich bereits in einen seiner Glitzeranzüge werfen, sich die Haare hochgelen, seine Popularität nutzen und die Großraumdisco auf Mallorca mit seinen Coverversionen aktueller Schlager unsicher machen. So erfolgreich, dass ihn eine große deutsche Plattenfirma unter Vertrag nahm.

Erster Hit war „Pures Gold“

„Ballermannsänger“ wird er trotzdem nicht gerne genannt. Zumal er ja in dieser Saison kaum noch auf den Balearen auftritt. „Zu viele Termine in Deutschland.“ „Schlageronkel“, wie Dieter Bohlen ihn einst taufte, damit kann er leben. Auch wenn er die Vorurteile kennt. Viele hören die Musik, wenige geben es zu. „Aber zu später Stunde auf der Party, da können alle mitsingen.“ Seit einiger Zeit auch gerne mal „Pures Gold“, Normans ersten Hit, der ihm jede Menge Euro auf sein Konto gespült hat.

Für ihn kein Grund abzuheben. „Ich wohne immer noch in meiner 48-Quadratmeter-Wohnung schräg über meinen Eltern.“ Und statt einen Sportwagen zu bestellen, hat er seiner Mutter ihr altes Auto abgekauft. „Wie würde das denn auch aussehen, wenn ich zu meinen Konzerten im Porsche vorfahre?“ Wo sich doch viele Fans die Eintrittskarte oder seine CD vom Munde absparen müssen.

Man muss Langen das nicht sagen, er weiß so etwas. Er weiß auch, wie das Leben neben dem Showgeschäft aussieht. Denn vor seiner Showkarriere war er Betreuer für Demenzkranke, später auch Sterbehelfer. „Das erdet.“

Zweites Album im Herbst

Im Herbst kommt „100 Prozent Norman“, das zweite Album heraus. Schon das ist ungewöhnlich für einen, der durch eine Casting-Show bekannt geworden ist. Ein zweites Album. Und die Chancen stehen nicht schlecht, dass es sich gut verkauft. Schlager-Fans sind treu. Laden nichts illegal herunter, brennen keine Kopie vom Original.

Vielleicht stören ihn deshalb bisher auch die wenigen Nachteile seines plötzlichen Ruhms nicht. Die Leute, die ihn um ein Foto bitten, wenn er gerade im Supermarkt einkaufen geht. Oder die ein Autogramm haben wollen, wenn er in der Pizzeria sitzt. „Die Straße ist die Bühne“, hat er festgestellt. „Ich habe es mir ja so ausgesucht.“

So wie Jürgen Drews, sein Vorbild, mit dem Norman bereits ein Duett aufgenommen hat. „Unfassbar, wie lange der Mann schon dabei ist.“ Das möchte er auch. „Auf der Bühne stehen, bis es nicht mehr geht. Das wäre mein Traum.“