ZDF-Journalistin erhält Morddrohungen nach Anti-Nazi-Aussage – dann passiert ein erstaunliches Internetphänomen

ZDF-Korrespondentin Nicole Diekmann musste einen üblen rechten Shitstorm ertragen.
ZDF-Korrespondentin Nicole Diekmann musste einen üblen rechten Shitstorm ertragen.
Foto: ZDF/Screenshot

Die Forderung so alt wie berechtigt: Nazis raus.

Der Wunsch ist alles andere als neu oder originell. Und doch muss sich die ZDF-Journalistin Nicole Diekmann jetzt von rechten Spinnern übelst beschimpfen lassen. Sogar Morddrohungen und Vergewaltigungsfantasien hat man ihr geschickt.

Alles fing mit diesen beiden Wörtern an: Nazis raus. Anfang Januar schrieb Diekmann sie bei Twitter. Tausende Male wurde der Post kommentiert, immer wieder geteilt, auch von rechtsextremen Gruppen.

Nicole Diekmann: „Jeder, der nicht die Grünen wählt"

Irgendwann stellte ein Nutzer die Fangfrage: „Wer ist denn für Sie ein Nazi?“ Und Diekmann antwortete: „Jede/r, der/die nicht die Grünen wählt."

+++ ZDF-Journalistin Nicole Diekmann bekommt rechten Shitstorm ab +++

Offenkundig eine ironische Antwort, die in überspitzter Form genau das widerspiegelt, was rechte Nutzer wie der Fragensteller hören wollen: Die Linksgrünversifften Mainstreammedienmacher halten alle, die nicht grün wählen, für Nazis. Ist ja klar.

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Das Erschreckende: Viele verstehen die Ironie wirklich nicht - manche mutmaßlich mit Absicht. Nicole Diekmann hat einen Shitstorm am Hals. Schließlich schreib sie: „Nochmal: Ich halte natürlich NICHT alle diejenigen, die nicht Grüne wählen, für Nazis. Mein Tweet war die Reaktion auf eine Fangfrage. Dass meine Ironie nicht kenntlich war – mein Fehler. Dass er ausgeschlachtet wird – fies. Dass sich Menschen diffamiert fühlen: Entschuldigung!"

Shitstorm verkehrt sich ins Gegenteil

Inzwischen ist etwas Erstaunliches passiert. Der Shitstorm hat sich in sein Gegenteil verkehrt. Tausende Twitterer setzen seit ein paar Tagen ebenfalls Nachrichten mit dem Text "Nazis raus" ab, unter dem Hashtag #nazisraus solidarisieren sie sich mit Nicole Diekmann.

Darunter auch viele Prominente und Politiker. Grünen-Franktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckhardt etwa schreibt via Twitter: „Das, was Nicole Diekmann gerade erlebt, als Frau, als Journalistin, als Demokratin, betrifft uns alle. Deswegen großen Respekt für die Haltung sowieso, aber auch für das Standhalten #Nazisraus“.

Diekmann: „Das ist ja Wahnsinn"

Und der Comic-Zeichner Ralph Ruthe fragt: „Ich frage mich immer wieder, wer an einer Aussage wie „Nazis raus“ etwas auszusetzen haben kann? Eigentlich doch ausschließlich Nazis.“

Nicole Diekmann reagierte inzwischen auf die riesige Welle der Solidarität: „Leute, das ist ja WAHNSINN! Ich bin unheimlich gerührt und freue mich total. So vielen Dank für soviel Solidarität. Überwältigend! Ich verabschiede mich für ein paar Tage. Es war doch etwas unruhig. (Mit sehr warmem Herzen ab.)“, twitterte sie am Montag.

Inzwischen mehren sich indes auch kritische Stimmen, die in den Bekundungen zigtausender Twitternutzer nur einen weiteren Trend ohne Inhalt sehen. So schreibt etwa ein Nutzer: „Wer glaubt, 1 Hashtag würde reichen, hat nichts verstanden! Nazis raus ist ein ehrenwertes Motto in diversen Bubbles. Die konkrete Konfrontation mit Nazis und ihren Ermöglichern (auf der Straße, bei Diskussionen, im Umfeld etc.) erfordert mehr Entschlossenheit als nur 1 Posting!“

 
 

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