Netz-Blick auf Gutti und auf unsere Zukunft

Katrin Scheib
Wer wissen will, was die Zukunft bringt, muss nur im Netz nachlesen. Unter Titelschutzanzeiger.de stehen die Namen, die sich Sender für neue TV-Formate gesichert haben - und für Bücher, Tagungen und andere Produkte.

Essen. „Du hast doch neulich was mit Guttenberg geschrieben“, sagt der Kollege. „Weißt Du, was der am liebsten liest? Den Titelschutz-Anzeiger! Ti-tel-schutz, verstehste?“

Verstehe. Titelschutzanzeiger.de ist eine tröstliche Lektüre. Ist der letzte Zapfenstreich geblasen, bleibt dieser kleine Hort gut verborgenen Unterhaltungspotenzials. Ein Blick in die Zukunft, auf mögliche Filme, Bücher, Fernsehsendungen und andere Dinge, für die sich Firmen einen Namen haben schützen lassen.

„Sitz! Platz! Aus! Die große Hundeshow“

Nicht immer wird was draus, aber wen stört das? Allein der Gedanke, dass Sat1 uns mit „Buschpiloten küsst man nicht“ erfreuen will! Die Aussicht auf „Talk ohne Tabu“ aus dem sonst doch so reservierten Hause Endemol! Das Insiderwissen, bald „Sitz! Platz! Aus! Die große Hundeshow“ zu sehen!

„Blond, ledig, testet . . .“ – längst getitelschützt. „Bananen, Bier und Babyöl“ sowieso, der „Leererkalender“ auch. Selbst wer glaubt, mit „Sparen Sie 10 000 Euro mit einem Nagel“ oder „Ophthalmologische Schlossgespräche“ noch ein Nischlein zu finden, irrt.

Schnulli, Mutti, Gutti

Dass das Grauen viele Namen hat, zeigen geballt reservierte Titel: „Höllische Schönheits-OPs“, „Höllische Diäten“, „Höllische Nachbarn“. Und wer die Anzeiger-Ausgabe anklickt, die kurz nach Guttenbergs Rücktritt veröffentlicht wurde, sieht, dass der Kollege wohl Recht hatte: Unter Hinweis auf § 5 Abs. 3 MarkenG nimmt eine Firma aus Bayern Titelschutz in Anspruch für: „Nano uni“, „Nano rosa“, „Nano taxi“, „Nano schnulli“, „Nano mutti“ und: „Nano gutti“.